
Jeffrey Epstein wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Brooklyn auf, aber schaffte es selbst als Studienabbrecher ultrareich zu werden und zum Strippenzieher der High Society aufzusteigen.
Zum Zeitpunkt seines Todes soll sich sein Vermögen auf über 600 Mio. belaufen haben. Er besaß eines der größten und luxuriösesten Privathäuser New Yorks, zwei Inseln, eine Ranch in New Mexico sowie eine Wohnung in Paris. Hinzu kamen Kunstwerke, Luxusautos, ein Privatjet und umfangreiche Anlagekonten.
Wie konnte der Sohn einer Hausfrau und eines Gärtners zu derart gewaltigen Reichtum gelangen?
Die «New York Times» hat Epsteins Aufstieg in die New Yorker High Society rekonstruiert.
1974 begann der damals 21-Jährige seine berufliche Laufbahn als Mathematik- und Physiklehrer an der elitären Dalton School an der Upper East Side in Manhattan. Wie er solche Anstellung als Studienabbrecher erlangen konnte, eigentlich eine Unmöglichkeit, ist eines der vielen Epsteingeheimnisse.

1976 stand Epstein kurz davor, seine Stelle zu verlieren, seine Leistungen galten als ungenügend, als er von Michael Tennenbaum, dem Vater eines Schülers, zu einer Vernissage in einer Kunstgalerie eingeladen wurde. Tennenbaum machte Epstein mit Ace Greenberg, seinem Boss bei der renommierten Investmentbank Bear Stearns, bekannt.
Greenberg war beeindruckt von Epstein, besonders seinen mathematischen Fähigkeiten und gab ihm einen Job bei Bear Stearns. 1980 wurde er zum Kommanditisten befördert, eine Rolle, in der er vermögende Kunden beriet.

Mit 27 Jahren befand sich Epstein auf dem Höhepunkt seines frühen Erfolgs. Das Magazin «Cosmopolitan» kürte ihn zum «Junggesellen des Monats», Bear Stearns machte ihn zum Gesellschafter. Doch 1981 leitete die Bank eine interne Untersuchung ein: Es ging um einen fragwürdigen Privatkredit sowie um den Verdacht, Epstein habe vertrauliche Informationen über geplante Börsengänge weitergegeben. Parallel dazu nahm die US-Börsenaufsicht SEC Ermittlungen wegen möglichen Insiderhandels auf. Auch seine Lüge, Universitätsabgänger zu sein, kam ans Tageslicht. Epstein wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er sei durch die Untersuchung «zutiefst gekränkt». Kurz darauf verließ er das Unternehmen.
Nach seinem Ausscheiden bei Bear Stearns setzte Epstein sein Muster aus Lügen und Betrug fort. Einer seiner frühen Mentoren, der britische Rüstungsunternehmer Douglas Leese, trennte sich von Epstein, nachdem er ihm vorgeworfen hatte, sein Spesenkonto missbraucht zu haben. Ein anderer, der Geschäftsmann Michael Stroll, beschuldigte Epstein mit dem Großteil seiner Investition von 450.000 USD in ein Geschäft verschwunden zu sein, das offenbar nie zustande kam.
Epstein beschäftigte sich auch damit, die Aktienkurse börsennotierter Unternehmen zu manipulieren. Er sammelte dafür große Summen von Investoren ein und verschwand dann für gewöhnlich mit deren Geld.
Später in den 1980er-Jahren war Epstein mit Ana Obregón, einer spanischen Society-Lady und Schauspielerin, liiert und wurde bald von den Obregóns und anderen spanischen Familien beauftragt, große Summen verschwundenen Gelds aufzuspüren.

Epstein fand heraus, dass die Gelder in einer Filiale einer kanadischen Bank auf den Cayman Islands versteckt waren und wurde dafür reichlich belohnt. Durch diesen Geldsegen, zusammen mit dem Erträgen seiner verschiedenen betrügerischen Machenschaften, war Epstein spätestens jetzt ein reicher Mann.
Zeitgleich spendete Epstein große Summen an Kultureinrichtungen und wurde dadurch in verschiedene Vorstände berufen, sehr zuträglich für sein Ziel, sich in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen zu bewegen.
1988 gründete Epstein die Beratungsfirma J. Epstein & Company, die sich auf die Vermögensverwaltung von Privatpersonen mit einem Nettovermögen von über einer Milliarde Dollar spezialisierte. Sein wichtigster Kunde wurde der Milliardär Leslie H. Wexner, Gründer von Marken wie Victoria’s Secret, Bath & Body Works, Abercrombie & Fitch und Lane Bryant. Wexner verkaufte Epstein auch das luxuriöse Stadthaus in Manhattan, das später zu einem Symbol seines Reichtums werden sollte.

Die Verbindung zu Wexner öffnete Epstein über Jahrzehnte hinweg die Türen zu einem Netzwerk aus Reichen und Mächtigen. 2007 kam es zum Bruch: Wexner entließ seinen langjährigen Finanzberater. Nach Epsteins Tod sagte er: «Von jemandem ausgenutzt zu werden, der so krank, so gerissen, so verkommen war, ist mir peinlich. Ich schäme mich, ihm überhaupt so nahegestanden zu haben – aber das ist Vergangenheit.»

Neben seiner Tätigkeit als Vermögensverwalter verdiente Epstein sein Geld auch an der Wall Street. Zu seinen größten Investitionen zählte eine Beteiligung an einer Risikokapitalgesellschaft, die vom Paypal-Mitgründer Peter Thiel mitgegründet worden war. Zudem errichtete Epstein Firmenkonstrukte auf den Amerikanischen Jungferninseln, wo er von großzügigen Steuervorteilen profitierte. Über einen Zeitraum von rund 20 Jahren soll er auf diese Weise bis zu 300 Millionen USD an Steuern eingespart haben. Dazu gibt es Gerüchte, dass Epstein auch mit Erpressungen und Arbeit für Geheimdienste an viel Geld gelangt ist


