Zohran Mandani legt seinen Eid ab
Um 0 Uhr am 1. Januar legte Zohran Mamdani in der stillgelegten City Hall U-Bahn Station seinen Amtseid ab.
Er ist die erste Person südasiatischer Herkunft in diesem Amt. Mit 34 Jahren ist er der jüngste Bürgermeister (Mayor) in über 100 Jahren. Er ist auch der erste Muslim und vielleicht noch überraschender bezeichnet sich als ,demokratischen Sozialisten‘ und ist so wahrscheinlich der am weitesten links positionierte Inhaber eines großen Amts in den USA.
In diesem Artikel skizzieren wir Mamdamis Vita, seinen Weg zum Wahlsieg und fassen seine politischen Ziele zusammen.
Beide Eltern Mamdanis sind indischer Abstammung und lebten einige Zeit in Uganda, wo der zukünftige Bürgermeister geboren wurde. Seine Mutter Mira Nair ist eine bekannte Filmregisseurin, und sein Vater, Professor Mahmood Mamdani, lehrt an der renommierten Columbia University. Beide sind Harvard-Absolventen.

Im Alter von sieben Jahren kam Mamdani mit seiner Familie nach New York. Er besuchte die Bronx High School of Science, die für ihre strengen Aufnahmebedingungen bekannt ist, und erwarb später einen Abschluss in Afrikastudien am Bowdoin College, wo er der Hochschulgruppe ‘Students for Justice in Palestine‘ angehörte.
Vor seinem Einstieg in die Politik arbeitete er als Mietberater in Queens, wo er Menschen im Kampf gegen Zwangsräumungen unterstützte. 2020 wurde er zum ‘Assembly Man‘, in etwa Landtagsabgeordneter im Staat New York gewählt und vertrat Teile von Queens.
Als Asssembly Man initiierte Mamdani ein Pilotprogramm für kostenlose Busverbindungen. Er schloss sich Taxifahrern bei einem Hungerstreik an, der darauf abzielte, ihnen Schulden in Millionenhöhe für Lizenzen, die wegen Ridesharediensten wie Uber und Lyft den Großteil ihres Wertes verloren hatten, zu erlassen.

Im Herbst 2024 begann er seine scheinbar chancenlosen Bestrebungen, Mayor zu werden. Er machte Lebenshaltungskosten, besonders Mieten zu seinem zentralen Thema. Seine Ansätze waren radikaler als die der älteren Politiker, viele waren Neuland für New York.
Am Anfang des Jahres 2025 galt Andrew Cuomo, der im August 2021 unter anderem wegen Vorwürfe sexueller Belästigung von seinem Amt als Gouverneur des Staates New York zurücktreten musste, als grosser Favorit im Rennen Mayor zu werden.
In einer Umfrage im Februar 2025 der für politische Erhebungen respektierten Quinnipiac University zu den wichtigen demokratischen Vorwahlen (Primaries) am 24. Juni lag Cuomo bei 31%, alle anderen der 10 Kandidaten erzielten 11% oder weniger, Mamdani 8%.

Bis Juni hatte sich Mamdanis Wahlkampf, den auch Konkurrenten als stark und modern respektieren mussten und auch von dem Charme des Kandidaten getragen wurde, ausgezahlt. Er gewann die Primary der Demokraten mit 43,82 %. Cuomo bekam 36.12%. Die anderen Kandidaten erzielten einstellige Ergebnisse oder hatten bis dahin schon aufgegeben. Vor allem die Jungen wählten Mamdani.
Statt wie üblich das Feld für den siegreichen Parteikollegen zu räumen, entschloss sich Cuomo, die Demokraten, denen er seit seiner Jugend angehörte, hinter sich zu lassen und als ‘Independent‘ weiterzumachen, hoffend, dass Mamdani bei der eigentlichen Wahl am 4. November von den New Yorkern dann doch als zu extrem abgelehnt werden würde.
Donald Trump rief New Yorker auf, Cuomo zu wählen, egal ob man ihn möge oder nicht, da ein Sieg Mamdanis um jeden Preis verhindert werden müsse. Der Präsident drohte damit der Stadt den Hahn bei Bundesgeldern zuzudrehen, falls Mamdani gewinnt.

Am Ende wurde Mamdani mit 50,8% gewählt, Cuomo bekam 41.3%. Ein paar Wochen nach seinem Sieg traf er Donald Trump mit Weißen Haus. Der hat es seine Meinung über Mamdani anscheinend geändert und zeigte sich nach dem Treffen voller Lob. Er „habe einen sehr rationalen Mann getroffen, der wirklich möchte, dass New York wieder großartig wird“, so der Präsident. Er sei sehr zuversichtlich, dass Mamdani hervorragende Arbeit leisten würde.
Was will Mamdani politisch?
Mamdani setzt sich für einen vierjährigen Stopp bei Erhöhungen der Mieten für die eine Million mietpreisgebundenen Wohnungen der Stadt ein. Eine seiner ungewöhnlichsten Ideen ist der Aufbau eines Netzes städtischer Supermärkte. Einkaufen in solchen Läden soll für die Kunden günstiger sein. Öffentliche Busse sollen kostenlos werden, ebenso wie Kinderbetreuung. Er möchte den Mindestlohn in New York, derzeit 17 USD pro Stunde, bis 2030 auf 30 USD pro Stunde anheben. Er plant eine Schaffung einer ‘Abteilung für öffentliche Sicherheit‘ für psychische Notfälle – unbewaffnet und unabhängig von der Polizei. Natürlich gibt es zu allen Vorhaben Kritik, die vor allem in Richtung Finanzierbarkeit geht, siehe diesen New York Aktuell Artikel.
Mamdanis starke Unterstützung für die Palästinenser und seine entschiedene Kritik an Israel gehen über die Positionen der meisten Vertreter des demokratischen Establishments hinaus. Mamdani wurde in Interviews wiederholt von der Presse gefragt, ob er Israels Existenzrecht als jüdischen Staat unterstütze. Seine Antwort: „Ich kann keinen Staat unterstützen, der eine Hierarchie der Staatsbürgerschaft auf Grundlage von Religion oder anderen Kriterien hat. Ich denke, dass die Gleichheit, wie wir sie in diesem Land praktizieren, in jedem Land der Welt verankert sein sollte“. Genau so sei in New York aber kein Platz für Antisemitismus.



