
1969 schafften es die ersten Menschen auf den Mond. Faszinationskraft hatte der Himmelskörper aber seit Menschengedenken. Das machte sich auch die Zeitung New York Sun 1835 in einer Serie mit sechs Artikeln zunutze, in denen über die Entdeckungen auf dem Mond berichtet wurde. Sie wurden dem renommierten Astronom Sir John Herschel zugeschrieben, der für seine Arbeiten ein neues „Superteleskop“ verwendet haben soll.

In den ersten drei Artikeln wird unter anderem von unbekannten Pflanzen, Urwäldern, Mond-Bisons, blaue Ziegen und Biber, die auf zwei Beinen laufen, berichtet. Im vierten Teil der Serie beschreibt Herschel dann in nüchternem wissenschaftlichem Ton menschenartigen Mondwesen, die von ihm lateinischen Namen „Vespertilio homo“, in etwa Fledermausmenschen, erhielten.

Sie seien im Durchschnitt vier Fuß hoch und überall mit schimmernden kupferfarbigen Haaren bedeckt, nur nicht im Gesicht. Zudem haben sie Flügel, die aus einer dünnen Membran bestehen, die von den Schultern bis zu den Waden reicht. Das Gesicht ist von einer gelblichen Farbe und ähnelt einem Orang-Utan, wirkt aber offener und intelligenter und hat eine höhere Stirn.

Vielen Lesern erscheinen, die Berichte glaubwürdig, da sie von John Herschel stammen sollten, ein sehr populärer und respektierter Astronom. Die Zeitung mit ihren fantasievollen Illustrationen verkaufte sich in einer Auflage von etwa 6000 Stück, was für die Zeit enorm war.
Nach drei Wochen, 16. September 1835 gab die New York Sun bekannt, dass alles nur ein „Scherz“ gewesen sei.
Astronom Herschel, erfuhr erst im Nachhinein von der Angelegenheit. Wer dahinter steckte, kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden, aber es war vermutlich Richard Adams Locke. Der stammte aus einer recht reichen britischen Familie, entschied sich aber in die USA auszuwandern, wo er sein eigenes Geld verdienen musste, was lange eher schlecht als recht klappte, und eine Traumauflage bei seiner Zeitung zu erzielen, würde da sicher helfen. Locke verfügte auch über ausgezeichnete Bildung und Sprachgeschick, von denen die Artikel zeugten.
Viele Medienhistorikern halten die Angelegenheit im Rückblick weniger für einen Scherz, als für ein frühes Beispiel von mit Profitmotiv betriebenen Sensationsjournalismus.


