Wohin mit den Toten? – Letzte Ruhestätten

Der Green-Wood Cemetery in Brooklyn - Quelle: Green-Wood Cemetery
Der Green-Wood Cemetery in Brooklyn. – Quelle: Green-Wood Cemetery

Leben in New York. Ein faszinierendes Thema. Aber was ist mit dem Sterben?

Ungefähr 60.000 der 8,4 Millionen New Yorker sterben jedes Jahr. Da fragen sich viele, was mit den Toten in dieser vom Platzmangel geprägten Stadt passiert.

Ein bedeutender Teil der Leichen – es gibt keine genauen Zahlen, dennoch sicher erheblich mehr als der amerikanische Durchschnitt von 35 Prozent – wird verbrannt. New Yorks Bevölkerung besteht zu großen Teilen aus Zugezogenen und Einwanderern und die meisten Bestattungen finden deswegen außerhalb New Yorks statt. Dennoch bleiben etwa 15.000 Menschen, die auf den hiesigen Friedhöfen beerdigt werden – und es wird permanent schwieriger, eine Ruhestätte für sie zu finden.

 

Grab des Kaufhauskönigs F.W. Woolworth im Woodlawn Cemetery - Credit Jose Sanchey
Das Grab des Kaufhauskönigs F. W. Woolworth auf dem Woodlawn Cemetery. – Credit: Jose Sanchey

 

In Manhattan, wo circa 12.000 Leute im Jahr sterben, sieht es ganz düster aus. Die Friedhöfe sind voll und es ist extrem schwierig bis unmöglich, hier noch einen Platz zu ergattern. Sogar ein legendärer New Yorker mit erstklassigen Verbindungen wie der ehemalige Bürgermeister Ed Koch hatte Probleme, ein Grab zu bekommen. Koch hasste den Gedanken, seine geliebte Insel auf Dauer verlassen zu müssen und suchte händeringend einen Friedhof, wo er nach seinem Ableben unterkommen konnte. Der damals 83-Jährige hatte schließlich auf dem Friedhof der Trinity Church an der 155th Street Erfolg, dem einzigen Friedhof, der noch Neuankömmlinge aufnimmt, jedoch in extrem kleiner Anzahl. (Kochs Situation war schwierig, da er Jude ist und der Friedhof christlich. Aber nach einem Treffen von Rabbis mit den Offiziellen des Friedhofs fand man eine Lösung – Koch bekommt eine eigene Ecke). Kurz nach dem 1. Februar 2013 hat er dann seine letzte Ruhestätte bezogen.

Nicht nur ist es seit 200 Jahren schwierig, ein Plätzchen auf einem Manhattaner Friedhof zu ergattern. Auch wenn es geklappt hatte und man hier beerdigt wurde, war diese Grabstelle alles andere als gesichert. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im dichtbesiedelten New York tausende Beerdigte später in andere Teile der Stadt und sogar in Vororte „transplantiert“. Dies geschah manchmal im Namen der Hygiene – es hieß, die Leichen verbreiteten Cholera und Gelbfieber –, aber hintergründig ging es oft mehr um Immobilieninteressen. Die Friedhöfe konnten in kostbares Bauland umgewidmet werden. (Heutzutage ist dies dank der sehr strikten Bestimmungen nicht mehr möglich.)

Es gibt 250 bis 300 Friedhöfe in New York, von denen aber nur circa 75 noch neue Gäste aufnehmen können. Die meisten dieser Friedhöfe sind aber klein und führen nur eine Handvoll Bestattungen durch. Die beiden großen Platzhirsche unter den Friedhäfen sind Woodlawn in der Bronx mit 300.000 beerdigten Menschen und Green-Wood in Brooklyn mit 600.000 Liegeplätzen. Heute werden in beiden zusammen aber auch nur noch 3.000 Menschen pro Jahr bestattet. Es zeichnet sich ab, dass in zehn bis 20 Jahren dort überhaupt nichts mehr frei sein wird.

Dieser Mangel an Platz ist auch ein Problem für die Friedhöfe selbst. Die fehlende Möglichkeit, Grabstätten zu verkaufen, die durchschnittlich jeweils 7.000 bis 10.000 Dollar in die Kasse spülen, mindert ihre Einnahmen derart, dass sie auch bei der Instandhaltung des Friedhofs sparen müssen. Einige Friedhöfe verfielen deshalb in einen nahezu irreparablen Zustand. Die Betreiber von Green-Wood glauben, dass sie schon in ein paar Jahren ganz mit dem Verkauf von Plätzen aufhören müssen. Um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen, vermietet man Teile des Friedhofs bereits für Konzerte, Lesungen und, ja, Hochzeiten. Das Leben muss schließlich weitergehen.

Dennoch gibt es eine sichere Möglichkeit, in New York beerdigt zu werden, aber dazu muss man in sehr schlechten Umständen sterben. Zwischen der Bronx und Long Island gibt es die kleine Insel Hart Island, mit dem Friedhof der Armen und Unbekannten. Hier beerdigen die Insassen von Rikers Island – dem größten Gefängnis der USA – für 25 bis 35 Cent pro Stunde Menschen, für die sich keiner mehr interessiert hat. Wie zu erwarten, ist es hier deshalb auch sehr voll, und über die Jahre sind bis zu 150 Erwachsene an ein- und derselben Stelle beigesetzt worden. Insgesamt fanden in den letzten 150 Jahren 800.000 Beerdigungen auf Hart Island statt. Aber es werden dort nicht nur komplette Erwachsenenleichen bestattet. Die Massengräber sind gestapelt voll mit den Körpern von Totgeborenen, von Kindern, amputierten Körperteilen und unidentifizierten Leichenteilen.

