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Berüchtigte Verbreiterin der Krankheit – Die Geschichte der Typhus Mary

Zwischen 1897 und 1915 kocht Mary Mallon in mindestens zehn Anstellungen. Irgendwann fällt auf, dass in den Häusern, in denen sie arbeitet, oft Menschen an Typhus erkranken. Der Sanitärtechniker George Soper kommt ihr auf die Spur, als in ihrem Stuhlgang Typhusbakterien gefunden werden. Das Gesundheitsamt der Stadt New York steckt sie darauf hin “zum Schutz der Öffentlichkeit” in Quarantäne. Der Fall wird publik und bald kennt jeder New Yorker “Typhus Mary”. Einige Menschen, vor allem Iren, denken, dass Mary wegen ihrer Irischstämmigkeit diskriminiert wird.

Nach drei Jahren wird sie unter der Auflage freigelassen, nie wieder mit Nahrungsmitteln zu arbeiten. Sie taucht unter und Jahre später als Mary Brown wieder auf: Sie kocht im Sloane Maternity Hospital in Manhattan. Nachdem auch dort mysteriöse Typhusfälle aufgetreten sind, wird sie in Quarantäne gesperrt. Als sie dort 1938 stirbt, findet man bei der Autopsie noch immer lebende Typhusbakterien in ihrem Körper. Insgesamt soll sie 47 Menschen infiziert haben, von denen drei sterben. Mary Mallon trägt Salmonella Typhi, den Typhuserreger, in sich, ohne selbst zu erkranken – sie ist eine sogenannte Dauerausscheiderin von Salmonellen.

Typhus gilt im 19. Jahrhundert als unheilbar und führt in etwa zehn Prozent der Fälle zum Tode. Der Fall von Mary Mallon macht deutlich, dass auch gesund wirkende Menschen den Erreger durch verunreinigtes Wasser und Nahrungsmittel übertragen können, und bewirkt, dass in der Nahrungsmittelproduktion und der Gastronomie künftig Hygienevorschriften erlassen und Gesundheitszeugnisse gefordert werden.

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