Die Beachcombers – Schatzsuche an den Stränden New Yorks

Eddie Rosario am Coney Island Beach in Brooklyn – Foto Frank Adarte

Sie sind ein gewohntes Bild an den Stränden New Yorks: Männer mit riesigen Kopfhörern, die den Strand abgehen und dabei lange Stäbe vor sich hertragen, an deren unterem Ende große Platten befestigt sind, die sie dicht über dem Sand schwenken. Willkommen in der Welt der „Beachcombers“.

„Wir Beachcombers suchen nach Metallgegenständen, die die Leute im Sand verloren haben, nach Kleingeld, Uhren, Juwelen“, erklärt Eddie Rosario, 61. „Ich mache das nun schon seit 37 Jahren. Für mich ist es Hobby und Leidenschaft.“

Rosario, der an Stränden im ganzen Stadtgebiet aktiv ist, vom Norden in der Bronx bis ganz im Süden bei Brooklyn, geht im Sommer fast jeden Tag auf die Suche. „Ich bin am liebsten am frühen Morgen unterwegs, wenn erst sehr wenige Leute am Strand sind.“

Eddie arbeitet im „normalen“ Leben als Sonderschullehrer. Einen Beruf, um den ihn andere Beachcombers sicher beneiden, da er fast den gesamten Sommer freihat. Über die Jahre hat er einiges gefunden: Armbänder, Medaillons, Anhänger. Das meiste gibt er weg, überwiegend bekommt es seine Frau, die inzwischen auf diese Weise unter anderem 80 Ringe ihr Eigen nennt. Wenn er ab und zu mal richtig teure Stücke findet oder glaubt, dass sie großen sentimentalen Wert haben, versucht er, die Besitzer zu ermitteln.

„Ich habe über die Jahre vier Verlobungsringe gefunden und konnte jeden einzelnen zurückgeben, entweder weil eine Namensgravur drauf war oder weil die Leute mich angesprochen haben, ob ich nicht etwas gefunden hätte. Der teuerste davon war 16.000 Dollar wert. Die Frau hatte einen Riesenstreit mit ihrem Verlobten, riss ihn sich vom Finger und warf ihn ins Wasser. Wenig später setzte dann die Reue ein, und die Frau beauftragte mich, ihn zu finden. Fünf Jahre später traf ich sie wieder am Strand. Sie war glücklich verheiratet – allerdings mit einem anderen Mann“, lacht Rosario.

Über welche Funde freut er sich besonders? „Ich liebe die alten Münzen, die ich ab und zu finde. Sie erinnern mich an die Tage der Schatzsucher und haben eine besondere Romantik für uns Beachcombers. Aber leider sind sie sehr selten. Mein Traum ist es, eines Tages einen Morgan Liberty Silver Dollar zu finden“, sagt Eddie und bezieht sich dabei auf eine Münze, die zwischen 1878 und 1904 geprägt wurde und bei Sammlern sehr begehrt ist.

Eddies Werkzeug ist der Minelab Explorer II Metalldetektor. Unter den Beachcombers heißt er „das Biest“, weil er über 28 Frequenzen verfügt und zwischen verschiedenen Materialien unterscheiden kann. Kostenpunkt um die 1.400 Dollar. Mit diesem Gerät entdeckten Beachcombers vor sieben Jahren in Surf City, New Jersey, explosive Materialien aus dem Ersten Weltkrieg. Sie meldeten es den Behörden, die über mehrere Wochen alles entfernten. Der Strand konnte rechtzeitig zur Badesaison eröffnet werden.

Was möchte Eddie den Leuten über sein Hobby mit auf den Weg geben? „Beachcombing wird oft missverstanden. Man kann damit nicht wirklich Geld verdienen. Wenn ich an die Zeit denke, die ich damit zubringe, und daran, wie viel die Dinge, die ich behalten habe, wert sind, dann entspricht das umgerechnet weniger als dem staatlichen Mindestlohn. Wir sind auch keine Aasgeier, die vom Pech anderer profitieren wollen. Beachcombers sehen sich in der Tradition der alten Schatzsucher, die auch nicht wussten, was sie finden würden. Ein bisschen wie wir.”

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