Das echte Leben in NY

1.5 Mio Pakete täglich augeliefert – Online Shopping macht New Yorks Straßen noch chaotischer

Online Shoppen hat das Leben bequemer gemacht, aber auch gewaltige Probleme in vielen Ballungsräumen der Welt erzeugt.

Nach Berechnungen der New York Times hat sich die Zahl von Paketen, die in New York an Privathaushalte ausgeliefert werden, in den letzten 10 Jahren fast vervierfacht. Mittlerweile sollen es um die 1.5 Mio. Sendungen täglich sein. Seit Ausbruch der Pandemie vielleicht sogar mehr, da Leute weniger in Läden gehen.

Wenn man einen Blick in die Lobbys größerer Apartmentgebäude wirft, sieht  man wie gerne die Menschen im Internet shoppen. Oft stapeln sich die Kartons, manchmal gibt es eigene Lagerräume für die Sendungen. (Diebstahl wird immer mehr zum Problem, jeden Tag werden zehntausende von Paketen entwendet.)

Die Infrastruktur der Region konnte mit dem gewaltigen Anstieg an Lieferungen nicht mithalten.

Lieferung für ein Apartmentgebäude

In New Jersey auf der anderen Seite des Hudson, befinden sich viele der Lagerhäuser der Onlinehändler, aus denen heraus sie die Region New York bedienen. Tausende von Lkws mit Paketen fahren täglich über die George Washington Bridge – eine Brücke, die New York mit New Jersey verbindet. Die letzten Kilometer Straße, die auf die Brücke führen, sind laut dem American Transportation Research Institute mittlerweile das am stärksten verstopfte Stück Autobahn in den gesamten USA.

In der Stadt sieht man überall Fahrzeuge von UPS, FedEx, dem United States Postal Service und anderen Auslieferern. Auch die LKWs von Online-Lebensmittelhändlern wie Fresh Direct oder Pea Pod fahren in immer größerer Anzahl durch New York. Der gewaltige Anstieg beim Onlinekauf von Frischwaren ist auch einer der Hauptgründe für das rasant gestiegene Volumen an Lieferungen.

Oft stehen die Fahrzeuge in zweiter Reihe und blockieren Bus- und Radwege. Bürgersteige werden als Sortierzentren genutzt und Motoren dabei manchmal laufen gelassen. Alles Gesetzesverstöße, aber unumgänglich, wenn die Unmengen an bestellten Waren zu den Leuten kommen sollen. Besonders sichtbar sind die Verkehrsprobleme im ultradicht bewohnten Manhattan, aber auch andere Teile von New York und mittlerweile sogar die Vororte bleiben nicht verschont.

Immer mehr New Yorker sparen sich den Weg zum Supermarkt und ordern online – Foto Gabby Jones

Die Unternehmen versuchen, den Problemen mit verbesserter Logistik entgegenzutreten und verlangsamen so vielleicht die Verschlechterung der Situation. Eine Lösung ist es nicht.

Der Trend, immer mehr Waren immer schneller anzubieten, verstärkt sich weiter. Derzeit werden Milliarden für neue Lagerhäuser in der Region ausgegeben. Einige werden sich innerhalb der Stadtgrenzen befinden, in einkommensschwächeren Gebieten wie der South Bronx und Red Hook, einem etwas abgeschnitten gelegenen Viertel in Brooklyn. Anwohner in diesen Gegenden haben gespaltenen Gefühle. Man freut sich über die wirtschaftlichen Auswirkungen, aber fürchtet Folgen wie steigende Luftverschmutzung. Die South Bronx hat schon jetzt eine der höchsten Asthmaraten in den gesamten USA. Die Branche hat versprochen, umweltfreundlicher zu werden und will über die nächsten Jahre mehr und mehr Elektrofahrzeuge einsetzen.

Angaben des US Census Bureau zufolge – ein Amt, das Statistiken führt – werden derzeit 10 Prozent aller Einzelhandelskäufe in den USA online getätigt. Es gibt also viel Raum für Wachstum und für mehr Probleme.

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