Ministorys

Die bizarre Geschichte von New Yorks erstem und einzigen Stierkampf

Die reißerischen Plakate, die der Promoter Angel Hernandez im Sommer 1880 überall in New York anbringen ließ, versprachen ein ganz außergewöhnliches Ereignis. Den ‘ersten Stierkampf in Amerika‘ in der ‚Central Park Arena‘ mit ‚wilden Bestien‘ und acht berühmten, gefeierten Toreros aus Spanien.

Hernandez‘ vollmundige Werbung hatte Erfolg. Am Veranstaltungstag, dem 31. Juli, stauten sich die Hochbahnen, die es zu der Zeit in New York gab, auf der West Side voll mit Besuchern. An den Ticketschaltern bildeten sich lange Schlangen, obwohl Hernandez den für damalige Zeit stolzen Eintritt von $1.50 verlangte, was circa dem Tageslohn eines Arbeiters entsprach. Kinder zahlten die Hälfte.

Viele der Besucher mussten sich aber schon nach ihrer Ankunft gewundert haben, denn schon von außen war die ganze Sache nicht so beeindruckend, wie man es den Plakaten nach erwarten würde. Die ‘Central Park Arena‘ war ein Stück unbebautes Land an der Ecke 6th Avenue und 116th Street, das behelfsmäßig mit einer kreisförmigen Bretterwand von 30m Durchmesser eingezäunt wurde.

Mit solchen Hochbahnen, die erst zwei Jahre vorher in Betrieb genommen wurden, kamen viele Besucher zur Central Park Arena – 1885 New York Historical Society.

Als das Event kurz nach 17 Uhr startete, wurde schnell klar, dass Angel Fernandez’ Werbefähigkeit sein Produkt übertroffen hatte. Die acht Spanier sahen nicht aus, wie man sich schneidige Toreros vorstellte, sondern erschienen unrasiert und in billig anmutenden Fantasiekostümen. Sie machten laut einem New York Times Artikel von damals den Eindruck von “Männern, die für anderthalb Dollar mit einem Stier kämpfen würden und für einen Vierteldollar jemand die Kehle durchschneiden.“

Die wilden Bestien, so sollte sich herausstellen, waren ein Dutzend texanischer Ochsen, die sich der Promoter einige Tage vorher vom örtlichen Schlachthof besorgte, nachdem sie gerade eine tagelange, strapaziöse Reise hinter sich hatten, während sie in Waggons gepfercht waren.

Die armen Bullen hatten glücklicherweise einen mächtigen Verbündeten, den ehemalige Topdiplomaten Henry Bergh, der 1866 die ‘American Society for the Prevention of Cruelty to Animasl’ (ASPCA), heute die größte Tierschutzorganisation in den USA, gründete. Bergh setzte durch, dass keine traditionelle ‘Corrida de Toros‘ stattfinden würde, die Art von Stierkampf, in der die Tiere oft schwer verletzt oder getötet wurden. Anstatt die ‘wilden Bestien’ mit Lanze und Banderilla zu bekämpfen, sollten die Matadoren ihnen gummierte Rosetten an die Stirn kleben. Hernandez verkaufte die Veranstaltung deshalb auch als einen ‘Kampf der Geschicklichkeit‘, der für Damenpublikum genau so sehr geeignet sei wie für Männer.

Als der erste ‘Stierkämpfer‘ in den Ring stieg, schwang er seinen Umhang in der erwarteten Weise, aber als sein Stier, ein großes schwarz-weißes Tier, eine plötzliche Bewegung in Richtung des Spaniers machte, lief dieser verängstigt davon und flüchtete über den niedrigen inneren Zaun.

Schnell wurde der Menge klar, dass Fernandez’ weltberühmte Toreros neben dem Zaunspringen nur wenige Fähigkeiten hatten. Obwohl über die Hörner der Bullen dicke Lederverkleidungen gestülpt waren, um die Stierkämpfer zu schützen, liefen sie meist davon, sobald sich eines der Tiere näherte.

In den Hörnern eines anderen Stiers verfing sich ein Stück Stoff. In dem Versuch, des Bullen es loszuwerden, fiel es über seine Augen und er raste blind umher, bis er schließlich frontal in den Zaun rannte. Das bitter enttäuschte Publikum begann kopfschüttelnd abzudriften.

Ein Torero unternahm dann aber doch noch einen Versuch, einem der Tiere ein paar der Rosetten auf die Stirn zu klatschen. Das machte den Stier so wütend, dass er minutenlang wild umhersprang und sich dabei erschöpfte, wonach der Spanier Erfolg hatte.

Nach dem Scheitern des Events schuldete Hernandez fast allen Beteiligten Geld. Er wurde verklagt, seine Einnahmen gepfändet und er musste den Bankrott erklären, das war aber noch nicht das Ende der bizarren Geschichte.

Um einen Teil seiner Verluste wieder reinzuholen, verkaufte der Promoter die Tiere an einen Metzger auf der 45th Street. Als sie auf einen großen Viehtransporter verladen wurden, gelang es drei der Stiere zu entkommen. Sie besuchten erst nahegelegene Gänseteiche und wanderten danach im Central Park umher und planschten auch im See dort. 

Die Polizei nahm die Verfolgung auf und zwei der drei Stiere wurden in ein Gehege zwischen der 84. und 89. Straße getrieben, zerstörten aber den Zaun und konnten erneut flüchten, aber wurden leider kurz drauf erschossen. Was aus dem dritten Bullen wurde, ist nicht bekannt.

New York Aktuell Newsletter

eny-image