New York 360

Angst vor Zusammenbruch des Gesundheitssystems – Die Coronakrise in New York intensiviert sich

Wie in viele Großstädten der Welt wird auch in New York fast alles heruntergefahren, das nicht unbedingt lebenswichtig ist. Wenn man durch die Straßen der Stadt geht, sieht man derzeit praktisch nur medizinische Versorger und Lebensmittelläden offen. Gerade erließ Andrew Cuomo, Gouverneur des Staat New York, auch eine Anordnung, dass in keinem Unternehmen mehr als die Hälfte der Mitarbeiter vor Ort arbeiten dürfen.

“Wir werden sehen, ob das die Ausbreitung verlangsamt”, sagte er. “Wenn nicht, werden wir die Zahlen noch weiter reduzieren”, so der Gouverneur.

Trotz aller Anstrengungen sahen die Zahlen, die Cuomo am Mittwoch vorlegte, nicht sehr gut aus. Am Mittwoch gab es im Bundesstaat New York 2.382 Menschen, die positiv getestet wurden, verglichen mit 814 am Vortag. Der Großteil des Sprungs sollte aber auf die starke Zunahme von Tests zurückgehen. Ein Drittel der bisher circa 15.000 Personen wurden an einem einzigen Tag, dem Dienstag, getestet, also kurz bevor Cuomo seine Zahlen vorlegte. Man kann davon ausgehen, dass mindestens die Hälfte der Infizierten in der Stadt New York leben, die so die am meisten betroffene Großtadt der USA ist.

Einer der neuen bestätigten Fälle ist ein Häftling in New Yorks größtem Gefängniskomplex Rikers Island,  auch ein Aufseher dort soll infiziert sein. In den Strafanstalten der Stadt sitzen derzeit etwa 5.400 Häftlinge ein. Rufe nach vorzeitiger Entlassung, besonders krankheitsanfälliger Insassen werden lauter.

Der Times Square, wie man ihn sonst nie sieht – Foto CWNS

Cuomo machte es in mehreren Statements unmissverständlich klar, dass derzeit nichts wichtiger sei, als den Virus einzudämmen.

“Wir durchlaufen eine Gesundheitskrise, die wir in dieser Bedrohlichkeit noch nicht erlebt haben”, so Cuomo. “Die müssen wir erst einmal bewältigen, mit den wirtschaftlichen Folgen beschäftigen wir uns danach.”

1.000 pensionierte medizinische Fachkräfte folgten innerhalb nur eines Tages dem Appell von Bürgermeister Bill De Blasio, sich als Freiwillige zu melden.

Die große Angst ist der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, sollte es immer mehr ernsthaft Kranke geben. Die 62 Krankenhäuser der Stadt haben eine Gesamtkapazität von circa 27.000 Betten und diese sind derzeit schon oft knapp.

Die U.S.N.S. Comfort – Foto US Navy

Um zu helfen erklärte sich die US-Bundesregierung bereit, das Krankenhausschiff U.S.N.S. Comfort mit 1000 Betten und Operationssälen nach New York zu schicken. Da es derzeit Reperaturen durchläuft, ist nicht zu erwarten, dass es vor Ende April hier anlegen wird. Auch das Army Corps of Engineers will Cuomo um Hilfe bitten, um mehr Krankenhausbetten nach New York zu bekommen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Virus sind noch nicht abzusehen, werden aber immens sein. Beispiele sind die Schließung von New Yorks größtem Hotel, dem Hilton Midtown mit 2.000 Zimmern oder die Entlassung von 80% des Personals der Restaurantgruppe Union Square Hospitality, die einige der renommiertesten Restaurants der Stadt betreibt.

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