New York 360

Millionen bei der ‘Pride Parade’, der weltweit größten Feier für Schwule und andere sexuelle Minderheiten

Riesige Menschenmengen waren am Sonntag zur 50. Pride Parade unterwegs, um die LGBT Community zu feiern (LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexual, und Transgender). Nach Angaben der Veranstalter marschierten 150.000 Menschen auf der Parade mit und über zwei Millionen Zuschauer säumten die Straßen auf der Strecke an der 5. und 7. Avenue (genauer Verlauf im Video oben). Bei prächtigem Wetter herrschte Party- und Karnevalstimmung: überall waren farbenfrohe Kostüme, die viel Haut zeigten, zu sehen. Aus Lautsprechern ertönte pumpende Clubmusic und es gab sogar einen Überraschungsauftritt von Lady Gaga. Das runde Jubiläum gab dem Event eine besonders festive Stimmung und war sicher auch ein Grund, warum dieses Jahr alle Rekorde bei Marschierenden und Zuschauern gebrochen wurden. (Der ganze Monat Juni wurde dieses Jahr als Pride Month deklariert und die Parade war der krönende Abschluss).

Pride auf der 5th Avenue – Foto Tom Posman

Der allererste Marsch, damals hieß er noch ‘Christopher Street Liberation Day‘, fand am 28. Juni 1970 statt, zum Jahrestags der ‘Stonewall Riots’, die im Vorjahr stattfanden. Die Stonewall Riots waren tumultartige Proteste, mit denen sich Schwule gegen Razzien ihrer Kneipen auf der Christopher Street im Greenwich-Village-Viertel von Manhattan wehrten. Eine der Kneipen, das Stonewall Inn, gab den Geschehnissen dann auch ihren Namen. Es gab dann auch besonderen Jubel, als am Sonntag der Festwagen dieser Schwulenbar, die es immer noch gibt, die Strecke entlang fuhr.

Millionen Zuschauer säumten die Straßen – Foto Tom Posman

Das Event, das als Schwulenmarsch begann, wurde über die Jahrzehnte ein Ereignis für die ganze LGBT Community. Teilnehmer und Zuschauer kamen von überall in den USA und auch viele internationale Besucher waren in der Stadt. “Ich bin unglaublich froh, hier zu sein, inmitten dieser tollen Menschen, die die Liebe lieben“, so Diego Icardo, der mit seinem Freund Fernando Videla und einer lesbischen Freundin, Eva Collares, aus Buenos Aires angereist war. „Es ist einfach herzergreifend für uns.“

Gouverneur Andrew Cuomo (hinter Buchstaben N, weißes Hemd) marschiert beim Pride March – Foto Alex Sentinel

Auch führende Politiker marschierten mit. Vorne dran war Bürgermeister Bill De Blasio, dessen Politik als sehr LGBT freundlich gilt. Auch Andrew Cuomo, der Gouverneur des Staates New York, nahm teil. Einem Reporter der Daily News sagte er während der Parade “New York war immer führend, wenn es um die Gleichstellung der LGBT Community ging und das wollen wir auch bleiben“. Corey Johnson, der Vorsitzende des New Yorker Stadtrats, der schwul und HIV-positiv ist, war besonders bewegt vom Pride March. „ Als Teenager in einer Kleinstadt, in der ich mein Schwulsein verstecken musste und selbstmordgefährdet wurde, hätte ich mir nie träumen lassen, an einem so wunderbaren Event teilnehmen zu könnnen. Dass ich Poltiker wurde, der das Privileg hat für die Belange der LGBT Community eintreten zu können, macht den heutigen Tag besonders schön für mich.“ Am Abend leuchtete auch das Empire State Building in den Farben des Regenbogens, einem Symbol der LGBT-Bewegung.

Das Empire State Building erstrahlt in den Farben des Regenbogens – Foto Flickr

Auch Big Business hat LGBT für sich entdeckt und praktisch jedes Geschäft in Manhattan hatte entsprechend dekoriert – manchmal so üppig, dass es an Weihnachten erinnerte. Die Reaktionen hierzu waren aber geteilt. Viele in der LGBT Community sahen die Zustimmung der Geschäftswelt als überfälliges Zeichen von Akzeptanz, andere beklagten die fortschreitende Kommerzialisierung der Parade und führten ein alternatives Event im Central Park durch.

Deko an Geldautomaten – Foto Erol Inanc
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