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Abseits von den Klischees – Hintergründe zur Obdachlosigkeit in New York

Bild von Erol Inanc

Erol Inanc

Gründer von New York Aktuell

Foto – Stefan Kracki

Ende Januar und in den ersten Februartagen erreichte arktisches Wetter New York und die gefährlich niedrigen Temperaturen hielten lange an.

„Wir müssen traurigerweise melden, dass es seit Beginn des Schneesturms und dieser lebensbedrohlichen Kälteperiode 16 Todesfälle bei Obdachlosen im Freien gegeben hat“, so Bürgermeister Zohran Mamdani, der seit 1. Januar im Amt ist.

„Von unseren Mitarbeitern des Sozialamtes bis hin zu den Beamten der New Yorker Polizei haben wir die Hilfsangebote für Obdachlose intensiviert und seit Beginn dessen, was eine der längste Periode aufeinanderfolgender Tage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt seit es Aufzeichnungen gibt, sein könnte, erfolgreich über 800 Unterbringungen vermittelt“, so Mamdani. „Wir setzen Krankenwagen ein, die durch die Stadt fahren und direkt zu obdachlosen Menschen gehen, um sie zu ermutigen, Schutz zu suchen, eine Mahlzeit zu sich zu nehmen und sich aufzuwärmen. Dort ist auch medizinische Behandlung möglich“.

Foto – Valerie Stefanni

Solche winterlichen Situationen rücken Obdachlosigkeit intensiv in den Blickpunkt von Medien und Politik in New York. Wie ist es aber überhaupt? Wir wollen Ihnen in diesem Artikel Hintergründe abseits der Klischees geben:

Wie viel Obdachlosigkeit es gibt, ist schwer zu sagen. Es kommt auch auf die Definition an. Werden nur Leute ganz ohne Dach über dem Kopf gezählt oder auch Menschen ohne eigene Bleibe, die irgendwie hier und da unterkommen und vielleicht bei anderen in einer Ecke schlafen? Was man weiß, ist, dass 2025 durchschnittlich 106.000 Menschen in den städtischen Obdachlosenheimen schliefen.

Verschärft hat sich die Situation mit dem Start der Migrantenkrise 2022. Einige Hunderttausend Menschen kamen in den folgenden paar Jahren nach New York, vor allem aus Mittel- und Südamerika und Teilen Afrikas. Nicht wenige wurden Teil der hiesigen Bevölkerung von Obdachlosen.

Foto – Valerie Stefanni

Die zuständige städtische Behörde ist ‚Department of Homeless Services‘ (DOH), deren Budget 2025 bei fast genau 4 Mrd. USD lag. Der allergrößte Teil der Gelder fließt in Obdachlosenheime.

Diese traditionellen großen ‚Shelters‘ (kurz für Homeless Shelters) genannten Bleiben sind bei den Menschen, denen sie helfen sollen, unbeliebt, manchmal schon gehasst. Häufige Klagen sind Kriminalität, mangelnde Privatsphäre und Gewalt. Seit circa zehn Jahren werden moderne, kleinere Heime gebaut, die den Menschen mehr Autonomie erlauben sollen und ihnen besser beim Übergang in ein geregelteres Leben helfen sollen. Mittlerweile haben ungefähr 50 dieser Unterkünfte ihre Pforten geöffnet, geplant sind ungefähr noch einmal so viele.

Eines der neuen Shelter – Foto Sam Hodgson

Eine riesige Herausforderung ist der Widerstand in den Vierteln, in denen die Shelters gebaut werden sollen. Praktisch jeder Bürger stimmt zu, dass den Obdachlosen geholfen werden soll, aber nur die wenigsten wollen ein Heim bei sich auf der Straße. Sobald Baupläne bekannt gegeben werden, folgt praktisch immer Widerstand, fast immer mit dem Verweis, dass ein Shelter Kriminalität bringt. (Ich lebe seit 35 Jahren mitten in Manhattan und hatte noch nie eine negative Erfahrung mit einem Obdachlosen. Aus irgendeinem Grund sind sie in den Städten der Westküste oft aggressiv.)

Ein anderes Problem ist Korruption, nicht verwunderlich bei den großen Mengen an Geld, die im Spiel sind. Beispielsweise wurde ein Victor Rivera, der Betreiber mehrerer privater Shelter, wegen Korruption in Millionenhöhe verurteilt.

Dann ist da die Personengruppe selbst, die aus oft nicht einfachen Menschen besteht. Viele Obdachlose haben Suchtprobleme oder psychische Erkrankungen, oft beides. Einige haben Kinder, die einen großen Teil der Heimbevölkerung ausmachen und oft vom Shelter morgens in die Schule gehen.

Es gibt immer wieder neue Initiativen. Diesen Monat werden fünf rund um die Uhr geöffnete „Willkommenszentren“ in der U-Bahn eröffnen, wo Sozialarbeiter obdachlosen New Yorkern helfen, Unterstützung und Unterkünfte zu finden. Der Fokus sind Menschen mit psychischen Problemen, die das U-Bahn System zu ihrem Zuhause gemacht haben. In das Projekt werden 40 Mio. USD investiert.

Schon seit langem gibt es auch verschiedene Wohngutscheinprogramme für Obdachlose oder davon akut Bedrohte, in die circa eine Milliarde USD aus Mitteln des Bundes und des Staates New York fließen. 

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