
Am Abend des 14. April 1865, fünf Tage nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, schoss Schauspieler John Wilkes Booth, Sympathisant der unterlegen Confederate States, die für ein Weiterbestehen der Sklaverei kämpften, im Ford’s Theater in Washington, D.C auf Abraham Lincoln. Der 16. Präsident der USA erlag in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages seinen Verletzungen. Er wurde 56 Jahre alt.
Ganz Amerika trauerte. Aus New York schrieb Dichter Walt Whitman:
„Der gesamte Broadway ist schwarz vor Trauer – die Fassaden der Häuser sind mit schwarzem Tuch geschmückt – große Flaggen mit breiten und schweren Fransen in tiefem Schwarz erzeugen eine melancholische Stimmung … überall spürt man das Entsetzen, das Fieber, die Ungewissheit der Menschen.”

Zwischen New York und Lincoln bestand eine starke Verbindung. 1860 hielt er in der Great Hall der Cooper Union, einer technischen Universität in Manhattan, eine Rede, die wichtig dabei war, seine Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu sichern und in die amerikanische Geschichte einging. Die Stadt trauerte um ihn nicht nur um einen Präsidenten, sondern auch um einen der ihren.

Vom 21. April bis zum 3. Mai 1865 trat Lincoln seine letzte Reise an – an Bord eines Trauerzugs, der in umgekehrter Richtung genau jene Route zurücklegte, die er vier Jahre zuvor zu seiner ersten Amtseinführung genommen hatte. Die Prozession begann in Washington und endete in Springfield, Illinois, dem Geburtsort des Präsidenten und legte auf seiner Fahrt durch viele Orte mehr als 2.700 km zurück.

Am fünften Tag erreichte der Zug Manhattan. Schätzungsweise 750.000 New Yorker füllten die Straßen und strömten zum Rathaus, um dem aufgebahrten Lincoln die letzte Ehre zu erweisen. Weitere 160.000 Menschen marschierten in der großen Trauerparade der Stadt, an deren Ende 200 afroamerikanische Männer ein Banner mit der Aufschrift: „Abraham Lincoln – Unser Befreier“ trugen.
Der Sarg des Präsidenten, gezogen von sechzehn Pferden, bewegte sich den Broadway hinauf zum Union Square, wo eine weitere Trauerzeremonie stattfand. Anschließend führte der Trauerzug nach Westen zur Fifth Avenue, folgte dieser nordwärts bis zur 34. Straße und bog dann erneut nach Westen ab, hin zum Bahnhof der Hudson River Railway. Von dort aus setzte sich die Reise nach Albany und darüber hinaus fort.
