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Die New Yorker Feuerwehr – Hintergründe zu der gewaltigen Organisation, in der mehr als 11.000 Menschen arbeiten

Bild von Erol Inanc

Erol Inanc

Gründer von New York Aktuell

Die Feuerwehrleute in New York sind wohl die einzigen Menschen, die fast jeder Bewohner mag. Lange vor ihrem heldenhaften Einsatz am 11. September 2001, bei dem 343 von ihnen im Brand des World Trade Center ihr Leben ließen, gaben die New Yorker ihnen den schmeichelhaften Namen „New York’s Bravest“ (New Yorks Mutigste).

Die Anfänge des New York Fire Department (NYFD) lassen sich ins Jahr 1865 zurückverfolgen. Die bezahlte Berufsfeuerwehr wurde zu dieser Zeit ‘Metropolitan Fire Department‘ genannt. Zu Anfang war sie ausschließlich in Manhattan, später dann auch in den anderen ‚Boroughs‘ (Bezirken) Brooklyn, Queens, der Bronx und Staten Island im Einsatz.

Heutzutage gibt es insgesamt 11.400 Feuerwehrleute, alle hauptberuflich, darunter 177 Frauen, die auf 218 Stationen im Stadtgebiet verteilt sind. Zusätzlich gibt es beim FDNY etwa 2.800 Mitarbeiter für medizinische Notfälle und weitere 1.200 zivile Angestellte. Das FDNY ist für 772 km2 dicht besiedeltes Stadtgebiet verantwortlich und ist die größte Feuerwehr in den USA. Das 2026 FDNY Budget beträgt 2,64 Mrd. USD.

Bürgermeister Zohran Mamdani ernennt Lillian Bonsignore am 6. Januar zum Fire Commissioner – Foto Mayor’s Office

Der oberste Dienstherr des FDNY ist der Fire Commissioner, der vom Bürgermeister ernannt wird. Seit 6. Januar 2026 amtiert Lillian Bonsignore. Sie ist die erste offen homosexuelle Person und erste Frau an der Spitze der Behörde.

Feuerwehrleute des FDNY arbeiten üblicherweise im Schichtdienst, oft nach einem Rhythmus von 24 Stunden Dienst gefolgt von 72 Stunden Freizeit – oder ähnlichen Modellen, abhängig von der jeweiligen Wache und der Dienstzeit. . Rechnet man Zuschläge und Überstunden mit ein, dann verdient ein Feuerwehrmann nach sechs Jahren FDNY-Zugehörigkeit zwischen 105.000 USD und 113.000 USD im Jahr. Nach 20 Jahren kann man in Rente gehen und erhält für den Rest seines Lebens die Hälfte des ursprünglichen Gehalts und Krankenversicherung als Pensionsleistungen.

Ihre Tätigkeit ist glücklicherweise auch nicht so gefährlich, wie man allgemein denkt und daher nicht in der vom US-Arbeitsministerium herausgegebenen Liste der gefährlichsten Berufe aufgeführt. Das Risiko, im Einsatz zu sterben, ist normalerweise geringer als bei einem Lkw-Fahrer. Der 11. September 2001 war hier natürlich eine gewaltige Ausnahme. In den zehn Jahren vor und nach diesen Anschlägen, also einem Zeitraum von 20 Jahren, kamen insgesamt 43 Feuerwehrleute bei Einsätzen ums Leben, einige von ihnen durch Herzinfarkte.

Das FDNY ist als kombinierte Feuerbekämpfungs- und Rettungseinheit die größte Organisation ihrer Art auf der Welt und leistet etwa 1,3 Millionen Einsatzfahrten im Jahr. Eine Million davon betreffen allein medizinische Notfälle. Alle anderen Einsätze des Jahres summieren sich auf 300.000, wovon nur ungefähr 30.000 durch brennende Gebäude verursacht werden und nochmal etwas weniger durch andere Brände.

Wenn es aber einmal brennt, gilt das NYFD als sehr effektiv: Die durchschnittliche Anrückzeit betrug im letzten Jahr eindrucksvolle 5 Minuten und 12 Sekunden. Die anerkannt gute Ausbildung beweist sich dann in der hohen Qualität der Arbeit – wohl keine andere Feuerwehr der Welt bekämpft Brände besser. Dabei helfen auch die 109.000 Hydranten in der Stadt, wo bei jedem einzelnen, wenn geöffnet, 4.000 Liter Wasser pro Minute aus der Leitung schießen.

Bei einigen Stationen, wie die im Yorkville Viertel in Manhattan, gibt es Katzen, die sogenannten Firehouse Cats. Das ist Carlow.

Aber nicht nur bei Feuer geht es heiß her. Seit 2003 erscheint ein jährlicher Kalender, der die zwölf Feuerwehrmänner mit dem meisten Sexappeal abbilden soll, die sich der Frauenwelt muskelbepackt und mit nackten Oberkörpern präsentierten. 2016 kam auch einer mit Frauen dazu.

