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Gut oder schlecht für die Stadt? Die große AirBnB Kontroverse in New York

Eine Besucherin in der New Yorker U-Bahn – immer mehr steigen in einer AirBNB Wohnung ab – im Hintergrund imagefördernde Werbung von AirBNB – Foto – Ellison Winters

Im Februar berichtete die New York Times über eine Gruppe rund um den Immobilienmakler Max Beckmann, die mit Hilfe von mehr als 100 Aliasnamen und 18 GmbHs 130 Apartments in der Stadt anmieteten. Beckmann und seine Partner gaben gegenüber Vermietern an, normale Wohnungssuchende zu sein, die das Apartment für sich selbst nutzen werden. Stattdessen boten sie die Wohnungen über die Internetplattform AirBNB an. In wenigen Jahren beherbergten sie so über 75.000 Gäste, wie sich bei Ermittlungen der Stadt herausstellte. Obwohl das sicher ein extremer Fall ist, illustriert es doch die Problematik von AIRBnB in New York.

Das New Yorker Gesetz verbietet eigentlich Vermietung von Wohnraum für weniger als 30 Tage, es sei denn der eigentliche Wohnungsbesitzer ist anwesend. Die überwiegende Mehrheit der 50.000 Apartments und Zimmer, die über AirBNB angeboten werden, erfüllen die Bestimmungen jedoch mit Sicherheit nicht. Kritiker werfen der Plattform auch schon lange vor, der Stadt lebenswichtigen Wohnraum zu entziehen, Apartments zweck zu entfremden und dabei sowohl anderen Hausbewohnern als auch der Hotel-Konkurrenz gegenüber unfair zu agieren.

Anti AirBNB Demonstration – Foto Shari Meyers

Hier ein Szenario, wie Airbnb nach Ansicht seiner Gegner den Wohnungsmarkt schädigt. Sagen wir, ein Wohnhaus im Manhattaner Trendviertel East Village hat 40 Wohnungen, je um die 60 qm groß. Die Marktmiete für diese Apartments beträgt mindestens 3.000 Dollar. In sehr vielen solcher Gebäude wird es einige Parteien geben, die weniger bezahlen, weil sie schon lange dort wohnen und es in New York Mietpreisbindung gibt.

Eine von AirBNB organisierte Demonstration vor dem New Yorker Rathaus – Foto Air BNB

In einem dieser mietpreisgebundenen Apartments wohnt seit 25 Jahren ‘Mary Smith’ und zahlte zuletzt $1.000. Mittlerweile ist sie aber nach Florida gezogen. Dem Gesetz nach müsste Mary, sobald New York nicht mehr ihr Hauptwohnsitz ist, räumen. Stattdessen vermietet sie das Apartment, in dem drei bis vier Leute schlafen können, auf Airbnb für 350 Dollar pro Nacht (für Gäste viel billiger als zwei Hotelzimmer). Wenn sie das nur 12 Nächte pro Monat macht, kommen über 4.000 Dollar in die Kasse. Sie macht Gewinn und hat noch dazu die Möglichkeit, jederzeit nach New York zu kommen – den New Yorkern wird aber wertvoller Wohnraum entzogen. Bei Wohnungen, für die Marktmiete bezahlt wird, wird weniger Gewinn erzielt, aber der Effekt ist der gleiche – Illegaler Hotelbetrieb, der New York Wohnraum entzieht.

Hausbesitzern gefällt es natürlich auch nicht, dass ihre Gebäude in illegale Hotels umgewandelt werden und andere Mieter im Haus sehen die Sache meist kritisch, wenn in ihrem Zuhause fremde Menschen mit Koffern ein- und ausgehen (ein Freund von mir sieht in einem Apartment auf seiner Etage 2-3 Mal im Monat neue Besucher). Oft werden die Airbnb-Gäste dazu angehalten, Gespräche mit Nachbarn am Besten zu vermeiden oder zu lügen, falls es doch dazu kommt. Der Bereitsteller der Wohnung trichtet den Besuchern dann beispielsweise ein: “Wenn es sich nicht vermeiden lässt mit Hausbewohnern zu sprechen, sagt Ihnen ‘Ich bin ein Freund von Mary Smith’.

Verwaltung und Gesetzgeber in New York versuchen Druck auf die Plattform auszuüben. Es gibt Gerichtsklagen und Gesetzesentwürfe mit dem primären Ziel AirBNB zum Herausrücken von Daten bezüglich Vermietern und deren Angebote zu zwingen. Derzeit erhält die Stadt diese Informationen fast nur anonymisiert.

Hoteliers beschweren sich über den Internet-Konkurrenten: Warum müssen wir hohe Auflagen hinsichtlich Brandschutz, Sozialleistungen, Versicherungsschutz oder Hotelsteuern erfüllen und Airbnb nicht? – lautet die Klage.

Die Plattform hingegen sieht sich als Retter von New Yorkern, die unter finanziellem Druck stehen. Josh Meltzer von Airbnb behauptet, dass viele Leute, die Wohnungen auf der Plattform anbieten, Probleme hätten, in der teuren Metropole über die Runden zu kommen, und deshalb vermieten. Er zeigte sich “enttäuscht”, dass die Stadt ‚airbnb-feindliche‘ Regeln in Kraft setzen will. (Die Darstellung, dass der ‘normale’ Airbnb-Vermieter einfach jemand ist, der ein freistehendes Zimmer vermietet, weil das Geld knapp ist, widerlegt eine Studie von der ‘School of Urban Planning’ der McGill University. Auch auf Inside Airbnb gibt es hochinteressante Daten.)

AirBnB aus Perspektive von New York Besuchern

Eine AirBNB Wohnung kann ein guter Deal für Besucher sein, besonders wenn sie als Gruppen reisen und statt mehrerer Zimmer nur eine einzige Wohnung mieten müssen. Aber auch für die AirBnB Kunden läuft es nicht immer rund. Vor ein paar Wochen ging beispielsweise das Vermieten einer ausgebauten Treppennische als Zimmer durch die Medien. Diesen Monat wurden zwei Fälle bekannt, in denen Sozialwohnungen über AirbnB vermietet wurden – eine in den Queensbridge Houses in Queens, dem größten der Komplex seiner Art in den USA und eine andere in den Fulton Houses im Trendviertel Chelsea (als die Fulton Houses gebaut wurden, war Chelsea ein Gewerbe – und günstiges Wohnviertel). Häufigere negative Erfahrungen sind die unrealistische Beschreibung, der schlechte Zustand einer Wohnung oder kurzfristige Absagen. Von den Bewertungen auf der Seite kann man jedoch ableiten, dass die Nutzung eines AIRBnB Apartments für die meisten Besucher eine positive Erfahrung war.

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