
Letzte Woche öffnete der erste Lidl mitten in Manhattan. Wir nahmen das zum Anlass, die Aktivitäten des deutschen Discounters in New York zu betrachten und zu sehen, wie es so läuft. Da man das nicht abgekoppelt vom Rest der USA-Geschäfte machen kann, warfen wir auch auf sie einen Blick. Diese Woche ist Aldi dran.
Wie Lidl eröffnet auch Aldi dieses Jahr eine erste Location im zentralen Manhattan und zwar in ‚The Ellery‘, einem sich im Bau befindlichen Wohngebäude mit 32 Etagen in der Nähe des Times Square, also wirklich ‘mittendrin‘. Das genaue Datum wurde noch nicht bekannt gegeben.

Aldi startete schon 1976 mit einem Markt in den USA. Als Location wurde Iowa City in der ‘Mitte von Nirgendwo‘ gewählt. Das war kein Zufall, sondern Teil einer Strategie, sich auf das Landesinnere zu konzentrieren. Die ersten Shops an der Ostküste kamen erst in den späten 2000ern, an der Westküste erst im folgenden Jahrzehnt.
Aldi USA Werbung aus dem Jahr 1979
In New York ging Aldi 2011 im Rego Park Viertel in Queens, einer weder besonders wohlhabenden noch armen Gegend an den Start, sieben Jahre vor Lidl. Man kann annehmen, dass man sich ganz bewusst ein solches ‘Durchschnittsviertel‘ für den ersten Markt ausgesucht hat.

Aldi hat derzeit 26 Locations in der Stadt. Sie sind über vier der fünf Boroughs verteilt, nur auf Staten Island gibt es keinen. Lidl hat neun.
Alle Aldi Locations in den USA
Die gewaltigen Unterschiede zwischen Aldi und Lidl in den Vereinigten Staaten
Aldi hat 2626 Locations in den USA und ist der am stärksten wachsende Lebensmitteleinzelhändler im Land. 2026 sollen 180 neue Filialen eröffnet werden, nur einige weniger als die 197, die Lidl gesamt unterhält.
Aldi wird von Branchenkennern in den USA als topgeführtes Unternehmen mit stimmiger Strategie, die exzellent ausgeführt wird, bewundert. Bei Lidl gibt es Probleme bei Plänen und Zielen und man ist nach erst gut zehn Jahren im Land schon beim siebten CEO angelangt.
Auch beim Image bei den Verbrauchern sehe ich persönlich einen großen Unterschied (solche Beurteilungen sind natürlich immer subjektiv). Aldi hat es, so finde ich, geschafft sich ein ‚Geiz ist Geil‘ Image in den USA aufzubauen und ist auf seine Weise ‘cool‘. Aldi ist für starke Kundenloyalität, manchmal sogar ‘Aldi Kult‘ genannt, bekannt. Lidl hat auch bei den Leuten, die den Discounter kennen, eine Minderheit, kein so griffiges Image oder vergleichbare Kundenbindung und das alles, obwohl sich die beiden Firmen bei den Angeboten nicht unähnlich sind.
Beide konzentrieren sich auf Eigenmarken und unterhalten Filialen, die im Vergleich mit den oft riesigen US-Supermärkten klein sind. Lidl hat ein eher vielfältigeres Angebot, darunter eine Bäckerei und mehr Obst und Gemüse. Aldi erscheint etwas fokussierter. Preislich liegen die Discounter, wie zu erwarten, nahe beieinander.
Die Aldi Filialen sind ein Stückchen kleiner als die von Lidl, vielleicht durchschnittlich so um die 25% und da es weniger Artikel im Sortiment gibt, geht das Shoppen, so meine persönliche Erfahrung, etwas schneller als bei Lidl.
Es wird spannend zu beobachten, ob Lidl es schaffen wird, sich in den USA zu etablieren und weit über die derzeit paar 200 Filialen, die sich an der Mitte der Ostküste konzentrieren, herauskommen wird. Es gibt sogar Branchenkenner, die ein Verschwinden von Lidl aus dem amerikanischen Markt für möglich halten, wie in einem Artikel der US-Fachzeitschrift ‚Food Trade News‘ zu lesen ist, der zumindest im Moment nicht hinter einer Paywall steckt.
Bei Aldi mit elf Mal so vielen Locations in den Vereinigten Staaten wie Lidl – Tendenz stark steigend – muss man sich da keine Sorgen machen. Hier ein Artikel mit mehr zum großen Erfolg des Discounters in den USA aus ‚Forbes Magazine‘ (ohne Paywall).


