Die New Yorker

Donald Trumps tiefe New-York-Wurzeln

Donald Trump 1973 in Manhattan – Foto NY Times

Nicht immer weiß man, was von dem, was Donald Trump erzählt, stimmt und was nicht. Aber eins ist sicher – der Mann ist New Yorker durch und durch. Mit Wurzeln, die mehrere Generationen tief sind.

Donalds Großvater Friedrich Trump machte sich 1885 als 16-jähriger Halbwaise aus Kallstadt, einem kleinen Winzerdorf in der Pfalz, allein auf den Weg nach Amerika. Erst ging es nach Bremen, wo er zusammen mit hunderten anderen deutschen Einwanderern auf dem Schiff SS Eider seine 10-tägige Überfahrt in die neue Welt antrat. Erste Station dort war die Einwanderungsbehörde Castle Garden in Manhattan, wo Friedrich registriert wurde.

In Deutschland hatte Friedrich das Haareschneiden gelernt. Das machte er auch noch eine Zeitlang auf Manhattans Lower East Side – einem Viertel, wo sich damals so viele deutsche Einwanderer niederließen, dass man sogar mit Deutsch durchkommen konnte. Recht bald zog es den ehrgeizigen jungen Mann aber weiter westlich zur Pazifikküste, wo der Goldrausch in vollem Gange war. Der clevere Friedrich merkte schnell, dass in der Regel nicht die Schärfer es dort zu Reichtum brachten, sondern die Leute, die sie versorgten (wie übrigens auch der deutsche Einwanderer Levi Strauss, der mit Arbeitskleidung für Goldschürfer anfing). Friedrich Trump eröffnete Restaurants, Bars und Hotels in Rotlichtdistrikten, war in eine Vielzahl andere Immobilienprojekte involviert und verdiente gut (ob er auch Bordells betrieben hat, steht nicht mit Sicherheit fest). Um 1900 herum ging es für den eingebürgerten und wohlhabenden Friedrich zurück zur Ostküste. Dort heiratete er Elisabeth Christ, eine deutsche Einwanderin, die aus dem gleichen Dorf wie Friedrich stammte. Die beiden hatten drei Kinder. Das zweite kam 1904 zur Welt. Es war Frederick Christ, auch genannt Fred – Donald Trump Vater.

Donald Trump 1992 mit seiner Mutter – Foto NY Daily News

Fred Trump blieb der Immobilienbranche treu, in der sein Vater schon Erfolg hatte, aber führte das Geschäft zu ungeahnten Höhen. Er baute, vornehmlich in den Boomjahren nach dem Zweiten Weltkrieg, große Wohnanlagen für Klein- und Mittelverdiener in Queens – einem Teil New Yorks, wo ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung lebte (und auch heute noch lebt). Da deutsche Abstammung zu der Zeit nicht gerade ein Pluspunkt war, verbarg Fred die seine nach Möglichkeit gerne. Und auch Donald ist von seinen deutschen Wurzeln so wenig angetan, dass er in seinem Buch ‘The Art of the Deal‘ schrieb, dass er von schwedischen Einwanderern abstamme. Das Geschäft mit den Wohnanlagen lief so gut, dass Fred bei seinem Ableben 300 Millionen Dollar hinterließ. (Dass sein Vater ein sehr reicher Mann war, ist etwas, das der ‘self-made man‘ Donald nicht so gerne herausstellt.) Fred war ein recht konservativer Geschäftsmann und den Schritt ins möglicherweise lukrativere, aber auch schwieriger zu manövrierende Manhattan machte er nie. Er war auch in seinem Privatleben solide. Er heiratete im Alter von 24 die schottisch-stämmige Anne McLeod, mit der er zeitlebens verheiratet blieb und fünf Kinder hatte. Das vierte war Donald Trump, der 1946 in Queens zur Welt kam.

