Eleanor Ambos machte eine alte Fabrik zu einer der coolsten Adressen New Yorks

Eleanor Ambos Photo: Joann Jovinelly
Eleanor Ambos. – Foto: Joann Jovinelly

Eine 86-jährige deutsche Auswanderin verwandelte ein altes Fabrikgebäude in Queens in eine der begehrtesten Adressen für Fotoshootings, Partys und Hochzeitsfeiern in New York.

Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verließ die 17-jährige Eleanor Ambos Deutschland in Richtung Amerika.In den USA lebte sich die junge Frau prima ein und erarbeitete sich zwei Abschlüsse von angesehenen Universitäten. Danach begann ihr Berufsleben in der New Yorker Verlagswelt. „Der Großteil meiner Arbeit bestand darin, Ablehnungsschreiben an Autoren zu verfassen“, erinnert sich Ambos.

 

Chellise Michael’s fotografische Eindrücke vom Metropolitan Building

 

Mit 30 hatte sie hiervon genug und wagte den enormen Schritt, ihre wahre Leidenschaft, die Inneneinrichtung, zum Beruf zu machen. Die fleißige Ambos schaffte es in den nachfolgenden Jahren, ein erfolgreiches Unternehmen für den Verkauf und Verleih von Antiquitäten, Dekorations- und Kulissenelementen aufzubauen. Um die Gegenstände zu lagern, mietete sie ein Gebäude an Manhattans 26th Street. 1982, nach vielen Jahren in dem Gebäude, wollte ein neuer Hausbesitzer die Miete um das Vierfache anheben – sonst würde der Mietvertrag nicht verlängert werden.

„Der Bursche dachte, ich wäre ihm ausgeliefert, weil ich so viel Zeug dort hatte, noch dazu alles im vierten Stock“, erzählt uns Ambos.

Anstatt dem Vermieter klein beizugeben, entschloss sich Ambos, umzuziehen und bei dieser Gelegenheit eigene Räume zu erwerben, um nicht wieder in die gleiche Situation zu kommen. Nachdem sie Manhattan durchforstet hatte und nichts fand, das passend und bezahlbar war, entschied sie sich, die Suche auszudehnen.

„Als typischer Manhattaner kam ich nur sehr selten in andere Teile New Yorks. Normalerweise überquerte ich den East River nur für eine Fahrt zum Flughafen. Ich hatte so gut wie keine Ahnung, was sich sonst dort abspielte. Das Erkunden von Queens war dann ein regelrechtes Abenteuer für mich.“

Während einer dieser Suchaktionen entdeckte sie das Metropolitan Building im Long Island City-Viertel von Queens, gleich auf der anderen Seite des Flusses gegenüber von Manhattan. Long Island City war zu der Zeit ein reines Gewerbegebiet. In dem alten Fabrikgebäude aus dem Jahr 1909 wurden früher einmal elektrische Bauteile hergestellt. Der Zustand des Gebäudes war so schlecht, dass es Eleanor die Kaufentscheidung erleichterte. „Ich musste mir keine Sorgen machen, was denn genau fehlte oder erneuert werden musste. Man konnte mit ein paar Blicken sehen, dass innen praktisch alles marode war. Es gab noch nicht einmal Heizung, Wasser oder Strom. Ich entschied mich auf der Stelle, das ganze Ding für 92.000 Dollar zu kaufen.“

Nach mehr als 20 Jahren kontinuierlicher Arbeit, einer Menge Geld und viel „deutscher Gründlichkeit“ ist das Metropolitan Building von außen ein Paradebeispiel für eine schön und authentisch instand gesetzte alte Gewerbeimmobilie. Wirklich spektakulär wird es aber innen. Eleanor Ambos schaffte hier ein einmaliges Interieur.

Mit den circa 2.000 Möbelstücken, viele davon auf der Straße eingesammelt, sowie Hunderten von Requisitegegenständen wie Säulen, Podeste oder antike Gepäckstücke gab Ambos jeder Etage ein eigenes Ambiente (siehe Video). In den Requisiten findet sich übrigens auch ihr ureigener Koffer (genannt Ambos 51), der schon 60 Jahre lang zwischen Europa und Amerika hin und her geschippert ist.

Obwohl Ambos nie für das Metropolitan als Location geworben hat, hat sich seine Einzigartigkeit über die Jahre bei Fotografen, TV- und Filmleuten und Eventmanagern herumgesprochen. Fernsehsendungen wurden dort gedreht, nahezu jeder bekannte Modekatalog hat hier Aufnahmen gemacht, und die alte Fabrik diente auch oft als Filmset. Besonders bekannt ist das Metropolitan für außergewöhnliche Hochzeiten, meist von Paaren aus den kreativen Branchen.

Die Gegend rund ums Metropolitan avancierte in der Zwischenzeit zu einer begehrten Wohngegend. Obwohl man ihr schon 20 Millionen Dollar für das Gebäude geboten hat, will Ambos, deren Augenlicht sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechterte, nicht verkaufen. „Die Arbeit ist noch lange nicht vorbei. Als nächstes kommt ein Dachgarten.“

„Die Leute denken, dass ich so ein schlauer Immobilienspekulant sei – können Sie sich das vorstellen? Aber viel ist auch dem Glück und der Leidenschaft für meine Arbeit geschuldet. Hätte ich nicht tausend Sachen zu verstauen gehabt, wäre ich nie hier gelandet.“ In den letzten Jahren machte Ihre Augen Eleanor schwer zu schaffen. Statt sich davon entmutigen zu lassen , nutzte sie die veränderten Lebensumstände, um die Welt neu kennzulernen. Diese Geschichte wird schön im Dokumentarfilm Eleanor Ambos Interiors erzählt.

 

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