New York 360

Airbnb bekommt mehr Gegenwind in New York

Anti-Airbnb-Demonstranten vor dem New Yorker Rathaus – Foto Sharon Addleston

Wie schon in anderen Metropolen, bekommt Airbnb auch in New York immer mehr Gegenwind. Der Plattform wird von Kritikern vorgeworfen, der Stadt lebenswichtigen Wohnraum zu entziehen, Apartments zweckzuentfremden und dabei sowohl Mietern als auch der Hotel-Konkurrenz gegenüber unfair zu agieren.

Als Beispiel hier ein Szenario, wie Airbnb nach Ansicht seiner Gegner den Wohnungsmarkt schädigt. Sagen wir, ein Wohnhaus auf der Upper West Side von Manhattan, gebaut in den 1980er Jahren, hat 40 Wohnungen, die alle 55 Quadratmeter groß sind. Die Marktmiete für eine dieser Wohnungen beträgt etwa 3.000 Dollar. In fast allen solchen Häusern wird es einige Leute geben, die weniger bezahlen, weil sie schon lange dort wohnen und es in New York Mietpreisbindung gibt. (Das Thema ‘Miete in New York’ ist faszinierend. Während es auf der einen Seite berüchtigt teuer ist, gibt es auch sehr viele Leute mit großem ‘Wohnglück‘, die beneidenswert schön und günstig leben. In geraumer Zukunft finden Sie auf NY Aktuell einen Artikel dazu.)

In diesem Gebäude aus den 80er Jahren wohnt ‘Mary Smith’ seit 1985. Sie bezahlt 1.000 Dollar, aber wohnt schon lange nicht mehr wirklich dort, sondern in Florida. Einen Deal wie diesen will sie trotzdem nicht aufgeben. Deshalb vermietet sie die Wohnung, in der 3 bis 4 Leute schlafen können, auf Airbnb für 300 Dollar pro Nacht (für Gäste viel billiger als zwei Hotelzimmer). Wenn sie das nur 12 Nächte pro Monat macht, kommen über 3.500 Dollar in die Kasse. Sie macht Gewinn und hat noch dazu die Möglichkeit, jederzeit nach New York zu kommen. Hätte Mary die Wohnung aufgegeben, statt sie auf Airbnb zu vermieten, hätte diese möglicherweise auch bei der Neuvermietung zu einer deutlich niedrigeren Miete als der am Markt üblichen angeboten werden müssen. Sie kommt aber nie auf den Markt, sondern wird unter der Hand auf der Plattform vermietet, und so hat kein normaler New Yorker mehr die Möglichkeit, diese Wohnung zu beziehen. auf diese Weise wird der Stadt Wohnraum entzogen. Ein anderes Szenario sind geschäftstüchtige Zeitgenossen, die viele Wohnungen zum Marktpreis anmieten und die Vermietung über Airbnb so effizient managen, dass sie ordentlich Geld verdienen. Auch das lässt die Mietpreise steigen.

Natürlich gefällt es auch den Hausbesitzern nicht, dass ihre Gebäude in illegale Hotels umgewandelt werden. Die Bewohner eines solchen Hauses sehen die Sache im besten Fall neutral. Vielen gefällt es aber gar nicht, wenn in ihrem Zuhause fremde Menschen mit Koffern ein-und ausgehen (im Haus eines Freundes ist das fünf- bis sechsmal im Monat der Fall). Oft werden die Airbnb-Gäste dazu angehalten, Gespräche mit Nachbarn am Besten zu vermeiden oder zu lügen, falls es doch dazu kommt. Der Bereitsteller der Wohnung trichtet den Besuchern dann ein: “Sag den Hausbewohnern ‘Ich bin ein Freund von Mary Smith!’“.

Neue Gesetzgebung soll nun Linderung verschaffen. Bürgermeister Bill de Blasio unterzeichnete am Montag (20.08.2018) eine Verordnung, wonach das Unternehmen künftig eine Liste seiner Gastgeber sowie Informationen über sämtliche getätigte Transaktionen an die Behörden übermitteln muss. Kommen die Anbieter dem nicht nach, drohen Strafen von 1.500 Dollar (knapp 1.300 Euro) pro Monat und Wohnung. Solche Verordnungen wären vielen Vermietern höchst unangenehm und einige würden mit Sicherheit das Handtuch werfen.

Airbnb-PR in der U-Bahn

Airbnb selbst sieht die ‘mächtige Hotellobby‘ in New York hinter der neuen Gesetzgebung. Hier muss man sagen, dass Airbnb um einiges mächtiger ist als der Hotelierverband. Das Unternehmen verzeichnete hunderte Millionen an Einnahmen, hat die Kassen auch voller Investorenkapital und einen Marktwert von 31 Milliarden Dollar! Auch hat der Hotelverband einige gute Argumente auf seiner Seite. Warum müssen wir hohe Auflagen hinsichtlich Brandschutz, Sozialleistungen, Versicherungsschutz oder Hotelsteuern erfüllen und Airbnb nicht? So die Klage. Die Plattform hingegen sieht sich eher als Retter der unter finanziellem Druck stehenden New Yorker. Josh Meltzer von Airbnb behauptet, dass viele Leute, die Wohnungen unter der Hand anbieten, Probleme hätten, in der teuren Metropole über die Runden zu kommen, und deshalb vermieteten. Er zeigte sich “enttäuscht” von den neuen Regeln. (Die Darstellung, dass der ‘normale’ Airbnb-Vermieter einfach jemand ist, der ein freistehendes Zimmer vermietet, weil das Geld knapp ist, widerlegt eine Studie von der ‘School of Urban Planning’ der McGill University. Auch auf Inside Airbnb gibt es hochinteressante Daten.) Airbnb hofft laut Melltzer auf eine gute Zusammenarbeit mit de Blasio, um eine vernünftige Regelung zu schaffen, mit der notleidende Familien von den “wenigen schwarzen Schafen”, die die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen sollten, unterschieden werden.

Anti-Airbnb-Anzeige der Hoteliers

Währenddessen gibt Airbnb Millionen für Image-Förderung aus. Events wie der New Yorker Marathon werden gesponsert und Geld für ‘gute Zwecke’ gegeben. Gerade eben überwies die Firma pressewirksam 10 Millionen Dollar an sieben gemeinnützige Organisationen, die sich um Belange von Benachteiligten, Menschen mit Wohn-Problemen usw. kümmern.

Wie schon bei Fahrdienstvermittlern wie Uber (zum Artikel), zeigt die ‚Sharing Economy‘ auch bei Airbnb ihre dunklen Seiten. Es wird interessant sein, die Entwicklung hier in den nächsten Jahren zu beobachten. Für die, die mehr über die Auswirkungen von Airbnb auf den New Yorker Wohnungsmarkt wissen wollen, ist hier ein exzellenter Artikel auf Citylab.

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