Die armen New Yorker. Nicht nur müssen sie kämpfen, um das richtige Apartment zu finden, auch nach dem Tod hören die Immobilienprobleme für viele nicht auf.

Besuchen Sie New Yorks interessanteste Friedhöfe:

 

Green-Wood Cemetery

New Yorks größter Friedhof ist die dauerhafte Ruhestätte für mehr als 600.000 New Yorker, neben Normalbürgern findet man hier auch die Gräber von Mafia-Mitgliedern, Zeitungsmogulen, Schauspielern und Generälen.

500 25th Street an der Fifth Avenue, Sunset Park, Brooklyn (718-768 7300)

 

Woodlawn Cemetery

Wohl einer der schönsten Friedhöfe der Welt mit Parkcharakter. Der Friedhof hat viele Bäume, die noch aus der Zeit der Gründung 1863 stammen. Jazzfans sollten wissen, dass hochkarätige Musiker wie Miles Davis oder Duke Ellington hier ihre letzte Ruhestätte fanden.

501 East 233rd Street an der Webster Avenue, Bronx (718-9200500)

 

St. Mark’s Church

Die Gemeinde der St. Mark’s Church gibt es seit mehr als 350 Jahren und sie ist somit die älteste durchgehend aktive Kongregation in ganz New York. Peter Stuyvesant, der letzte holländische Gouverneur von New Amsterdam, wie New York einst hieß, ist hier beerdigt. Man sagt, sein Geist streife auf dem Kirchhof herum.

232 East 11th Street an der Second Avenue, Manhattan

 

New York Marble Cemetery

Manchmal auch nur Second Avenue Cemetery genannt, ist dieses Stück Land einer der ältesten nicht konfessionellen Friedhöfe in NYC. Aber Moment – wo sind die Gräber?

Die meisten der hier Beerdigten sind zwischen 1830 und 1870 aufgenommen worden, als man noch glaubte, dass Leichen für Ausbrüche an Gelbfieber verantwortlich seien und ihre Erdbestattung verboten war. Dementsprechend wurden die Toten in unterirdischen Grüften aus Marmor verstaut und  ihre Namen auf den Wänden der Friedhofsmauern verewigt.

41 Second Avenue zwischen 2nd und 3rd Street, Manhattan

 

Der New York City Marble Cemetery

Auch auf diesem 1831 gegründeten nicht konfessionellen Friedhof wurden die Toten in unterirdischen Marmorgrüften bestattet. Anders als beim ums Eck gelegenen New York Marble Cemetery erinnert hier eine ebenerdig über dem Standort der Gruft verlegte Marmorplatte an den Toten. An ihrer Stelle ließen viele Familien dann Gedenksteine, Mausoleen oder andere Grabbauten errichten.

52-74 East 2nd Street zwischen First und Second Avenue

 

Die Friedhöfe der orthodoxen jüdischen Gemeinde Shearith Israel (auch „Die spanische und portugiesische Synagoge“ genannt)

Dieser historische jüdische Friedhof musste zweigeteilt werden, nachdem in New York das Straßenraster eingeführt worden war. An der 11th Street sind circa 20 Grabsteine, weiter nördlich an der 21st Street befindet sich der größere Teil mit 150 Gräbern.

76 West 11th Street zwischen Broadway und University Place sowie
98 West 21st Street an der Sixth Avenue

 

Evergreens Cemetery

Er wurde von Calvert Vaux gestaltet, der auch maßgeblich an der Erschaffung des Central Parks beteiligt war. Der inmitten sanfter Hügel gelegene Friedhof bietet den Toten (und ihren Besuchern) einen großartigen Ausblick auf Manhattans Skyline und auf den Atlantik.

Bushwick Avenue an der Conway Street, Brooklyn

 

Hartsdale Pet Cemetery

Als erster seiner Art in den USA ist dieser von Tierärzten gegründete Friedhof die letzte Ruhestätte für mehr als 70.000 Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen und – uh – Löwenbabys.

75 North Central Park Avenue, Hartsdale, New York

 

St. Paul’s Church und Trinity Church

Diese beide Kirchen im älteste Teil New Yorks (in der Nähe des ehemaligen World Trade Centers und der Wall Street) haben schöne, kleine historische Friedhöfe. In der Trinity Church ist Alexander Hamilton beerdigt (der Mann auf der 10-Dollar-Note), der sein Ende bei einem Duell fand.

Trinity Church, Broadway Ecke Wall Street, Manhattan

St. Paul’s Church, Broadway zwischen Fulton Street und Vesey Street, Manhattan

 

Trinity Church Cemetery and Mausoleum

Die Trinity Church hat noch einen weiteren historischen Friedhof am ganz anderen Ende Manhattans. Hier hat man einen tollen Blick über den Hudson River. Es ist der einzige Friedhof in Manhattan, der noch neue Beerdigungen durchführt, hier ist der im Artikel erwähnte Bürgermeister Ed Koch beerdigt.

770 Riverside Drive bei der 155th Street, Manhattan

eny-image