
Vor ein paar Jahren veröffentlichte Nielsen Sports einen Bericht, wonach die Pandemie in den USA zu einem enormen Anstieg der Popularität des Laufsports führte. 35 Prozent der Menschen, die ihn ausüben begannen oder steigerten ihr Pensum in dieser Zeit deutlich. Auch etliche Jahre später hat dieser Trend nicht nachgelassen; im Gegenteil, Laufen ist beliebter denn je.
In wohl keiner anderen Stadt wird dies so deutlich wie in New York.
2025 bewarben sich mehr als 200.000 Menschen für einen der 55.000 Startplätze beim New York Marathon, ein Anstieg von 71 Prozent zu 2019. Viele von ihnen haben das Ziel vor Augen, ein „World Marathon Major“ zu laufen, die Teilnahme bei allen sieben Elite-Marathons. Neben New York sind das Berlin, Boston, Chicago, London, Sydney und Tokio.
Der New York Road Runners Club (N.Y.R.R.), der den Marathon organisiert, richtet auch Dutzende kleinerer Läufe aus – wie etwa den Brooklyn-Halbmarathon oder den New York City-Halbmarathon –, bei denen die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer Einheimische sind. Die Teilnahme war lange Zeit eine recht unkomplizierte Angelegenheit. Laut N.Y.R.R.-Chef Rob Simmelkjaer dauerte es 2019 durchschnittlich 121 Tage, bis ein Lauf ausgebucht war; 2026 sind es gerade einmal vier Tage. Einige der beliebtesten Rennen stoßen auf eine derart hohe Nachfrage, dass die Anmeldesysteme des N.Y.R.R. unter dem Ansturm bereits zusammengebrochen sind.

Bis vor wenigen Jahren konnten Läufer noch wenige Wochen im Voraus nach passenden Rennen suchen und sich je nach ihren persönlichen Zielen oder ihrem Fitnesslevel anmelden. Es war problemlos möglich, für einen 10-Meilen-Lauf in der Bronx, einen Halbmarathon auf Staten Island oder einen Meilen-Sprint über die Fifth Avenue zu trainieren, ohne dafür bereits Monate im Voraus planen zu müssen. Mittlerweile öffnet der N.Y.R.R. die Anmeldung für jeweils nur wenige Läufe – ein Verfahren, das an den Ticketmaster-Verkaufsstart für Taylor-Swift-Konzerte erinnert. Sie möchten Zugang zum Vorverkauf erhalten? Dann melden Sie sich für die „Membership Plus“ des N.Y.R.R. an – für 120 Dollar (doppelt so viel wie eine reguläre Einzelmitgliedschaft). Die Alternative sind noch längere Warteschlangen, an deren Ende, wenn man Glück hat, blitzschnell Klicken muss.
„Einerseits freuen wir uns darüber, wie populär das Laufen und unsere Veranstaltungen geworden sind“, sagte Simmelkjaer in einem Interview mit der *New York Times*. „Gleichzeitig stellt dies jedoch auch unsere größte Herausforderung dar; denn uns ist bewusst: Wenn sich 15.000 Menschen für einen Lauf bewerben, der lediglich 5.000 Startplätze bietet, werden 10.000 von ihnen am Ende enttäuscht und unzufrieden zurückbleiben.“

Der N.Y.R.R. versuche mehr Läufe auszutragen und die Teilnehmerfelder zu vergrößern, doch die Anzahl der verfügbaren Tage ist begrenzt, denn auch Veranstalter von Straßenfesten und ähnlichem, beantragen solche Eventgenehmigungen, die nicht einfach zu bekommen sind. Vereinbarungen mit der Stadt schreiben auch Obergrenzen bei der Anzahl der Läufer vor.
Was den Marathon betrifft, so genießen ortsansässige Mitglieder des N.Y.R.R. einen Vorteil. Im Gegensatz zu den anderen fünf „Major Marathons“ bietet der in New York einen speziellen Weg zur sicheren Teilnahme an, der jedoch weder einfach noch kostengünstig ist: Läufer, die innerhalb eines Kalenderjahres neun anrechenbare N.Y.R.R.-Läufe absolvieren und sich zudem bei einer qualifizierenden Veranstaltung ehrenamtlich engagieren – ein Programm, das unter dem Namen „9+1“ bekannt ist –, erhalten einen garantierten Startplatz für den Marathon des darauffolgenden Jahres. Vorausgesetzt natürlich, es gelingt ihnen überhaupt erst einmal, sich erfolgreich für jene Qualifikationsläufe anzumelden.

Eine schöne Auswirkung des Laufbooms ist der Zuwachs bei den Laufclubs, wo sich New Yorker mit Gleichgesinnten für Läufe treffen, was immer auch eine soziale Komponente hat. Es entstehen immer mehr dieser Clubs in der ganzen Stadt, mit ganz eigenen Identitäten. Hier eine Liste.


