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Warum ist ein Großteil der Insel Manhattan von einem unsichtbaren Faden umspannt?

 

 

Teile eines Eruv vor dem Hearst Gebäude in Manhattan – Sie müssen ganz genau gucken, er besteht aus fast durchsichtiger Angelschnur – Foto Oliver Baumer

Ein Großteil der Insel Manhattan wird von einem durchsichtigen, nylonähnlichen Faden umspannt. Dieser ist knapp 30 Kilometer lang und ist hauptsächlich an den Strommasten befestigt. Was steckt dahinter?

In keiner Stadt der Welt, selbst denen in Israel nicht, leben mehr Juden als in New York. Der Sabbat ist in dieser Religion bekanntlich der Tag der Ruhe, und Juden, die sich an Glaubensgesetze halten, dürfen an diesem Tag in der Öffentlichkeit nicht arbeiten. Als Arbeit zählt sogar jede Form von Tragen, selbst wenn es Kinder oder Einkäufe sind. Im ‚privaten Raum‘ ist dies jedoch erlaubt.

Jüdische Rechtssprechung muss dann irgendwann in der langen Geschichte der Religion abgesegnet haben, dass solch ‘privater Raum’ durch jede Art von Einzäunung, selbst die mit einem Faden, geschaffen werden kann, und der ‘Eruv‘ war erfunden. Innerhalb eines vom Eruv umspannten Raumes können die Gläubigen am Sabbat arbeiten, ohne gegen jüdische Glaubensgesetze zu verstoßen, da sie sich ja in ‚Privatraum‘ befinden. (Ganz so einfach ist es dann übrigens doch nicht. Jüdische Gelehrte, besonders orthodoxe, streiten sich oft darüber, was einen Eruv religionskonform macht, was genau erlaubt ist und nicht usw., aber dass würde hier etwas zu weit führen.)

Einen Eruv hat Manhattan bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert. Die heutige Installation wurde zuerst 1994 begonnen und wächst seitdem graduell, um immer weitere Teile des Bezirks einzuschließen. Der Eruv wird von mehreren Synagogen unterhalten und kostet gut und gerne um die 100.000 Dollar pro Jahr.
Einen Eruv gibt es nicht nur in Manhattan, sondern auch in anderen Bezirken New Yorks sowie anderen amerikanischen Städten wie Atlanta, Chicago oder Baltimore und natürlich an praktisch allen Orten Israels und in anderen Städten der Welt.

Donnerstags wird jeder Meter des Eurv von einem Rabbi untersucht, um sicherzugehen, dass alles seine Ordnung hat. Es gibt auch einen Twitter Feed zum Manhattaner Eruv, wo die Gläubigen aktuelle Infos abrufen können.

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