Kunst + Entertainment

Auf den Spuren der New Yorker Rockgeschichte

Die Ramones vor dem legendären CBGB Club auf der Bowery in Manhattan – Foto via CBGB

„Jackie is a punk, Judie is a runt, they went down to the Mudd Club and they both got drunk, oh yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah“, singen die Ramones in „The Return of Jackie and Judy“.

Den Mudd Club gibt es schon lange nicht mehr, ebenso wenig wie die anderen New Yorker Clubs, in denen in den 60-er und 70-er Jahren Rockgeschichte geschrieben wurde, weltweite Trends begannen und spätere Superstars ihre Karriere starteten. Die Clubs waren in Vierteln angesiedelt, wo die Mieten billig waren und man ungestört Lärm machen konnte. Gegenden, die als grenzwertig und nicht unbedingt sicher galten, aber auch interessant und voller Leben waren und so viele Musiker inspirierten. Die gleichen Viertel sind 2018 ausnahmslos teuer und schick. Hier ein Blick auf ein paar Musiklegenden und eine veränderte Stadt.

Max’s Kansas City

Max’s Kansas City 1976 – Album Cover

Wann? 1965 – 1974
Wo? 213 Park Avenue South (Nähe Union Square)

Was war Max’s Kansas City?

Weder gab es einen Max noch irgendeine Verbindung mit Kansas City. Gestartet wurde MKC vom Nightlife-Impressario Mickey Ruskin. Andy Warhol hielt im 70 Quadratmeter großen Hinterzimmer Staat. Jeder, der etwas in der Kunst- und Musikwelt darstellte, tauchte irgendwann dort auf – von Salvador Dalí bis Mick Jagger oder auch David Bowie. Debbie Harry, die spätere Sängerin von Blondie, arbeitete dort zwei Jahre lang als Bedienung. Bruce Springsteen, Aerosmith und Bob Marley traten auf, als noch niemand recht wusste, wer sie waren. Natürlich waren Warhols Schützlinge, etwa Velvet Underground mit Lou Reed, unter den Stammgästen. Das Album „The Velvet Underground live at Max’s Kansas City“ wurde hier aufgenommen. Es gibt auch ein Buch von Steven Kasher über den Club.

Heute?

Hier eine Filiale des Kettenrestaurants Bread & Butter.

 

The Fillmore East

Wann? 1968 – 1971
Wo? 105 2nd Avenue nahe 6th Street

Was war das Fillmore East?

Das Fillmore East war ein altes jüdisches Theater, das der legendäre Promoter Bill Graham zu einem Musiktheater mit 2.700 Plätzen umbaute. Die Liste von Künstlern, die hier auftraten, liest sich wie ein Who is Who der Rockgeschichte. Janis Joplin, Jimi Hendrix, Frank Zappa oder Miles Davis sind nur ein paar Namen.

Heute?

Wo früher die Abendkasse und Lobby war, ist heute eine Bank, der Rest wurde in teure Wohnungen unterteilt. Die Vergangenheit ist hier aber nicht ganz vergessen. In der Bank hängen Fotos und Poster vom Fillmore, und die Stadt hat der Straßenecke an Second Avenue und 6th Street den Namen „Bill Graham Way“ gegeben.

 

CBGB

CBGB war der Geburtsort der amerikanischen Punk Music – Foto CBGB

Wann? 1973 – 2006
Wo? 315 Bowery nahe Bleecker Street

Was war CBGB?

In den 70er Jahren war es die Brutstätte für Punk und New Wave in Amerika. Alle kamen sie hier durch, oft noch vollkommen unbekannt. Television, Patti Smith, die Dead Boys, um nur ein paar Namen zu nennen. The Police gaben hier ihr US-Debüt. Die ultimativen NY-Punkrocker, die Ramones, sind vielleicht die Band, die am engsten mit dem CBGB verbunden ist. Auch die späteren Weltstars Blondie waren Stammgäste hier.

Heute?

Ist es eine firmeneigene Edelboutique des Designers John Varvatos, der versucht, durch die vielen CBGB-Erinnerungsstücke, die er aufgekauft hat, von der reichen Vergangenheit seines Ladenlokals zu profitieren – zum Grauen der Punker. Wenn Joey Ramone wüsste, dass im ehemaligen CBGB noch alte Sachen wie etwa Jacken für bis zu 2.300 Dollar verkauft werden, würde er sich vielleicht im Grab umdrehen.

 

Mudd Club

Mudd Club 1979 – Foto Bob Gruen

Wann? 1978 – 1983
Wo? 77 White Street nahe Broadway

Was war der Mudd Club?

Nicht nur in „The Return of Jackie and Judy“ von den Ramones wurde der Mudd Club besungen (siehe Anfang des Artikels), auch von den Talking Heads, Nina Hagen und Frank Zappa. Lou Reed, Johnny Thunders, David Bowie und die Talking Heads waren unter den Gästen. Die Ramones traten oft hier auf, und die B52s gaben hier ihr NY-Debüt. Auch der unvergleichliche deutsche (Counter-)Tenor und Performance-Künstler Klaus Nomi, der 1983 eines der ersten bekannten AIDS-Opfer wurde, gastierte hier. Der Mudd Club war eine Mischung aus Disko und Musikclub, schicker als CBGB oder Max’s Kansas City, und hatte eine starke Verbindung zur Kunstwelt. Jean-Michel Basquiat, Keith Haring und Kenny Scharf waren Stammgäste in dem Club, der auch für starken Heroinkonsum bekannt war. Benannt war der Club nach Samuel Mudd, einem Arzt, der den Attentäter von Präsident Lincoln, John Wilkes Booth, medizinisch behandelte und daraufhin selbst angeklagt wurde.

Heute?

Luxuswohnungen

 

Café Wha

Foto Marky Roth

Wann? 1960 (mit Unterbrechungen) bis zum heutigen Tag
Wo? 115 McDougal Street

Was war das Café Wha ?

Im Café Wha traten spätere Größen wie Bob Dylan, Jimi Hendrx, Bruce Springstenn oder ‘The Velvet Underground’ auf. Der Kellerclub ist der Einzige in diesem Artikel wo auch heute noch die Musik dröhnt.

Heute?

Das Music Cafe hat es geschafft bis zum heutigen Tag zu überleben, legendär sind Mittwoch Abende mit der Cafe Wha Houseband.

Und auch noch, obwohl es kein Musikclub ist.

 

Andy Warhol’s Factory

Decker Building, 2. Gebäude von rechts via Flickr

Wann? 1968 – 1973
Wo? 33 Union Square West (Decker Building) im 6. Stock

Warhol und sein Freund gingen so oft und gerne zu Max’s Kansas City, auf der anderen Seite des Union Square, weil Warhol’s Studio – die (dritte) „Factory“, ein riesiges Loft – ganz in der Nähe lag. 1968 wurde er dort von der radikalen Feministin Valerie Solanas durch Schüsse so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später für tot erklärt wurde. Obwohl er noch fast 20 Jahre lebte, heißt es, dass er nach dem Attentat nicht mehr der Gleiche war. Grund für das Attentat war wahrscheinlich, dass Warhol ein Theaterstück von Solanas nicht produzieren wollte.

Heute?

Hier befinden sich 2018 ein Puma Store und Luxusapartments.

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