Gesellschaft + Politik

Religion in New York

Karfreitagsprozession über die Brooklyn Bridge – Foto Slate

In New York regiert der Mammon, an Religion hat hier kaum jemand Interesse, geschweige denn Zeit – das ist ein gängiges Bild, das viele Menschen vom spirituellen Leben der Stadt haben.

Dass sich in New York schon immer viel ums Geld gedreht hat, ist richtig. Eine Folge davon ist aber auch, dass in der Stadt praktisch immer Religionsfreiheit herrschte. Nicht irgendwelcher Ideale wegen, sondern weil es besser fürs Geschäft war, jeden das glauben zu lassen, was er will. Bereits als New York 1624 von der holländischen West Indies Trading Company als Handelskolonie gegründet wurde, verlangte man von Siedlern keine bestimmte Religionszugehörigkeit. Man brauchte Leute und akzeptierte jeden brauchbaren Kandidaten.

Hasidische Juden in Brooklyn – Foto – Matthew Bebeto

Die Toleranz setzte sich bis heute fort. Natürlich gibt es immer Menschen die Ressentiments gegen Anhänger anderer Religionen haben, aber es gab in der 400-jährigen Geschichte der Stadt nie rechtliche Ungleichstellung oder Verfolgung, auch nicht nach den Anschlägen des 11. September 2001.

Heute werden in New York mehr Religionen ausgeübt als je zuvor. Man findet alle christlichen Denominationen und die verschiedenen jüdischen und islamischen Glaubensrichtungen. Buddhismus und Hinduismus sind genauso vertreten wie exotischere Religionen wie Voodoo oder Santería.

Das Islamic Cultural Center auf der 96th Street in Manhattan

Wie lebendig Religion in New York ist, kann man auf den Straßen erkennen. Am Freitag sieht man viele Muslime, die in die Moscheen gehen, um am wichtigsten Tag im Islam dort zu beten. Juden, die samstags zur Synagoge gehen, gehören genauso zum Stadtbild wie die vielen Menschen in Harlem, die sich für den sonntäglichen Gottesdienst feingemacht haben.

Das übereinstimmende Ergebnis mehrerer Umfragen und Studien, die über die Jahre durchgeführt wurden, ist, dass sich gut 80 Prozent der New Yorker auf irgendeine Art einer Religion zugehörig fühlen. Davon sind schätzungsweise zwei Drittel Christen, um die 15 Prozent Juden und der Rest entfällt auf Muslime und andere Religionen.

Die Abyssinian Church in Harlem – Foto Ed Korn

Es gibt über 1.600 nicht-katholische Kirchen (dazu gehören auch winzige Kirchen in Ladenlokalen, wie man sie in Harlem findet), gut 350 katholische Kirchen, circa 300 Synagogen, um die 90 Moscheen, circa 80 buddhistische Tempel und vielleicht 60 Hindutempel. Dazu kommen noch Versammlungsorte für Religionen wie Vodoo oder Santería, von denen aber nur die Eingeweihten wissen.

Das tatsächliche religiöse Engagement der einzelnen Menschen schwankt natürlich. So gibt es zum Beispiel bei den Juden solche, die lediglich die hohen Feiertage begehen und sonst ein paarmal im Jahr die Synagoge besuchen. Bei den streng orthodoxen Juden hingegen wird fast jedes Detail des täglichen Lebens von religiösen Gesetzen bestimmt. Auch bei den anderen Religionen findet man das ganze Spektrum.

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