Gewaltiger Leerstand bei Ladenlokalen in New York

Leerstand auf der exklusive Madison Avenue – Foto Andrea Mohbin

Im März hat die Boroughpräsidentin von Manhattan (ungefähr Bezirksbürgermeisterin) Gale Brewer Freiwillige gebeten, den gut 27 km langen Broadway herunterzumarschieren und zu notieren, wieviele Läden auf New York’s ikonischer Strasse leerstehen. Das Ergebnis waren fast 200 Shops.

Was New Yorker schon lange spürten, wird nach und nach auch mit Zahlen belegt. Es gibt eine gewaltige Anzahl an geschlossenen Läden in der Stadt.

“Manhattan erlebt die höchsten Leerstände in seiner Geschichte” berichtet auch der Experte in Einzelhandelsimmobilien, Scott Plasky von der Immobilienfirma Marcus + Milichap, der Tageszeitung AMNY.
Gründe gibt es wohl mehrere:

Extrem hohes Preisniveau

In den A Lagen wurden die Mieten in den letzten 10 – 15 Jahren so hoch, dass sie fast nur noch Grossfirmen bezahlen können, die mit dem Laden direkt kein Geld verdienen müssen, sondern ihn durch andere Teile ihres Geschäfts subventionieren können.
Nach oben gibt es fast keine Grenzen. 100 qm an den besten Stellen der Fifth Avenue können fast 3000.000 Dollar im Monat kosten, an Stücken der Madison Avenue können für eine solche Fläche mehr als $ 120.000 erreicht werden, in SoHo $ 70.000 (natürlich sind viele Läden in Prunklagen ein Vielfaches grösser als 100 qm).
Auch im unteren Segment ist es wahnsinnig teuer. Ein kleiner Laden in einer Einzelhandels B Lage wie Manhattan‘s East Village, wo man typischerweise Shops wie kleine Boutiquen oder Second Hand Läden findet, kann mit 50 oder 60 qm auch schon 6-8.000 Dollar kosten. Diese Summen sind schwer zu hereinwirtschaften.

Lange Laufzeit von Mietverträgen

Einzelhandelsmietverträge laufen meist sehr lange – typischerweise zwischen 10 und 20 Jahren. Das die Marktpreise in den letzten 25 Jahren praktisch stärker stiegen, als die Mietsteigerungen, die in die Verträgen eingebaut sind, haben es sich Vermieter angewöhnt, mit extrem hohen Mieten zu starten, um sich so vor diesen ‘Verlusten’ so weit wie möglich zu schützen.

Statt mit den hohen Mietforderungen herunter zu gehen, lassen die Vermieter dann Läden oft lieber lange Zeit leerstehen. Grund dafür ist nicht nur Gier, sonder auch die Angst, besonders bei den gewaltig grossen Immobilienfirmen, wie zum Beisiel der Related Company, die viele Ladenlokale besitzen, dass das “Nachgeben” bei einer Location einen Dominoeffekt und Nachlassforderungen bei anderen Mietern zur Folge haben könnte. Eine Art Teufelskreis scheint hier entstanden zu sein.

Bauboom vergrössert Angebot an Einzelhandelfläche

In den letzten Jahren wurden viele Grossprojekte verwirklicht. Mit den Hudson Yards zum Beispiel wurde praktisch ein neues Viertel aus dem Boden gestampft. Andere Projekte werden in den kommenden Jahren gebaut sein, wieder andere sind schon in der Planung. Die allermeisten Grossprojekte haben auch viel Einzelhandelsfläche als Bestandteil.

Technologie

Geschwächt ist die Nachfrage nach Ladenlokalen natürlich auch durch das stetig beliebter werdende Onlineshoppen, das an den Umsätzen der Einzelhändler nagt und den Appetit auf Risiko verringert. Das immer rasanter werdende Tempo, mit dem Technologie die Welt verändert, macht es sicher auch schwieriger für Firmen, sich auf einen lang laufenden, hochdotierten Mietvertrag festnageln zu lassen.
Es wird interessant zu beobchten, wie sich die Situation mit dieser Menge an noch nie dagewesenen Leerständen in den nächsten Jahren enwickeln wird.

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