So funktioniert New York

Der Müll New Yorks: Woher kommt er, wohin geht er?

Foto – NY Post/AP Images

Die Amerikaner sind Weltmeister im Müll produzieren. Nirgends in den USA fällt mehr Abfall an als in New York, der größten Stadt des Landes. Wer weiß, welcher Berg an Unrat jeden Tag entsteht und was mit diesen gewaltigen Mengen passiert?

Um den Privatmüll inklusive des Abfalls in den 23.000 Müllkörben auf den Straßen – circa 10 Millionen Kilo pro Tag – kümmert sich das 10.000 Mann starke städtische Department of Sanitation (DOS). Das DOS hat noch andere Aufgaben, wie Straßenreinigung, aber der Großteil der Arbeiter ist mit der Müllbeseitigung beschäftigt. Wie immens die Müllabfuhr der Stadt ist, zeigen ein paar Zahlen. Der Fuhrpark umfasst 6.000 Fahrzeuge, davon über 2.000 Müllautos. Je nach Jahr werden 100 bis 200 Millionen Dollar für Neuanschaffungen ausgegeben. Die Einrichtung in Queens, wo die Flotte instandgehalten wird, ist – wenn man Militäranlagen ausnimmt – die größte ihrer Art in den ganzen USA, hier werden allein 100.000 Reifen pro Jahr ersetzt.

Der Privatmüll geht dann zu einer von 66 Transferanlagen an verschiedenen Punkten der Stadt, wo er von 18-Achsern und Güterzügen mit bis zu 35 Waggons aus New York hinausbefördert wird. Ziele sind New Jersey, Ohio, Pennsylvania und Virginia. Innerhalb der Stadtgrenzen gibt es keine Müllverbrennungsanlagen oder Deponien. (Die letzte Deponie, Fresh Kills auf Staten Island, wurde 2001 geschlossen. Schon ein paar Monate später musste sie wieder geöffnet werden, um den Schutt aufzunehmen, der nach den Anschlägen vom 11. September entstand. Inzwischen ist sie endgültig geschlossen.) Es wird auch Mülltrennung praktiziert, und circa 20 Prozent des Privatmülls – Metall, Glas, Plastik, Papier – wird zu Recyclinganlagen transportiert.

Die Menge an Gewerbemüll sowie Büro-, Restaurant- und Ladenabfälle beträgt ungefähr nochmal soviel wie der Privatmüll. Schon seit 1957 sind nicht mehr die Stadtwerke, sondern Privatfirmen mit seiner Entsorgung betraut. Dieses Geschäft wurde massiv vom organisierten Verbrechen, insbesondere der Mafia, kontrolliert. Es gab illegale Absprachen, die zur Folge hatten, dass sich verschiedene Firmen keine Konkurrenz in „ihren“ Gebieten machten. Es gab also jeweils einen Anbieter pro Gegend, mit den überhöhten Preisen, die so eine Struktur mit sich bringt. In den 90er Jahren gelang es den Behörden, das Abfallkartell weitgehend zu zerschlagen, und einige der „Müllkönige“ landeten hinter Gitter. Nun gibt es ein neues System mit Höchstgrenzen für die verschiedenen Entsorgungsleistungen.

Weil Gewerbemüll in der Regel homogener als Privatmüll ist – beispielsweise besteht ein Großteil von Büroabfall aus Papier –, eignet er sich besser zur Wiederverwendung und weist eine deutlich höhere Recyclingquote auf. Ansonsten ist seine Entsorgung praktisch die gleiche wie beim Privatmüll: Er kommt zu Transferstationen und wird von dort aus der Stadt gebracht. (Eingesammelt wird der Müll in der Stadt übrigens meist nachts, da dann weniger Verkehr ist.)

Der größte Posten sind die Abfallprodukte von Bauvorhaben, durchschnittlich mehr als 17.000 Tonnen am Tag. Verbund- und Kunststoffe wie Gipsplatten, Dämmmaterialien, Fußbodenbeläge usw. kommen auf eine Deponie. Naturstoffe wie Kies, Schotter und Steine, die in riesigen Mengen bei der Aushebung für Fundamente anfallen, sowie Beton werden zermahlen und für verschiedene Zwecke wiederverwendet.

Obwohl sich in den USA immer mehr Umweltbewusstsein breitmacht und die Stadt einiges tut, um die Menge an Müll zu verringern, wird erwartet, dass sein Volumen weiter zunehmen wird. Die Gründe hierfür sind das Wirtschafts- und das Bevölkerungswachstum sowie die Tatsache, dass ein Großteil der Menschen immer noch kein Interesse an der Müllreduzierung zeigt. Viele halten es deshalb nur für eine Frage der Zeit, bis es zur großen Müllkrise kommt.

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