New York 360

Wie gut ist die Luft in New York?

Vom Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bis in die 1960-er Jahre war die New Yorker Luft die dreckigste Luft in den ganzen USA und lag sicher auch weltweit auf der Verdrecktheitsskala obenauf. Eine 80-jährige Nachbarin berichtet “Wir sahen die Luftverschmutzung damals nicht nur, wir wischten sie vom Fensterbrett. Als Kinder freuten wir uns immer über die schwarzen Schneeflocken, erst später verstand ich, dass es Teilchen von verbranntem Müll waren.”

Bis zu dieser Zeit machte in Sachen Schadstoffausschuss jeder, was er wollte. Nicht nur gab es beispielsweise 32 große staatliche Müllverbrennungsanlagen, sondern 17.000 Mietskasernen hatten ihre eigenen Verascher, in denen sie ohne jegliche Vorgaben ihren eigenen Müll verbrannten. Geheizt wurde viel mit schweren Ölen und Kohle, weil es am billigsten war. Auch Kraftwerke wurden meist auf dieser Basis betrieben.

1966 starben innerhalb weniger Tage um die 200 Leute an Atmungserkrankungen, als sich schlechte Luft mal mehrere Tage über der Stadt festsetzte. Das Gleiche geschah bereits 13 Jahre früher. (Dass dies nicht viel öfters passierte ist der geographischen Lage und Klimafaktoren in New York zu verdanken, aber dazu später mehr). Solche Vorfälle und auch der allgemeine Zeitgeist in den 1960-er Jahren führte zur Bildung eines gewissen Problembewusstseins in New York und dem Rest Amerikas.

1970 verabschiedete der US Kongress das ‚Clean Air Act’, das Auflagen an Industrie, Energieerzeuger, Betreibern von Wohnkomplexen usw. enthielt. Das Ziel des Gesetzes war es, Schadstofferzeuger dazu zu bringen, bestehende technische Möglichkeiten zu nutzen, um den Ausstoß von Schadstoffen zu senken. Zeitgleich wurde die Bundesbehörde ‘Environmental Protection Agency’ (EPA) gegründet, die sich unter anderem um die Einhaltung des Gesetzes kümmern sollte. Dazu kamen in dieser Zeit auch lokale Behörden, in New York das ‚Department of Environmental Protection‘ (DEP). Über die Jahrzehnte gab es in New York auch immer wieder Bestrebungen der Stadtpolitik, die Luftqualität zu verbessern. So stellte der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg 2008 den OneNYC Plan vor, der Initiativen enthielt, die die Umwelt entlasten sollten. 2016 sagte sein Nachfolger Bill De Blasio zu den bisherigen Ergebnissen von One NYC “New Yorker atmen heute die beste Luft seit Beginn der industriellen Revolution, aber es gibt noch viel zu machen.“

Über die Initiativen der Politik hinaus, hat New York einige geographische, klimatische und wirtschaftliche Vorteile, die sauberer Luft zuträglich sind:

Klima/Geographie – Die Stadt liegt am Ozean, ohne Berge drum herum, es gibt viel Wind und eine ordentliche Menge Regen, das heißt Luft hängt nicht sehr lange über der Stadt. Die Stadt mit Amerikas schlechtester Luft, Los Angeles, ist von Bergen umringt, die die Luftmassen einschließen können- ein Faktor, der den berüchtigten Smog dort entstehen lässt.

Kaum Schwerindustrie – Den großen Luftverschmutzer Schwerindustrie findet man in der Region New York relativ wenig. Es gibt Kleinstädte auf der Welt, wo die Luft schlechter ist als in der Megametrople New York, weil dort Schwerindustrie angesiedelt ist.

New York ist eine reiche Stadt – Maßnahmen zur Schadstoffreduktion kosten alle Geld, oft sehr viel. Viele Megastädte mit schlechter Luft befinden sich in armen Regionen der Welt, z.B. Lagos, New Delhi, Karachi oder Teheran.

Wie sieht die Luft in New York ausgedrückt in Zahlen aus und im internationalen Vergleich? Das ‘World Air Quality Project’ betreibt eine Seite, die den sogenannten ‘Air Quality Index‘ anzeigt, der laufend aktualisiert wird. Die sechs Hauptbelaster der Luft (siehe Liste am Ende des Artikels) werden gemessen und ein Faktor zwischen 0 und 300 ermittelt – so niedriger die Zahl, umso besser die Luft und alles unter 50 gilt demnach als guter Wert (siehe auch Infografik unter diesem Artikel). Die Daten kommen von 10.000 Messtationen weltweit. Als ich den Artikel schreibe (6.November 2018 um 7.30 Uhr) sehe ich auf der Seite folgende Werte: New York ist bei 5, Berlin bei 47, New Delhi bei 147 und Jilin eine Industriestadt in China bei 273.

Die 6 meistgemessensten Luftverschmutzer:

Ozon
Stickstoffdioxid
Schwefeldioxid
Kohlenmonoxid
Feinstaub PM 2.5
(Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer)
Feinstaub PM 10
(Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer)

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