Die New Yorkerinnen und ihre High Heels

Eine Frau in Manhattan auf dem Weg zur Arbeit – Foto – Jason Keath via Flickr

Eines der Dinge, die viele Besucher New Yorks und unter ihnen besonders die modeaffinen Damen oft bemerken, sind die vielen Frauen, die auf High Heels, also hochhackigen Schuhen, unterwegs sind. High Heels scheinen hier deutlich verbreiteter zu sein als in den meisten anderen Großstädten der Welt.

„Die Straße auf High Heels entlangzulaufen, ist irgendwie glamourös – und ich fühle mich sexy dabei. Sogar, wenn ich nur auf dem Weg zur Arbeit bin“, sagt die 26-jährige Heather Clairmont, die an ihrer Karriere als Modedesignerin arbeitet. „Ein bisschen komme ich mir dann auch wie eines der Mädels aus ‚Sex and the City’ vor.“ In der Kultserie wurde Carrie ja mal mit vorgehaltener Pistole wegen ihrer Jimmy-Choo-Schuhe ausgeraubt.

Nicht nur die Schuhfirmen profitieren. In ihrem „Institute Beauté“ auf der exklusiven Park Avenue injiziert Dr. Suzanne Levine das Mittel Sculptra in die Fersen. Es soll die körpereigene Neubildung von Bindegewebe unterstützen und wird normalerweise genutzt, um Falten aufzufüllen und so das Gesicht zu verjüngen und zu „verschönern“. In die Ferse oder den Fußballen gespritzt, wirke es, so Dr. Levine, wie „ein Kissen für die Füße“. Kosten: 1500 Dollar – pro Fuß.

Jahrzehntelang haben Vorkämpferinnen für die Rechte der Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen geraten, im Büro und am Arbeitsplatz keine hohen Schuhe zu tragen, um nicht als Sexobjekt wahrgenommen zu werden. Viele der New Yorker Karrierefrauen hingegen finden, dass heutzutage genau das Gegenteil stimme und die High Heels inzwischen ein Symbol für „female power“ geworden seien. So sagt etwa Martha Waincole, die für einen großen Wall-Street-Broker arbeitet: „Die meisten Unternehmen werden von Männern geleitet. Ich glaube, dass die hohen Absätze uns Frauen einen psychologischen Vorteil bringen, weil sie uns auf Augenhöhe mit den Männern befördern.“ Und fügt hinzu: „Die Preisschilder entferne ich allerdings immer, damit mein Mann keinen Herzinfarkt bekommt.“

Auch Erica Lopez, eine 42 Jahre alte Managerin in einer Werbeagentur, denkt, dass das Tragen hoher Schuhe im Job von Vorteil sei: „Bei den High Heels im Büro geht es mir nicht darum, sexy zu sein, zumindest nicht vorrangig. Sie beweisen vielmehr, dass du dich anzuziehen verstehst und bereit bist, für dein gutes Aussehen auch einiges in Kauf zu nehmen. Flache Absätze können den Eindruck erwecken, dass dir Bequemlichkeit am wichtigsten ist – definitiv kein gutes Image in der Geschäftswelt. Für mich bedeuten hohe Absätze zu allererst weibliches Selbstbewusstsein.“

Kein Wunder also, dass er Verkauf der Schuhe boomt. Sogar die Läden von Manolo Blahnik, Jimmy Choo und Christian Louboutin, wo die meisten High Heels zwischen 500 und 800 Dollar kosten, sind voll. Oft gilt: je höher, umso besser. Nach einem Bericht in „Crain’s New York Business“ ist beim New Yorker Schuhdesigner Steve Madden im Moment das Modell mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen und einem breiteren Abschluss, der etwas bequemeres Gehen ermöglicht, der Renner, wohl nicht zuletzt wegen der Gehsteige hier, die oft einiges an Schäden bis hin zu Schlaglöchern aufweisen.

Obwohl New Yorkerinnen ihre High Heels lieben und oft bereit sind, dafür ein kleines Vermögen auszugeben, ist die Freude darüber nicht ganz ungetrübt: „So großartig man sich auf den hohen Dingern auch fühlt, so sehr schmerzen mitunter die Füße. Nach einer Weile kann es sich anfühlen, als ginge man auf heißen Kohlen“, lacht Heather Clairemont, die junge Modedesignerin, und gibt zu, dass sie immer ein paar flache Ersatzschuhe in der Tasche hat.

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