Gesellschaft + Politik

41% der New Yorker glauben, sich die Stadt nicht mehr leisten zu können

Foto – Gus Zoll

41% aller New Yorker glauben, dass sie es sich bald oder schon jetzt nicht mehr leisten können, in der Stadt zu leben. Dieser Anteil der Bevölkerung befürchtet, dem Big Apple wegen der hohen Lebenshaltungskosten innerhalb der nächsten fünf Jahre den Rücken kehren zu müssen. Dies geht aus einer Umfrage der Quinnipiac University hervor, die im Nordosten der USA führend im Gebiet der Meinungsforschung ist.

“Sie machen diese Stadt zu einer Stadt für die Reichen, und sie ersticken die Mittelschicht”, sagte Ari Buitron, ein 49-jähriger Anwaltsgehilfe und gebürtiger New Yorker aus Queens zur NY Post. “Du gehst zum Einkaufen und zahlst $2 für einen Becher Yoghurt oder $12 oder $13 für ein Sixpack (6 Flaschen Bier zu 0,35 Liter). Die billigste kleine Wohnung, die man irgendwo im Stadtgebiet findet, kostet mindestens $1.700. Soll es halbwegs zentral sein, ist man leicht mit dem Dopppelten dabei. Viele meiner Freunde sind schon nach Florida, Texas oder Oregon gezogen.”
Diejenigen, die schon aus New York weg sind, bereuen ihren Entschluss anscheinend nicht. “Ich bin von Brooklyn nach New Jersey gezogen (ein anderer Bundesstaat, der von New York aber nur durch den Hudson River getrennt ist). Ich arbeite immer noch in Brooklyn, und muss nur 15 Minuten länger pendeln. Aber ich spare dadurch $300 im Monat, was auf lange Sicht wichtig für mich ist“, sagte Robert Carpenter, 50, der die Stadt vor 3 Jahren verließ, der Zeitung.

Die Stimmung der New Yorker scheint sich auch zu verschlechtern. Als die Meinungsforscher im Mai dieselbe Frage stellten, gaben nur 31 Prozent an, dass sie der Stadt in naher Zukunft aus wirtschaftlichen Gründen entfliehen müssten.

Selbst finanziell gut gestellte New Yorker verlassen die Stadt, oft um sich im Süden der USA niederzulassen. “Ich glaube, wegen der hohen lokalen Steuern und weil man seine Grundsteuer nicht mehr von der Einkommenssteuer absetzen kann, ziehen selbst einige Menschen mit Geld weg”, mutmaßt Immobilienmagnat Gil Dezer gegenüber der Post.

Die Ergebnisse der Umfrage gehen einher mit Schlüssen, die das ‘Empire Center for Public Policy’, ein New Yorker Think Tank, aus seiner Forschungsarbeit zog. Demnach steht New York weit oben bei den amerikanischen Regionen mit abwanderungswilliger Bevölkerung.

“Es ist nicht überraschend, dass viele Menschen weg wollen. Das Hauptproblen ist, dass die Stadt für viele Menschen nicht mehr erschwinglich ist. Lebenshaltungskosten, Miete und Grundsteuern sind sehr hoch”, sagt E.J. McMahon vom Empire Center.

Die Umfrage ergab auch, dass Minderheiten ihrer wirtschaflichen Zukunft mit besonders viel Pessimismus entgegenblicken. Auf die Frage, wie sie ihre wirtschaftliche Situation bewerten, gaben Nicht-Weiße öfters als Weiße an, dass sie sich als “arm” wahrnehmen und ihre finanzielle Lage als “nicht gut” einschätzten. Viel weniger Angehörige von Minderheiten, als Weiße, hielten ihre persönliche wirtschaftliche Lage für “ausgezeichnet” oder “gut”.

Besonders viele Afro-Amerikaner beklagten sich auch, dass Gentrifizierung sie aus traditionell schwarzen Stadtvierteln vertreibt. “Als ich hierher gezogen bin, gab es kein H&M, keinen Shake Shack (Luxushamburgerkette) — es war authentisches, afroamerikanisches Harlem”, sagte Clifton Oliver, 43, der schwarz ist. “Jetzt gibt es trendige, teure Restaurants wie Red Rooster hier. Die Menschen gehen in den Süden, nach Florida, Alabama, Baltimore.”

Paradox ist, dass die Einwohnerzahlen in New York trotz der vielen Abwanderungswilligen stark nach oben zeigen. Innerhalb der letzten 10 Jahre stieg die Bevölkerung von schätzungsweise 8 Millionen auf circa 8.5 Millionen. New York wird also in absehbarer Zukunft nicht menschenleer werden.

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