FDNY Kalender

 

 

Große Feuer in der Geschichte New Yorks

 

Das große Feuer 1776

 

In der Nacht vom 21. auf den 22. September des Jahres 1776 brach ein gewaltiges Feuer im westlichen Teil New Yorks aus. Während die Briten unter General William Howe die Stadt einnehmen wollten, kam es – so vermutet man – in der Taverne ‚Fighting Cocks‘ (Kämpfende Hähne) zu einem Brand, der sich schnell in den Straßen der Stadt ausbreitete. Und während die Menschen flüchteten und ihr Hab und Gut zu retten versuchten, brannten zwischen 400 und 500 Gebäude ab – fast ein Viertel der Stadt. Unter den vom Feuer zerstörten Gebäuden befand sich auch die Trinity Church. Nachdem britische Seeleute den Brand schließlich gelöscht hatten, konnte kein Schuldiger gefunden werden, weshalb alle 200 Verdächtigten schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt wurden.

Das große Feuer von 1835

 

Am 16. und 17. Dezember des Jahres 1835 ereignete sich eine Brandkatastrophe, bei der die Gebäude der New York Stock Exchange (Börse) und große Teile der südlichen Spitze Manhattans um die Wall Street herum niederbrannten. In einem fünfstöckigen Lagerhaus an der Merchant Street (die heute Beaver Street heißt) brach in der zu diesem Zeitpunkt schneebedeckten Stadt ein Feuer aus, das durch ungünstige Winde aus Nordwest Richtung East River noch zusätzlich Nahrung bekam. Die Feuerwehrleute mussten Löcher durch dicke Eisschichten schlagen, um in der kalten Nacht an Wasser zu kommen. Das Wasser fror jedoch fast sofort in den Schläuchen ein. Versuche, den Brand durch gezielte Sprengungen einzudämmen, scheiterten schon am Mangel an Sprengpulver. Ob es geholfen hätte, bezweifelten Experten später stark. Feuerwehrleute aus dem über 150 Kilometer entfernten Philadelphia eilten zu Hilfe, nachdem sie den enormen Schein des Feuers von dort gesehen hatten.

Am Ende waren um die 600 Gebäude vom Feuer zerstört. Der Schaden belief sich auf 20 Millionen Dollar, was wohl mehreren hunderten Millionen Dollar heutzutage entspricht. Viele Versicherungen waren selbst unter den Opfern und nicht in der Lage, für Schäden aufzukommen. Zwei Menschen starben. Viele der Gebäude waren damals neu und mit Kupferdächern versehen, die durch die immense Hitze schmolzen und in großen Rinnsalen in den East River flossen. Zeitzeugen berichteten, dass der Fluss wie ein riesiger See aus Blut aussah.

Das Feuer auf der „General Slocum“

 

 

Die „General Slocum“ war ein Schaufelraddampfer, der 1891 in New York gebaut und nach dem Kongressabgeordneten Henry Warner Slocum benannt wurde. Das Schiff diente als Ausflugsschiff und war schon einige Male durch Missgeschicke und Unfälle in die Schlagzeilen geraten. Am 15. Juni 1904 fing die „General Slocum“ Feuer. An Bord waren Mitglieder der Lutheran Church, deutschstämmige Amerikaner, die einen Ausflug machen wollten. Geschätzte 1.021 bis zu 1.342 Menschen an Bord starben durch diesen Brand. Bis zum 11. September 2001 forderte keine Katastrophe in New York so viele Opfer.

Der Brand der Triangle Shirtwaist Factory

 

 

Am 25. März 1911 kamen 146 Arbeiter, fast alle von ihnen Frauen, bei einem Feuer in einer Textilfabrik ums Leben. Die Fabrikbesitzer hatten die Türen zum Treppenhaus und zu den Ausgängen verschlossen, um die Arbeiterinnen vom Rauchen während der Arbeitszeit abzuhalten. Viele der Frauen sprangen während des Brandes aus dem 9. und 10. Stockwerk des Gebäudes, weil die Leiter der Löschfahrzeuge nicht bis zu ihnen hochreichten. Diese schrecklichen Ereignisse führten später zu einer Gesetzesänderung in den Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz und zu einem enormen Wachstum der Gewerkschaft der Textilarbeiterinnen.

11. September 2001 / World Trade Center

 

56 Minuten nachdem eines der beiden Flugzeuge in Tower 2 flog, brach dieser zusammen, 30 Minuten später auch Tower 1. Einige Gebäude ringsum wurden durch fallenden Stahl zerstört oder beschädigt. Als sich abzeichnete, welche noch nie dagewesenen Ausmaße die Katastrophe haben sollte, entschloss sich das FDNY zu einem Schritt, den es seit 50 Jahren nicht mehr gemacht hatte: die Einberufung aller an dem Tag nicht diensthabenden Feuerwehrleute. Das FDNY half bei der Evakuierung von 25.000 Menschen in dem Komplex mit sieben Gebäuden.

343 Feuerwehrleute verloren ihr Leben, der größte Verlust an Menschenleben in der zu dem Zeitpunkt 156 Jahre langen Geschichte des FDNY und der gesamten 350 Jahre, seit es Feuerbekämpfung in Amerika gibt. Die Dimension der Katastrophe lässt sich auch an dem Verlust von fast 90 Stück Ausrüstung ablesen, wie Feuerwehrwagen, Krankenwagen des FDNY, spezielle Einsatzfahrzeuge, extrem lange Leitern. Dass auch nur ein einziges solches Ausrüstungsstück zerstört wird, kommt selbst bei „normalen“ Großbränden so gut wie nie vor.

Die schrecklichen Ereignisse zementierten den Ruf als Helden, den die Feuerwehrleute bei den New Yorkern haben.

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