Abschlussfoto der New York Milllitary Academy zeigt den 18 jährigen Donald

1959 schickte Fred Trump seinen damals 13-jährigen Sohn Donald auf die New York Millitary Academy, die dieser 1964 abschloss. Dann ging es für ihn weiter auf die renommierte ‘Wharton School of Business‘ – einem Teil der University of Pennsylvania, wo er 1968 sein Diplom erhielt. Die folgenden Jahre arbeitete Donald in der Firma seines Vaters in Queens mit, bis er sich Mitte der 1970er Jahre mit eigenen Projekten selbstständig machte. Im Gegensatz zu Vater Fred hatte der junge Donald den Blick aber fest nach Manhattan, in vieler Hinsicht das Epizentrum des weltweiten Immobilienmarktes, gerichtet. Sein erstes Bauvorhaben war das Grand Hyatt Hotel an der Grand Central Station, das 1978 fertiggestellt wurde. Fünf Jahre später folgte dann der Trump Tower, auch heute noch sein bekanntestes Gebäude.

In der Zwischenzeit entdeckten auch die Medien den jungen, erfolgreichen Immobilenmogul. Das erste große Interview gab er dem bekannten Journalisten Tom Brokaw auf der vielgesehenen Today Show. (hier YouTube Link zum Interview) Viele weitere Medienauftritte sollten folgen, die aus dem erfolgreichen New Yorker Geschäftsmann jemand machten, von dem fast jeder Amerikaner schon einmal gehört hatte. 1987 nutzte Trump das große Medieninteresse zur Veröffentlichung des Buches ‘The Art of the Deal’ (verfasst mit ungenanntem Ghostwriter). Das Buch belegte ein Jahr lang einen Spitzenplatz auf der Bestsellerliste der New York Times.

Die 1990er Jahre waren durchwachsen für Trump. Am Anfang der Dekade meldete seine Firma den Konkurs an, aber bis 1996 hatte er sich so weit erholt, dass er wieder auf der Forbes Magazine-Liste der 400 reichsten Amerikaner landete. Das Medieninteresse blieb bestehen, obwohl es dann wohl in den Boulevardzeitungen seiner Heimatstadt am stärksten war. Die Journalisten hier wussten, dass Trump immer für einen guten Spruch gut war.

Immer für ein Titelblatt in der New Yorker Boulevardpresse gut

2004 landete Trump dann medientechnisch seinen wohl größten Coup mit der ‘Reality TV’-Sendung ‘The Apprentice’ (das deutsche Äquivalent war ‚Big Boss‘ mit Rainer Calmud). Die Show, gedreht natürlich im heimischen Trump Tower, wurde ein gewaltiger Erfolg und katapultierte den dann schon fast 60-Jährigen wieder ins nationale Scheinwerferlicht. Ohne die gewaltige Publicity der Sendung wäre eine Präsidentschaft Trumps wohl nur schwer vorstellbar gewesen. Bis er sich vor ein paar Jahren in den Wahlkampf für das Präsidentenamt stürzte, war Donald Trump mit ‘The Apprectice‘ erfolgreich – eine Ewigkeit im TV-Geschäft.

Werbung für ‘The Apprentice’ hängt am Trump Tower – Foto Daily News

Obwohl das Medieninteresse an Trump in New York seit den 1980er Jahren mit Schwankungen immer hoch war, kann man darüber aber nicht auf große Beliebtheit schließen. Das Gegenteil ist der Fall. Der erste Präsident in über 100 Jahren, der aus New York stammt, bekam in seiner Heimatstadt denkbar schlechte Ergebnisse. Stadtweit kam er gerade mal auf 18 Prozent. In Manhattan, wo vielerorts Gebäude mit vergoldeten Trump-Namenszügen zu sehen sind, kam er auf ganze 9,7 Prozent. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum Donald seit seiner Amtseinführung keinen großen Drang verspürte, in seinen Geburtsort zurückzukehren. Seit der Wahl war er nur ein paarmal hier, wobei es beim ersten Mal gleich große Proteste vor dem Trump Tower hagelte – in der Zwischenzeit versuchen einige der ‘Trump Gebäude‘, den Namen loszuwerden, was möglich ist, weil Trump viele der Immobilien gar nicht oder zu weniger als der Hälfte gehören. (Siehe Artikel hier)

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