Gesellschaft + Politik

Gibt es eigentlich eine Krankenversicherung in New York?

Das NYU (New York University) Hospital. Ein gewaltiger Komplex mitten in Manhattan – Foto Ed Drescher

Durch meine 15 Jahre als Stadtführer für Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bin ich bestens vertraut mit den Vorstellungen vieler Besucher. Eine Frage, oder eigentlich schon eher ‘Feststellung’, die ich oft hörte, ist “In New York gibt es doch keine Krankenversicherung, oder?”. Hier ist die echte Situation:

Fangen wir mal ganz unten an der Einkommensleiter an. Menschen, die weniger als circa 17.000 Dollar* im Jahr verdienen, bekommen vollkommen kostenlose Krankenversicherung durch das vom Bund bezahlte Medicaid Programm. Versichert ist man durch eine private Firma, wie alle anderen auch. Leute, die zu viel für Medicaid verdienen, aber weniger als circa $24.000, haben Optionen wie den stark subventionierten New York Essential Plan, wo man ab 20 Dollar im Monat versichert sein kann. Leute über 65 sind durch das stark subventionierte Medicare Programm versichert, ebenso durch den Bund. Die meisten Leute, die mehr als die $24.000 im Jahr verdienen, haben ein festes Arbeitsverhältnis und haben im Normalfall dadurch eine Versicherung, bei denen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Anteil teilen. Dies ist und war immer schon die Art, wie der überwiegende Teil der Menschen versichert war. Jeder normale Mittelklassejob und praktisch jeder Bürojob wie Bankangestellter, Polizist oder Hotelmanager hat eine Krankenversicherung. Da es schlecht fürs Image ist, keine Krankenversicherung anzubieten und die Verantwortung auf den Staat abzuwälzen, gibt es sogar immer mehr bei Billigjobs wie McDonalds, Starbucks oder Walmart Krankenversicherung. (Wie in den meisten Ländern auf der Welt haben Krankenhäuser übrigens bei Notfällen eine Behandlungspflicht. Wenn die Rechnung dann nicht bezahlt wird, zahlt das auch der Staat und/oder das Krankenhaus bleibt darauf sitzen.)

Am schwersten mit der Versicherung hatten es eigentlich immer Leute, die mehr als 24.000 Dollar verdienen, aber keinen Arbeitgeber haben oder einen, der keine Versicherung anbietet (eine Ausnahme). Diese Einzelkunden waren bei den Versicherungsfirmen immer schon unbeliebt, da sie ein Defizit-Geschäft sind. Es ist also kurioserweise so, dass es ein armer Mensch leichter hat, eine Versicherung zu bekommen, als ein freiberuflicher Mittelverdiener. Auch für Gruppen wie diese, wurde der der Affordable Care Act, auch als Obamacare bekannt, ins Leben gerufen. Das Grundprinzip ist, dass Versicherer alle Menschen versichern muss, aber dafür Subventionen vom Staat erhalten. (Auch Leute, die mehr verdienen, müssen nach dem Gesetz versichert werden, aber es gibt keine Subventionen und sie zahlen mehr) In der Praxis ist es jetzt so, dass zum Beispiel ein Freiberufler, der 48.000 Dollar im Jahr verdient, eine Versicherung für einen Betrag von um die $400 pro Monat erwerben kann. Die andere Seite des Gesetzes ist, dass man mit einer Strafsteuer bestraft wird, wenn man sich nicht versichert. Wenn man sich als braver Europäer denkt, das ist doch alles ok, kennt man den Amerikaner nicht. Viele beschweren sich, dass durch Obamacare das Recht eingeschnitten wird, unversichert zu sein. Andere wollen sich nicht von den $5.000 im Jahr trennen und verlassen sich auf Ihr Glück, gesund zu bleiben und sagen sich ‘Da mach ich mir Gedanken, wenn ich den Arzt brauche’. Fazit ist aber, dass 95% der Menschen in New York versichert sind und es ein Mythos ist, dass eine Krankenversicherung hier ein unerreichbarer Luxus ist, von denen viele nur träumen können.

Nächste Woche mehr zum Thema ‘Gibt es Sozialleistungen in New York’?

*Die genannten Einkommensgrenzen gelten für Einzelpersonen; bei Familien liegen sie höher.

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