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Er kam aus einfachen Verhältnissen – so wurde Jeffrey Epstein ultrareich und stieg in New Yorks höchste gesellschaftliche Kreise auf

Bild von Erol Inanc

Erol Inanc

Gründer von New York Aktuell

Jeffrey Epstein 1982 – Credit: Tom Masamori/WWD/Penske Media, via Getty Images

Jeffrey Epstein wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Brooklyn auf, aber schaffte es selbst als Studienabbrecher ultrareich zu werden und zum Strippenzieher der High Society aufzusteigen.

Zum Zeitpunkt seines Todes soll sich sein Vermögen auf über 600 Mio. belaufen haben. Er besaß eines der größten und luxuriösesten Privathäuser New Yorks, zwei Inseln, eine Ranch in New Mexico sowie eine Wohnung in Paris. Hinzu kamen Kunstwerke, Luxusautos, ein Privatjet und umfangreiche Anlagekonten.

Wie konnte der Sohn einer Hausfrau und eines Gärtners zu derart gewaltigen Reichtum gelangen?

Die New York Times schloss im Dezember 2025 eine mehrmonatige Untersuchung ab. Nach der Durchsicht Tausender Seiten Akten kam die Zeitung zu dem Schluss, dass Epstein sein Vermögen durch „Betrug, Diebstahl und Lügen“ aufgebaut hatte. „Epstein war weniger ein Finanzgenie als vielmehr ein begnadeter Manipulator und Lügner“, so die Zeitung. „Immer wieder war er bereit, sich am Rande der Kriminalität zu bewegen und Beziehungen zu zerstören, um Reichtum und Macht zu erlangen.“

Wir zeichnen Epsteins Weg nach.

1974 begann der damals 21-Jährige seine berufliche Laufbahn als Mathematik- und Physiklehrer an der elitären Dalton School an der Upper East Side in Manhattan. Wie er solche Anstellung als Studienabbrecher erlangen konnte, eigentlich eine Unmöglichkeit, ist eines der vielen Epsteingeheimnisse.

Jahresbericht der Dalton School 1975

1976 stand Epstein kurz davor, seine Stelle zu verlieren, seine Leistungen galten als ungenügend, als er von Michael Tennenbaum, dem Vater eines Schülers, zu einer Vernissage in einer Kunstgalerie eingeladen wurde. Tennenbaum machte Epstein mit Ace Greenberg, seinem Boss bei der renommierten Investmentbank Bear Stearns, bekannt.  

Greenberg war beeindruckt von Epstein, besonders seinen mathematischen Fähigkeiten und gab ihm einen Job bei Bear Stearns. 1980 wurde er zum Kommanditisten befördert, eine Rolle, in der er vermögende Kunden beriet.

Ace Greenberg – Foto NY Times

Mit 27 Jahren befand sich Epstein auf dem Höhepunkt seines frühen Erfolgs. Das Magazin «Cosmopolitan» kürte ihn zum «Junggesellen des Monats», Bear Stearns machte ihn zum Gesellschafter. Doch 1981 leitete die Bank eine interne Untersuchung ein: Es ging um einen fragwürdigen Privatkredit sowie um den Verdacht, Epstein habe vertrauliche Informationen über geplante Börsengänge weitergegeben. Parallel dazu nahm die US-Börsenaufsicht SEC Ermittlungen wegen möglichen Insiderhandels auf. Auch seine Lüge, Universitätsabgänger zu sein, kam ans Tageslicht. Epstein wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er sei durch die Untersuchung «zutiefst gekränkt». Kurz darauf verließ er das Unternehmen.

Nach seinem Ausscheiden bei Bear Stearns setzte Epstein sein Muster aus Lügen und Betrug fort. Einer seiner frühen Mentoren, der britische Rüstungsunternehmer Douglas Leese, trennte sich von Epstein, nachdem er ihm vorgeworfen hatte, sein Spesenkonto missbraucht zu haben. Ein anderer, der Geschäftsmann Michael Stroll, beschuldigte Epstein mit dem Großteil seiner Investition von 450.000 USD in ein Geschäft verschwunden zu sein, das offenbar nie zustande kam.

Epstein beschäftigte sich auch damit, die Aktienkurse börsennotierter Unternehmen zu manipulieren. Er sammelte dafür große Summen von Investoren ein und verschwand dann für gewöhnlich mit deren Geld.

Später in den 1980er-Jahren war Epstein mit Ana Obregón, einer spanischen Society-Lady und Schauspielerin, liiert und wurde bald von den Obregóns und anderen spanischen Familien beauftragt, große Summen verschwundenen Gelds aufzuspüren.

Epstein mit Ana Obregón

Epstein fand heraus, dass die Gelder in einer Filiale einer kanadischen Bank auf den Cayman Islands versteckt waren und wurde dafür reichlich belohnt. Durch diesen Geldsegen, zusammen mit dem Erträgen seiner verschiedenen betrügerischen Machenschaften, war Epstein spätestens jetzt ein reicher Mann.

Zeitgleich spendete Epstein große Summen an Kultureinrichtungen und wurde dadurch in verschiedene Vorstände berufen, sehr zuträglich für sein Ziel, sich in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen zu bewegen.

Finanzjongleur Steven Hoffenberg behauptet Epstein Ende der 1980er-Jahre zu seinem „Komplizen“ für ein Schneeballsystem im Umfang von Hunderten Millionen USD gemacht zu haben. „Ich habe ihm unter anderen Handel mit gefälschten Vermögenswerten und Manipulation von Aktienkurse machen lassen“.. 1993 brach das Ganze zusammen und Hoffenberg wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Epstein wurde nie angeklagt.

Steven Hoffenberg in den 199oer Jahren

In dieser Zeit gründete Epstein auch die Beratungsfirma J. Epstein & Company, die sich auf die Vermögensverwaltung von Privatpersonen mit einem Nettovermögen von über einer Milliarde Dollar spezialisierte. Sein wichtigster Kunde wurde der Milliardär Leslie H. Wexner, Gründer von Marken wie Victoria’s Secret, Bath & Body Works, Abercrombie & Fitch und Lane Bryant. Wexner verkaufte Epstein auch das luxuriöse Stadthaus in Manhattan, das später zu einem Symbol seines Reichtums werden sollte.

Epstein und Les Wexner – circa 2003

Mitte der 1980er-Jahre lernte Epstein den Einzelhandelsmagnaten Les Wexner kennen und schaffte es innerhalb von ein paar Jahren die Kontrolle über dessen persönliche Finanzen zu erlangen.
Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der US-Staatsanwaltschaft hatte Epstein mehrere Hundert Millionen USD von Wexner gestohlen. „Dieses Fehlverhalten, zusammen mit den Gebühren, die Epstein sich selbst für seine Dienste an Wexner zahlte, scheint praktisch sein gesamtes Vermögen auszumachen“, so der Report. Epstein übernahm demnach auch einen Privatjet, ein Stadthaus in Manhattan und andere Immobilien von Wexners für einen Bruchteil ihrer Werte.

Epstein 2018, ein Jahr vor seinem Tod

Die Verbindung zu Wexner öffnete Epstein über Jahrzehnte hinweg die Türen zu einem Netzwerk aus Reichen und Mächtigen. 2007 kam es zum Bruch. Nach Epsteins Tod sagte er: «Von jemandem ausgenutzt zu werden, der so krank, so gerissen, so verkommen war, ist mir peinlich. Ich schäme mich, ihm überhaupt so nahegestanden zu haben – aber das ist Vergangenheit.»

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