New York 360

Tourismus in New York – große Probleme, aber auch langsame Besserung

Touristen auf dem Empire State Building

Tourismus war jahrelang die größte Wachstumsbranche in New York. 2019 besuchten laut Angaben des New Yorker Fremdenverkehrsamts NYC & Company gut 65 Millionen Menschen die Stadt, circa 13,5 Millionen von ihnen kamen aus dem Ausland – ein neuer Rekord.

Die internationalen Gäste sind für die Stadt besonders interessant. Sie geben fast viermal so viel aus wie amerikanische Besucher, da sie länger bleiben, mehr unternehmen und oft auch gehörig shoppen. Im Jahr 2019 lag Deutschland mit gut 600.000 New York Touristen auf Rang 7 der Gästeländer. Es kamen auch 200.000 Schweizer und es ist anzunehmen, dass die Zahl von österreichischen Besuchern in der gleichen Größenordnung liegt.

Alle Besucher zusammen gaben laut Berechnungen von NYC & Company über 50 Mrd. USD aus. Der gesamte wirtschaftliche Beitrag, – wenn man Investitionen wie Hotelneubauten mit einbezieht, – soll bei mehr als 70 Mrd. USD liegen. Die Gäste zahlen auch fleißig Steuern. Durch die Sales Tax und die Hotel Tax werden um die 10 Milliarden Dollar eingenommen.

Doch die Pandemie stellte dann alles auf den Kopf.

Nach Angaben des ‘New York Department of Labor’, das für Arbeitslosenhilfe zuständig ist, verloren 72% der Menschen, die ihren Lebensunterhalt dem Tourismus zu verdanken haben, innerhalb von Wochen ihren Job.

Der Times Square zum Höhepunkt der Pandemie – Foto CWNS

Die durchschnittliche Auslastung der 140.000 Hotelzimmer im Jahr 2019 war knapp 90%, im März 2020 fiel die Rate bis auf 18%, und wäre noch niedriger gelegen, wenn Einsatzkräfte, Covid-19 Patienten und Obdachlose nicht so viele Zimmer belegt hätten. Seit Ausbruch der Pandemie schlossen zwischen 150 und 200 Hotels – es kommt darauf an, wen man fragt – ihre Pforten. Laut Analystenfirma STR stieg die Auslastung mittlerweile auf circa 50%, da innerhalb der USA wieder mehr gereist wird und weniger Hotelzimmer auf dem Markt sind.

Ein weiterer wichtiger Faktor beim Tourismus ist der Broadway. 2019 wurden 12 Millionen Tickets im Wert von über 1 Milliarde Dollar an Besucher verkauft, was zwei Dritteln des Publikums entspricht. Obwohl hier und da wieder Vorstellungen stattfinden, wird es frühestens im Herbst einen Broadwaybetrieb geben, der mit dem vor der Pandemie auch nur vergleichbar wäre. Im Moment gibt es noch viel mehr Fragen als Antworten.

Am Broadway gingen die Lichter aus.

Die Museen sind seit Monaten wieder offen, aber mit Kapazitätseinschränkungen. Das Gleiche gilt für Shops, Restaurants und Nightlife.

Damit der Tourismus wieder Fahrt aufnimmt, müssen Leute kommen können und wollen, und es muss sich lohnen die Stadt zu besuchen. Irgendwo auch eine Zwickmühlensituation, da viele Unternehmen nicht investieren wollen, wenn sie nicht wissen, ob Gäste kommen, und es die Nachfrage drücken kann, wenn es nicht genug Angebote für Besucher gibt. Es könnte dauern, bis sich hier ein Gleichgewicht einstellt. 

Tourbus Anfang April – Foto – Stephen Yung

Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens in New York stieg aber auch in der Tourismusbranche in den letzten Monaten der Optimismus. Die meisten Attraktionen, wie Aussichtsplattformen, Fähren, Museen und Tourbusse sind wieder im Betrieb und es geht wieder langsam aufwärts. Das realistischste Szenario könnte sein, dass man zuerst die Inlandsbesucher wieder zurückholt. NYC & Company starte gerade eine Werbekampagne innerhalb der USA mit 30 Mio. USD Budget. In absehbarer Zeit, so die Hoffnung, könnten auch die internationalen Gäste wieder in größeren Zahlen dazukommen.

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