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Wie läuft es für Flixbus in New York?

 

Foto – Flixbus

Sagen zu können, dass man nach New York expandiert hat, klingt für eine ausländische Firma immer toll, und ist hervorragendes Material für Presseveröffentlichungen, die von den Medien oft unkritisch übernommen werden. Wenn sie mal geschrieben und gelesen sind, werden sie meist vergessen und nur kaum jemand hakt nach, wie es denn dann in der Realität mit den verkündeten Plänen lief. Wie weit sind beispielsweise die New York Pläne des Münchener Transportdienstleisters Flixmobility, die mit ihrem FlixBus System im großem Stil auf dem New Yorker Markt angreifen wollen und ‚die Nummer zwei (nach Greyhound) und dann hoffentlich irgendwann die Nummer 1 hier zu werden‘, wie Andre Schwämmlein, einer der Flixbus Chefs, es als Lösung ausgab?

Letzten Oktober verkündete FlixBus seine Pläne in New York durchzustarten und seit Anfang Juni fahren Busse von New York nach Richmond, Virginia, als bisher einzige Strecke. Die Route läuft über Washington DC und ist eine der der meistbefahrensten Strecken in den USA und möglicherweise der Welt. (Der Korridor Boston-New York wird auch die North-East Megalopolis genannt. 50 Millionen Menschen leben dort, die meisten davon zwischen New York und Washington.)

Flixbus bietet täglich 14 Verbindungen an. Das ist um einiges weniger als Konkurrent Greyhound, der fast 4.000 Orte in den USA anfährt. Die Strecke New York – Washington ist auch eine der am besten angebundenen Strecken in den USA, die nicht nur von mittlerweile circa 10 Busunternehmen bedient wird, sondern auch von Expresszügen und Flügen. Die Angebote der anderen Busfirmen unterscheiden sich nicht radikal von Flixbus. Wo bisher in diesem Umfeld das Alleinstellungsmerkmal des Dienstleisters liegt, konnte ich in meiner Recherche nicht ausmachen.


Flixbus auf der 34. Straße in Manhattan

Auch die Passagiere scheinen noch nicht begeistert vom deutschen Busgiganten zu sein, der versprach ein neues Busreiserlebnis nach New York zu bringen. Auf der Rezensionsseite Yelp, der wichtigsten in Amerika, bekommt Flixbus 1.5 von 5 Sternen. Beschwerden reichen von Preisen, die anfangs billig klingen, aber wenn man andere Abgaben, Gebühren und andere Kosten dazu rechnet, nicht mehr so günstig sind. Andere Kunden beklagen sich über Fahrten, die kurzfristig abgesagt wurden, schlechte Kommunikation, gesperrte Toiletten oder wochenlanges Hin und Her wegen Rückerstattungen. Natürlich gab es auf Yelp auch positive Bewertungen, aber die waren in der Minderheit. In aller Fairness muss man auch sagen, dass sich Kunden bei anderen Busunternehmen auch wegen ähnlicher Probleme beschweren. Aber bei einer Firma, die verspricht, Sachen besser als die sogenannten ‘traditionellen’ Busunternehmen zu machen, muss man die Latte höher ansetzen. Denn Flixbus stieg, der Presseinfo zufolge, in den Markt ein, da ein Bedarf für Dienste in einer Qualität bestand, die bestehende Firmen nicht liefern würden.

Vielleicht bereitet auch das Geschäftsmodell von Flixbus Probleme. Die Firma besitzt keine eigenen Busse — sondern arbeitet mit lokalen Betreibern zusammen, die Flotten verwalten und die Busse mit leuchtend grünen Brandings des Unternehmens schmücken. Flixbus macht Terminplanung, Kundendienst und Marketing und ist nach eigener Aussage so flexibler als konventionelle Busunternehmen. Ob sich dieses System gut auf eine Stadt wie New York übertragen lässt, wo die Buspartner sicher etwas anders ticken, als in den Märkten, die Flixbus gewohnt sind, wird sich zeigen. Die Firma hat so aber in manchen Bereichen sicher auch weniger Kontrolle als die Konkurrenten. Wenn man beispielsweise auf Yelp Kommentare wegen unfreundlicher Fahrer liest, sind dies Arbeiter, die der Partner einstellte. New York ist auf jeden Fall in fast allen Branchen ein berüchtigt schwerer Markt für Außenseiter, beispielsweise wird die gewaltige, milliardenschwere Bauindustrie fast vollkommen von einheimischen Firmen, überwiegend aus dem Raum New York, kontrolliert.

Wir wünschen Flixbus alles Gute! Ziel des Artikels war es nicht, die Firma abzuwerten, sondern einen realistischen Blick hinter die Kulissen von Presseveröffentlichungen und Interviews mit Firmenchefs zu werfen, die verkünden, in New York durchstarten zu wollen (Flixbus sind da nicht die einzigen).

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