Das Thema beherrscht die Stadtpolitik – Hintergründe zur eskalierenden Migrantenkrise in New York

 

Roosevelt Hotel – Foto Ed Janzik

Im Frühling 2022 fingen republikanische Gouverneure aus Florida und Grenzstaaten wie Texas und Arizona damit an, Busse mit Migranten, die bei ihnen illegal über die Grenze ankamen, in demokratisch regierte Großstädte zu senden. So sollte angeblich gegen die Einwanderungspolitik von Joe Biden protestiert werden, aber natürlich auch politisches Kapital geschaffen werden. Allen voran bei der Aufnahme von Migranten war New York.

Obwohl die Migranten Amerika über die Grenze USA/Mexiko erreichen, handelt es sich fast nie um Mexikaner, sondern Menschen aus Mittelamerika und um Venezolaner – die mit Abstand größte Gruppe.

Migranten kommen am Port Authority, dem großen Busbahnhof am Times Square an – Foto Paul Edwin

Die Stadt machte gewaltige Anstrengungen, diese Menschen unterzubringen und bald waren die Mehrheit der Ankommenden nicht mehr Leute, die von anderen in Busse gesetzt wurden, sondern Personen, die sich auf eigene Faust auf den Weg machten. Mittlerweile sollen laut Deputy Mayor (stellvertretende Bürgermeisterin, von denen es fünf gibt) Anne Williams-Isom mehr als 115.000 Migranten gekommen sein, und 2.000 träfen derzeit wöchentlich ein. Laut Board of Education (Schulbehörde) wurden bisher 20.000 Kinder eingeschult.

Zu einem Sinnbild der Krise wurde das Roosevelt Hotel neben der Grand Central Station. 2020 wurde das Haus mit ehemals 1.025 Zimmern und 35 Suiten nach 96 Jahren pandemiebedingt geschlossen. Im Mai wurde es wiedereröffnet als Unterkunft und Informationszentrum für Migranten. Bilder des Hotels und der Menschen drum herum sind in den Medien in der ganzen Welt zu sehen. In manchen Artikeln wird es das ‘neue Ellis Island’ genannt, ein Verweis auf das Einwanderungszentrum, über das von 1890 bis 1954 Millionen von Menschen in die USA kamen.

Menschen vor dem Roosevelt Hotel – Foto Paula Hellmann

New York steht vor gewaltigen Problemen und Kosten, um die Migranten zu versorgen. Die Lokalpolitik fühlte sich lange von der US-Regierung vernachlässigt. Jetzt lobten die Stadtväter aber Präsident Biden, da er angeordnet hat, dass 500.000 Venezolaner erst einmal in den USA bleiben und arbeiten dürfen. Es gibt Bedenken, dass die Maßnahme, statt das Problem zu lindern, mehr Menschen anziehen wird.

Die Integrierung in den Arbeitsmarkt wird sich nicht einfach gestalten. Es handelt sich um Menschen, die aus Armut flüchten, Englischkenntnisse sind im besten Fall sehr beschränkt, meist nicht vorhanden, berichten Sozialarbeiter. Auch Fähigkeiten, die vermarktbar sind, haben sie meisten nicht. Das ist auch das Ergebnis einer Studie des Center for an Urban Future – eine Denkfabrik, die sich mit New Yorker Lokalpolitik beschäftigt. Ein Feld, in dem Chancen bestehen, und viele Migranten auch schon tätig sind, ist Essenslieferung. Hier sind laut Schätzungen der Stadt New York circa 65.000 Menschen beschäftigt.

Essenslieferer am Times Square – Foto Rolf Mattinger

Derzeit versuchen sich viele bei der Arbeit mit Lieferdiensten, wo diese Schwierigkeiten umgangen werden können. Findige Unternehmer vermieten E-Bikes und Scooter an die Neuankömmlinge.

Ein großer Unterschied zu anderen Immigranten ist der fehlende Bezug zur Stadt. Frühere Einwandererwellen bestanden aus Menschen, die schon oft Freunde und Familie vor Ort hatten und die Neuankömmlinge etwas in das Leben in New York ‘einweisen’ konnten. Das ist bei den Migranten kaum der Fall.

Bis jetzt wurden nach Aussage von Bürgermeister Adams 4 Milliarden USD für die Krise in New York aufgewendet. Wie immer, wenn solche riesigen Geldmengen schnell ausgegeben werde, gibt es Korruption und Leute, die schnell reich werden wollen. Wie viel man darüber weiß oder nicht weiß, wo das Geld eigentlich genau hingeht, beleuchtete jetzt Bloomberg News in dem Artikel ‘NYC wants to know how $ 4 B is being spent on Migrants’.  Die Stadt hat gerade einen neuen Vertrag mit einer Gruppe Hotels unterzeichnet für Zimmer, die in den kommenden drei Jahren für die Unterbringung von Migranten genutzt werden.

Proteste gegen Aufnahme von Migranten auf Staten Island, einem der fünf Bezirke der Stadt New York – Foto Ed Janzik

Die Situation birgt gewaltige politische Gefahren und Zündstoff für die Demokraten, die sich schon seit Monaten untereinander streiten. So verlangt Bürgermeister Adams nicht nur immer mehr Hilfe von der Biden Regierung, sondern fordert auch die Gouverneurin des Staats New York, Kathy Hochul auf, mehr Migranten in anderen Teilen von New York State aufzunehmen. Das ist aber nicht im Interesse von Hochul und anderen Demokraten in Upstate, wie man die Gebiete des Staates New York außerhalb der Stadt nennt.

Laut einer Umfrage des Siena College, einem führenden Meinungsforschungsinstitut, halten acht von zehn New Yorkern die in hoher Anzahl ankommenden Migranten für ein ernstes Problem.  Bürgermeister Adams sagt, dass er fürchte, dass die Krise New York zerstören könne.

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Upstate sind die Republikaner viel stärker als in New York City. 2024 finden nicht nur die Präsidentschaftswahlen statt, sondern wie überall in Amerika, wird auch im Staat New York bestimmt, wer in den US-Kongress kommt. Es gibt viele unter Demokraten Sorgen, wie sich die Migrantenkrise da auswirken wird.  

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