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Nicht nur im alten Western – auch 2018 gibt es Marshalls in New York

Ein Marshall bei der Arbeit – Foto Jim Farber

Wenn Leute erfahren, was ein Marshall in New York ist und macht, wundern sie sich oft sehr. Vor allem dann, wenn sie erfahren, dass ein Marshall kein Beamter oder Angestellter einer staatlichen Stelle ist und auch nicht vom Staat bezahlt wird. Wie bekommt er sonst Geld? Er holt es sich selbst, ähnlich wie ein Kopfgeldjäger oder Abmahnverein!

Ein Marshall hat das Recht, ähnlich wie ein Gerichtsvollzieher in Deutschland, einen Gerichtsbeschluss zu vollstrecken. Er bekommt dafür 5% vom Wert der Schuld als Gebühr. Die Einnahmen eines Marshalls können in die Millionen gehen. Spitzenverdiener war 2017 Marshall Roland Moses, der 3.3 Millionen Dollar einnahm. (Davon müssen dann seine Geschäftskosten abgezogen werden, die er selbst trägt). Nicht jeder der 39 Marshalls in New York verdient so viel. Mehr als Bürgermeister De Blasio, der ein Gehalt von 225.000 Dollar im Jahr hat, ist es aber allemal.
Wie wird man Marshall? Für einen solch sicheren und lukrativen Job sollte man politische Connections haben, denn man wird vom Bürgermeister ernannt. Ein Beispiel ist Stephen Bielge, der Marshall wurde, nachdem er Bodyguard des damaligen Bürgermeisters Michael Bloomberg war. So einen schönen Job verlässt man dann auch nur ungern. Marshall Martin Bienstock, der schon einmal auf 5 Millionen Dollar pro Jahr kam, ist seit seiner Ernennung 1977 aktiv. Die 92- jährige Ruth Berko hörte erst letztes Jahr auf.

Ein Großteil der Arbeit der Marshalls besteht aus Zwangsräumungen. Eine 53-jährige Mieterin tötete 2001 einen Marshall, Erskine Bryne, als er ihre Wohnung räumen wollte. Sie schlug mit einem Rohr auf ihn ein, übergoss den Marshall mit Farbverdünner und zündetet ihn an.

Dieses Dokument heftet der Marshall nach einer Zwangsräumung an die Wohnungstür
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