Gesellschaft + Politik

Obdachlose in New York

Foto – Ed Burns Flickr

Nach Schätzungen leben circa 60.000 der ungefähr 8.5 Millionen New Yorker auf der Straße. Gibt es in einer Stadt, die für viele Leute weltweit den herzlosen Großstadtdschungel symbolisiert Hilfsangebote für diese Menschen? Oder sind sie auf sich alleine gestellt? Wie oft, wenn man die Realität in New York abseits der gängigen Klischees betrachtet, wird die Antwort vielerorts überraschen.

Die erste große Überraschung ist die Menge an Geld, die für Obdachlosenhilfe ausgegeben wird. Das Budget der Stadt für das Jahr 2018 beinhaltete zwei Milliarden Dollar für Hilfe für Menschen ohne Bleibe. Pro Person umgerechnet sind das weit über $ 30.000 – mehr als viele Leute verdienen. Wenn man den Betrag auf die tatsächlich Hilfesuchenden umlegt, ist er sogar noch höher, da sich ein Großteil der Obdachlosen nie an die Stadt wendet. Die zweite Überraschung ist das ‚Right to Shelter‘ Gesetz, das es in New York gibt. Es verpflichtet die Stadt, Obdachlosen Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Dieses Gesetz ist etwas sehr seltenes in den USA. Vergleichbare Vorgaben gibt es in ganz Amerika nur in Washington D.C. und dem Staat Massachusetts.

2017 verkündete Bürgermeister De Blasio einen ehrgeizigen Plan, nach dem 90 neue Obdachlosenheime eröffnet werden sollen. Die neuen Einrichtungen sollen sicherer und moderner als ältere Heime sein und bessere Hilfestellungen anbieten, um den Obdachlosen beim Übergang in ein geregelteres Leben zu helfen. Mittlerweile haben ungefähr 20 der Einrichtungen ihre Pforten geöffnet.

Die zuständige Behörde für Obdachlosenfragen ist das ‘Department of Homeless Services’ (DHS). Das Amt wird oft wegen Ineffizienz kritisiert. Laut dem neuesten Bericht der Stadt New York, in dem die Arbeit des DHS behandelt wird, betragen die Kosten für eine Nacht, in der ein einzelner Obdachloser auf Stadtkosten beherbergt wird, $117. Bei Familien mit Kindern sind es $193. Die Kosten sind in den letzten Jahren auch um einiges gestiegen. Isaac McGinn, Sprecher des DHS; begründet dies so_ „Wir haben in den letzten Jahren viel in das Heimsystem investiert, denn wir wollen, dass weniger Notlösungen wie Hotelunterbringung notwendig werden und dass die Unterkünfte besser und sicherer werden.“

Ein Grund für die hohen Kosten ist, dass Obdachlose, wenn die Heime voll sind, in anderen Unterkünften wie Hotels untergebracht werden müssen. Das kostet die Stadt in manchen Fällen schon über $ 7.700 pro Monat bei einem verheirateten Obdachlosenpaar. Hier finden Sie einen Link zu einem Artikel in der New York Post über Obdachlose, die in gehobenen Hotels untergebracht wurden.

Bei den gewaltigen Mengen an Geld kann man auch von einem gewissen Maß an Korruption ausgehen und viele der Mitte versickern sicher irgendwo. Natürlich gibt es auch Leute, denen an einer Verbesserung der Situation gar nicht gelegen ist, da sie vom Status Quo profitieren. Eine Interessengruppe sind die Betreiber von privaten Obdachlosenunterkünften, die der Stadt viel mehr in Rechnung stellen, als sie für ihre Zimmer auf dem normalen Markt bekommen könnten.

Auch der Durchschnittsbürger erschwert die Lösung des Problems oft. Niemand will bei sich im Viertel ein Obdachlosenheim. Wenn Pläne bekannt gegeben werden, hagelt es normalerweise gleich Bürgerproteste. Auch hat das DHS es mit einem Klientel zu tun, dem nicht immer einfach zu helfen ist, denn bei den meisten Obdachlosen spielen psychische Erkrankungen und Suchtprobleme eine Rolle beim Abrutsch in die Obdachlosigkeit.

Trotz der Schwierigkeiten sind aber auch Erfolge zu verzeichnen. Das DHS sagt, dass seit 2014 mehr als 100.000 Menschen zu festen Unterkünften verholfen wurde, und alleine im Jahr 2018 für ungefähr 10.000 Familien Wohnungen zur Verfügung gestellt werden konnten. Natürlich kommen aber wieder neue Obdachlose nach und es wird hier, wie auch in anderen Großstädten auf der Welt wohl leider immer Menschen ohne eigenes Zuhause geben.

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