New York 360

New Yorker Milliardär Epstein wegen schwerer Sexverbrechen angeklagt – Fall schlägt hohe Wellen in den ganzen USA

Staatsanwalt Geoffrey Berman auf Pressekonferenz Foto – US Court Southern District of New York

Der Fall des New Yorker Hedge Fund Manager Jeffrey Epstein, dem schwere Sexualverbrechen vorgeworfen werden, schlägt gewaltige Wellen in den gesamten USA. Auch, weil er bis ins Kabinett von Donald Trump reicht und in der Meinung vieler Amerikaner veranschaulicht, wie Ultrareiche sehr viel nachsichtiger von der Justiz behandelt werden als der Normalbürger.

Epstein soll zwischen 2002 und 2005 hunderte von jungen Frauen und Mädchen in New York und Miami sexuell missbraucht haben. 2007 erhob die US-Staatsanwaltschaft beim Bundesgericht, das für Miami zuständig ist (US District Court of the Southern District of Florida) deswegen Anklage gegen den Finanzier. Das Verfahren endete mit einem Deal, den die Staatsanwaltschaft mit den Vertretern von Epstein aushandelte. Statt einer möglichen lebenslangen Haftstrafe bekam Epstein 18 Monate, von denen er nur 13 absitzen musste. Selbst für diese kurze Zeit bekam Epstein ungewöhnliche Hafterleichterungen. Er durfte das Gefängnis an sechs von sieben Tagen verlassen und wurde fast täglich von seinem Chaffeur von der Haftanstalt in sein Büro gefahren.

Epstein dachte wohl, dass er sich nun über seine Taten keine große Sorgen machen müsse, aber dank eines meisterhaften investigativen Artikels der Miami Herald Reporterin, Julie K. Brown, hat der Milliardär größere Probleme denn je. Ihre Recherchen lieferten zum großen Teil die Vorlage für eine neue Anklage des US District Court of the Southern District of New York, in dessen Jurisdiktion auch die Stadt New York liegt. Dank Ms. Brown konnte für dieses Verfahren viel neues Beweismaterial an den Tag gebracht werden. (Die erneute Anklage ist möglich, da der Deal in Florida nur für die US-Staatsanwaltschaft, die für Miami zuständig ist, galt, sich aber viele der Verbrechen in New York ereignet haben sollen.)

Die Vorwürfe gegen den 66-Jährigen sind schaurig. Er soll zwischen 2002 und 2005 eine Art Sexring aufgebaut haben, um fortlaufenden Zugang zu jungen Mädchen zu haben, die er sexuell missbrauchte. Es soll hunderte Opfer geben, manche von ihnen nur 14 Jahre alt. Der Milliadär soll es gezielt auf Mädchen, die aus ärmeren Verhältnissen stammten, abgesehen haben. Der Anklage zufolge zahlte der schwerreiche Epstein den Mädchen Beträge von einigen Hundert Dollar für Sex. Mädchen, die Freundinnen für Epstein ‚rekrutierten‘, bekamen ‘Provisionen‘ in ähnlicher Höhe. Die Verbrechen sollen sich in seinem palastartigen Besitz in Florida und seinem opulenten New Yorker Stadthaus in Bestlage direkt am Central Park abgespielt haben.

Das 7-stöckige Manhattaner Townhouse, 9 East 71st Street, vor dem sich seit Bekanntwerden der Anklage Scharen von Reportern versammeln, hat laut Immobilienfachzeitung ‘The Real Deal’ einen Marktwert von bis zu 100 Millionen Dollar. Epstein gönnte sich dort fast jeden möglichen Luxus, bis hin zu einem beheizbaren Bürgersteig vor seinem Anwesen, um Schnee und Eis schneller schmelzen zu lassen. Bundesbehörden versuchen es nun zu beschlagnahmen, um Schadenersatzforderungen von Opfern zu sichern.

Jeffrey Epstein’s Stadthaus am Central Park – Foto Google

Der Fall reicht bis in Kabinett Trump, denn bei dem für Epstein extrem vorteilhaften Deal vor 12 Jahren in Miami war der zuständige Staatsanwalt Alexander Acosta, der heute Arbeitsminister bei Donald Trump ist. Vielerorts wird wegen seiner Rolle in dem Verfahren nun der Rücktritt von Acosta gefordert. Der frühere Staatsanwalt entgegnet, dass er die höchst mögliche Strafe mit den damals verfügbaren Beweisen herausgeholt habe. (UPDATE: Acosta trat am 12. Juli zurück)

Trump selbst bezeichnete den Hedge Fund Manager noch 2002 als ‚terrific guy (in etwa ‘tollen Typen‘) – jemand, mit dem man ‚Spaß haben kann‘, und ein Mann, der ‚schöne Frauen genau so liebt wie ich’, aber bei ihm seien sie oft ‘etwas jünger‘. Trump soll Epstein aber aus seinem Golfclub geschmissen haben, als junge Mitarbeiterinnen sich über sein anzügliches Verhalten beschwerten. Diese Woche sagte der US-Präsident über Epstein: “Ich bin kein großer Fan von ihm, gar kein großer Fan”. Über die dem Finanzier vorgeworfene Taten wisse er nichts. Auch Bill Clinton, der oft in Epsteins Privatjets mitgeflogen war und Spenden für seine Stiftung von ihm annahm, will nichts mehr mit dem Milliardär zu tun haben, sondern verlangt, dass er ‘für die ihm vorgeworfenen schweren Verbrechen zur Verantwortung gezogen wird‘. Beide sagten, dass sie schon jahrelang keinen Kontakt mehr mit Epstein hatten.

Investigative Reporterin Julie K. Brown brachte den Stein wieder ins Rollen – Foto Miami Herald

Bei einer Verurteilung drohen Finanzier bis zu 45 Jahre Haft. Mit dem intensiven Medieninteresse und in Zeiten der #meetoo Bewegung ist es schwer vorzustellen, dass Epstein, der von seinen mächtigen Freunden von einst nun wie die Pest gemieden wird, ohne lange Gefängnisstrafe davonkommen kann. Auch ist die Justiz dieses Mal extrem hoch motiviert, weil das Verfahren aus dem Jahr 2007 für viele ein Versagen des Rechtssystems und besondere Behandlung für Ultrareiche symbolisiert. Es wird der Staatsanwaltschaft nun wohl viel daran gelegen sein, den Milliardär möglichst ‘hoch zu hängen‘.

Epstein war am Samstag festgenommen worden, als sein Privatjet, aus Frankreich kommend, auf einem Privatflughafen in New Jersey landete. Am Donnerstag soll es eine Anhörung geben, bei dem entschieden wird, ob der Finanzier vorläufig auf Kaution freikommt. Staatsanwalt Geoffrey Berman kündigte an, er werde Haft bis zum Prozess beantragen. “Mr. Epstein stellt ein großes Fluchtrisiko dar”, so Berman. (UPDATE: Freilassung auf Kaution wurde vom Richter abgelehnt)

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