Gesellschaft + Politik

Warum New York gut für die Umwelt ist

New Yorker warten auf eine einfahrende U-Bahn - Credit - Joann Jovinelly
New Yorker am U-Bahnsteig. – Credit: Joann Jovinelly

Wenn Europäer New York besuchen, dann fällt ihnen meist als erstes der scheinbar enorme Energieverbrauch in dieser Stadt auf. Klimaanlagen in fast allen Fenstern, Bürogebäude, die selbst nachts beleuchtet sind oder die gewaltigen Reklametafeln am Times Square, die den ganzen Platz erhellen. Energie wird hier offenbar verschwendet wie nichts, die Umwelt interessiert keinen und der Planet wäre ohne diese Megametropole besser dran, so ihre Schlussfolgerung.

Innerhalb der USA wäre ein starker Kontrast zu New York der Staat Vermont, im Nordosten des Landes an der kanadischen Grenze gelegen. Vermont besteht mehrheitlich aus Wäldern, die größte Stadt ist Burlington mit nur 40.000 Einwohnern. Die Bürger Vermonts sind bekannt für ihr „grünes“ Denken, und nicht ohne Grund ist der Staat beliebt bei alten und jungen Hippies. Vermont sieht grün aus und fühlt sich grün an, also ein tolles Gegenteil zum Umweltsünder New York, würden viele meinen.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Menschen, die in New York leben, gehören zu den umweltverträglichsten in der westlichen Welt. Das liegt an der hohen Verdichtung. Vergleicht man die Lebenssituation in New York mit der von Vermont und dem amerikanischen Durchschnitt, fällt auf, dass die Menschen in der Metropole viel enger zusammenleben und – aufgrund der exorbitanten Preise – bedeutend kleinere Wohnungen und Arbeitsräume haben.

Transport und Kraftstoffverbrauch

Das Nummer-eins-Verkehrsmittel in New York ist die U-Bahn. In einem Staat wie Vermont ist es das Auto. Die Menschen dort verbrauchen 2.000 Liter Benzin im Jahr, der New Yorker lediglich ein Viertel hiervon, die Bewohner des extrem dicht besiedelten Manhattan gar nur etwa ein Sechstel. Nach Strecke betrachtet findet ein Drittel des öffentlichen Verkehrs der gesamten USA im Großraum New York statt. Über die Hälfte der Haushalte in New York hat kein Auto, in Manhattan sind es sogar drei Viertel.

Apartment-Gebäude in Manhattan. – Credit: Len Viktor

Energieverbrauch

Die kleinen Wohnungen kommen mit einem relativ niedrigen Energiebedarf aus. Pro Haushalt werden hier nur 4.700 Kilowattstunden verbraucht – im amerikanischen Durchschnitt hingegen 11.000 Kilowattstunden. Der Verbrauch in New York ist also vergleichbar mit dem in Deutschland.

CO2-Fußabdruck

Der CO2-Fußabruck der New Yorker beträgt mit um die 7 Tonnen nur 30 Prozent des amerikanischen Durchschnitts (zum Vergleich: der deutsche Durchschnitt pro Person liegt bei etwa 11 Tonnen).

Auswirkungen auf die Natur

Der New Yorker als ultimativer Stadtmensch tut der unberührten Natur einen Gefallen, in dem er nicht versucht, dort zu leben. Der Zerstörer der Natur ist in vieler Hinsicht nicht der Stadtmensch, sondern derjenige, der sich sein Haus in freier Wildnis bauen will.

Der Hauptgrund, warum der Energieverbrauch in Europa deutlich niedriger ist als in den USA, besteht darin, dass die Leute in der Alten Welt dichter zusammenleben. Das Gegenteil hiervon ist eine Stadt wie Houston, die flächenmäßig doppelt so groß wie New York ist, aber nur ein Viertel der Einwohner hat und sich so in 1.700 Quadratkilometer Land frisst.

Wenn wir der Umwelt also wirklich helfen wollen, sollten wir wohl alle in eine einzige Megastadt ziehen, statt von einem einsamen Strandhaus zu träumen.

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