Going Green in New York – Das Umweltbewusstsein steigt

Die ‘Brooklyn Grange Rooftop Farm’ – Foto: Brooklyn Grange

In New York steigt das Umweltbewusstsein, und grün gilt zunehmend als sexy.

Wie auch in Europa werben zum Beispiel viele Restaurants damit, bevorzugt regionale Zutaten zu verwenden, die nicht über lange Strecken in die Stadt gekarrt wurden (ob dies unterm Strich tatsächlich umweltfreundlicher ist, lassen wir jetzt mal außen vor, es geht hier um das Thema Umwelt in den Köpfen der Menschen). In der Immobilienbranche ist die Verwendung neuer Technologien, die die Umweltverträglichkeit der Gebäude steigern, ein starkes Verkaufsargument. Beim Riverhouse Apartmentgebäude in der Nähe des Ground Zero etwa, das in dieser Hinsicht auf dem neuesten Stand ist, gehören umweltbewusste Promis wie Leonardo Di Caprio zu den Wohnungseigentümern.

Auch bei Gewerbeimmobilien setzt man auf grün. Praktisch alle Neubauten beinhalten jetzt grüne Elemente und bei älteren Gebäuden wird viel nachgerüstet. Das Empire State Building wurde kürzlich für über eine halbe Milliarde Dollar modernisiert. Ein Großteil des Geldes wurde für Umweltschutz- und Energiesparmaßnahmen ausgegeben, zum Beispiel wurden alle 6.500 Fenster ersetzt und ein komplett neues Heizungs- und Kühlsystem installiert. Jetzt werden in dem 1931 fertiggestellten Gebäude an die 35 Prozent weniger Energie verbraucht. Ein anderes Beispiel ist die zum Wahrzeichen gewordene 1.500 Meter lange George Washington Bridge, eine der längsten Hängebrücken der Welt, die mit einem neuen LED-Lichtsystem ausgerüstet wurde. Sogar das Lichtermeer am Times Square ist Teil des Trends. Der Büromaschinenhersteller Ricoh lässt seine Lichtreklame durch ein fotovoltaisches System betreiben.

Auch bei Dienstleistern ist grün in. Einige chemische Reinigungen werben damit, dass die ‘grüne’ Kleidung auf die umweltschonendste Weise gereinigt wird, grüne Kammerjäger versprechen den geringstmöglichen Einsatz umweltbelastender Chemikalien.

Immer öfter werden auch grüne, also bepflanzte, Dächer angelegt. New York kann an vielen Sommertagen so heiß und schwül werden, dass die Klimaanlagen überall auf Hochtouren laufen. Die  evapotranspiratorischen Effekte dieser Green Roofs bewirken, dass Gebäude im Sommer mit weniger Energie gekühlt werden können (und man im Winter weniger Wärme braucht). Zwei Beispiele von Gebäuden mit großen Dachflächen, die diesen Weg beschritten haben, sind ein großes Vertriebszentrum der amerikanischen Post im Manhattaner Stadtteil Chelsea oder die Silvercup Film- und TV-Studios in Queens.

Auch bei privaten Hausbesitzern ruft das Thema erneuerbare Energien stetig mehr Interesse hervor. Die wichtigste Quelle, die Solarenergie, wird immer häufiger nachgefragt, obwohl die Installation der Anlagen in New York noch sehr teuer und diese Art der Energiegewinnung wirtschaftlich noch nicht wettbewerbsfähig ist.

Eine bedeutende Rolle spielt die Politik. Bürgermeister Bill De Blasio hat das Ziel seines Vorgängers Michael Bloomberg übernommen, den in der Stadt erzeugten Schadstoffausstoß bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Auch hat DeBlasio das Ziel vorgegeben, bis 2030 100 Prozent des New Yorker Mülls zu recyceln.

Die Stadt tut einiges, um dieses Ziel zu erreichen. So setzt sie beispielsweise vermehrt auf umweltfreundliche Technologien. Die klassische Glühbirne, die schon immer weniger nachgefragt wird, darf ab 2026 nicht mehr verkauft werden. Auf einer Webseite der Stadt erfahren die New Yorker, wie sie diese am besten ersetzen können oder welche Haushaltsgeräte Energie am effizientesten verbrauchen. Im Januar trat eine Vorschrift in Kraft, derzufolge nur noch Autos auf neuestem umwelttechnologischen Stand als Taxen zugelassen werden. Bei den öffentlichen Bussen fahren schon seit Jahren viele Hybrid-Modelle. Die Stadt entwickelte zusammen mit der City University of New York eine interaktive „Solar Map of the New York Skyline“. Hier kann man sehen, welche Gebäude das meiste Sonnenlicht bekommen und sich besonders für die Anbringung von Solarkollektoren eignen.

Auch das New Yorker Schulsystem hat einige ‘grüne’ High Schools, die im gesamten Curriculum Umweltaspekte berücksichtigen und zum Bürgerengagement erziehen wollen. Neu dazu kamen in den letzten Jahren zwei ‘Growing up green’-Grundschulen, in denen den Kindern beigebracht wird, sich umweltbewusst zu verhalten.

Wurde New York also in den letzten Jahren zum Umweltparadies? Leider nein. Im Alltag sieht man überall stark umweltschädliches Verhalten. Beim Verpackungswahn hat sich wenig getan. Energieverschwendung, wie zum Beispiel durch Klimaanlagen, die so stark eingestellt sind, dass man sich an einem Hochsommertag in geschlossenen Räumen wie im Kühlschrank fühlt, sind keine Seltenheit. Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Auch ist die New Yorker Gesellschaft, wie in vielen Bereichen, beim Thema Umwelt arg gespalten. Im ultraschicken elitären Tribeca, wo man Leute mit Geld und Bildung findet, ist die Recyclingrate die höchste der ganzen Stadt, und in der South Bronx ist sie am niedrigsten. De facto interessiert sich ein großer Teil der Stadtbewohner nach wie vor nicht im geringsten für Umweltschutzmaßnahmen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich das Umweltbewusstsein in den nächsten Jahren in der gesamten Gesellschaft entwickelt.

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