Erol's Lieblingsplätze

Der Union Square verkörpert New Yorks Vielseitigkeit

Der Union Square im südlichen Manhattan – Foto Union Square Alliance

Erol Inanc, der Gründer von New York Aktuell, ist ein Münchner, der seit 27 Jahren in New York lebt. In dieser Rubrik stellt er Plätze vor, die ihm über die Jahrzehnte besonders ans Herz gewachsen sind.

Eine der Sachen, die mir an New York so gefällt, ist die Vielseitigkeit. Vielseitigkeit an Menschen, Aktivitäten, Architektur, Geschichte und was sonst eine interessante Stadt noch ausmacht. Kein Ort in New York verkörpert das besser für mich als der Union Square im Süden von Manhattan. Er ist für mich auf gewisse Weise der ‚new yorkischste‘ aller Plätze, weil er so viele der Eigenschaften hat, die die Stadt so interessant machen.

Der Union Square wurde 1832 angelegt und ist seit 1882 ungefähr in der Form, wie man ihn heute kennt. Die Namensgebung vieler der bedeutendsten Ort in New York ist sehr pragmatisch und funktional. Wie der Name Central Park einfach bezeichnet, dass er mitten in Manhattan ist, bezeichnet das Wort ‘Union‘ hier einfach nur das Zusammenkommen (die Vereinigung bzw. Union) zweier Hauptstraßen – dem Broadway und der Bowery Road (heute 4th Avenue). Im 18. Jahrhundert diente der Platz als ‘Potter’s Field‘, wie man eine Bestattungsstätte für arme Leute nannte, die niemanden mehr groß interessierten oder die sich kein Begräbnis auf einem kirchlichen Friedhof leisten konnten. Mitte des 19. Jahrhunderts war es eine der exklusivsten, weil auch ruhigsten (heute unvorstellbar) Lagen in New York.

Arbeiter demonstrieren am 1. Mai 1913 mit Schildern auf Englisch, italienisch und Hebräisch

In den 1960er Jahren war Andy Warhols ‘Factory’ Künstlerkommune am Platz. 1976 wurde der Union Square Greenmarket ins Leben gerufen – ein Markt, der viermal in der Woche stattfindet und auf dem Agrarerzeugnisse aus der Region verkauft werden. Über die Jahre wurde der Greenmarket immer voller, und heute tummeln sich hier an manchen Tagen bis zu 60.00 Einkäufer. Auch der Union Square Holiday Market in den vier Wochen vor Weihnachten ist eine Institution.

Der Union Square war immer DER Platz in New York für Demonstrationen, besonders mit politisch linken Teilnehmern. Arbeiterrechte, Vietnam- und Irakkrieg, Waffengesetze, Einwanderung sowie Trump – all das waren und sind Anlässe für Demos.

Holiday Market und Green Market am Union Square – Foto Garrett Anderson

Da er für die meisten New Yorker relativ einfach zu erreichen ist, ist der Union Square auch ein beliebter Treffpunkt im ganz normalen Leben, aber auch in besonderen Situationen. In den Tagen nach dem Anschlägen vom 11. September 2001 hingen hier hunderte Fotos von Vermissten.

Der Union Square in den Wochen nach dem 11. September 2001 – Foto Flickriver

Das Beste, was man als Besucher am Union Square machen kann, ist Leute beobachten. An kaum einem anderen Platz auf der Welt sieht man so viele verschiedene Menschen wie hier. Von Drogensüchtigen, die aus der nahe gelegenen Methadonklinik kommen, über modisch gekleidete schöne Frauen und Geschäftsleute bis Studenten und Arbeitern kann man eigentlich alle Arten von Menschen über den Platz spazieren sehen.

Leute am Union Square – die Statue im Hintergrund stellt Mahatma Gandhi dar – Foto Garrett Anderson

 

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