New York 360

Bis zu 7% aller weltweit bekannten Infektionen – NY jetzt eines der Corona Epizentren

Foto – AP

Wie in vielen Großstädten der Welt ist auch in New York seit einer Woche praktisch alles heruntergefahren, das nicht unbedingt lebenswichtig ist. Seit Sonntag gilt eine nächtliche Ausgangssperre.

Indessen steigen die Zahlen von bestätigten COVID-19 Infizierten in der Stadt New York stark. Gouverneur Andrew Cuomo teilte mit, dass es mit Stand Donnerstag Mittag (26.03.) 21.393 bestätigte Fälle und 383 Tote in der Stadt gab. Vor 8 Tagen gab es noch 923 bekannte Infektionen. Eine Woche zuvor: 36. Ein großer Teil des Anstiegs ist aber mit Sicherheit darauf zurückzuführen, dass immer mehr Leute getestet werden. New York ist jetzt eins der Epizentren, mit bis zu 7% aller weltweit bekannten Infektionsfälle.

Der Gouverneur sagt, dass die Zahl der Todesopfer wegen dem Mangel an Beatmungsgeräten leider nicht unerwartet sei.

Behelfsmäßig würden Maschinen so umgerüstet, dass sie zwei Patienten zugleich beatmen können, auch Anästhesiemaschinen würden mancherorts umgebaut, um als Beatmungsgeräte dienen zu können.

Gouverneur Andrew Cuomo – Foto – Office of the Gouverneur

Gesundheitskommissar Dr. Oxiris Barbot gab diese Einschätzung zur Lage: “Wir erwarten, dass die Anzahl an Fällen in den kommenden Wochen und Monaten weiter und weiter steigen wird. Es ist keine Sache, die wir schnell unter Kontrolle bringen können. Letztendlich könnten sich 50% der New Yorker infizieren, vielleicht viel mehr.”

Bürgermeister De Blasio zeigte sich indessen stark irritiert von Äußerungen, die Präsident Donald Trump am Dienstag machte. Denen zufolge stände Amerika ‘in den Startlöchern, um wieder an die Arbeit zu gehen’. Er wolle viele der derzeitigen Beschränkungen bis Ostern aufheben.

“Die Vorstellung, dass wir im April ‘wieder normal’ sein könnten, ist an dieser Stelle absolut undenkbar”, so De Blasio. Manche New Yorker sehen die Bemerkungen des Präsidenten mit Humor: “Wenn Trump die Bestimmungen Ostern aufhebt, wird Jesus dieses Jahr nicht auferstehen“ ist einer der Witze, die die Runde machen. In der Praxis wäre eine solche ‘Aufhebung’ wohl gar nicht möglich, da sie Kooperation der Lokalregierungen und vor allem der Bürger voraussetzt, die derzeit weit davon entfernt scheinen.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Die Bundesregierung wird noch diese Woche 4.000 Beatmungsgeräte in die Stadt liefern, so de Blasio. Den letztendlichen Bedarf der Stadt schätzt der Bürgermeister auf 15.000 Einheiten.

Rikers Island, das größte Gefängnis der Stadt – auch hier wurden Häftlinge entlassen

300 Häftlinge, die als besonders anfällig für Coronaviruskomplikation erscheinen, wurden indess von der Stadt aus Gefängnissen entlassen.

Das Wort der Stunde in New York ist ‘Social Distancing’. Es sollen nur unbedingt notwendige soziale Kontakte stattfinden und wenn irgendmöglich ein Abstand von 6 Fuß (1.8 m) voneinander eingehalten werden. Das klappt gut und praktisch jeder hält sich daran, und ist so weit vom Mitmenschen entfernt wie es irgendwie geht. Dieses Verhalten ermöglicht auch, dass die Parks offen bleiben können.

Es gibt sehr wenige Problemzonen, wo die Regeln nicht rigide eingehalten werden. Eine davon sind Spielplätze. Der Bürgermeister kündigte deshalb an, sie möglicherweise zu schließen. Eine Entscheidung soll am Samstag fallen.

Social Distancing im ‘Oculus Transportation Hub’, einem der größten Bahnhöfe der Stadt – Foto Mark Lehman

Hospitale verbieten mittlerweile fast alle Krankenhausbesuche. Menschen, die im Sterben liegen sind ausgenommen und manche der Einrichtungen erlauben die Partner von gebärenden Frauen ins Zimmer, solange sie chirurgische Masken tragen und keine Symptome zeigen.

Dermot Shea, Chef des ‘New York Police Department‘ teilte mit, dass nie in der Geschichte der Stadt, mit der Ausnahme von Tagen mit schweren Schneestürmen, weniger Strafdelikte gemeldet wurden, als am vorangegangenen Montag. Laut Shea gäbe es auch mindestens 211 bekannte Fälle von COVID-19 Infizierten in seinen Rängen.

Die Achillesferse New Yorks bei dieser Pandemie ist die Bevölkerungsdichte. In der Stadt selbst leben gut 8.5 Millionen Menschen, und im Großraum circa nochmal soviele. Auf der anderen Seite hat die Region New York so viele Ressourcen wie kaum eine andere Metropole dieser Welt. Wir werden sehen.

New York Aktuell

Newsletter
eny-image