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Stadt im Umbruch und in Krise – 8 frühe Rap-Songs als Soundtrack zum New York der 1980er Jahre

Bild von Erol Inanc

Erol Inanc

Gründer von New York Aktuell

RUN DMC

Die 1980er waren Jahre so noch nie dagewesenen Reichtums und zugleich tiefgreifender Krisen in New York. Die Kurse an der Wall Street steigen in astronomische Höhen, was Hand in Hand mit einem Immobilienboom ging, durch nichts besser versinnbildlicht als mit dem  58-stöckigen Trump Tower, einem Hochglanzturm an der Fifth Avenue. Gleichzeitig sah sich New York mit einer Crack-Epidemie, AIDS, Obdachlosigkeit und explodierende Kriminalitätsraten konfrontiert.

Unter der Oberfläche begannen die alten Fundamente der Stadt zu bröckeln. Die Arbeitsplätze in der Fertigung, die lange Zeit die Existenzgrundlage der New Yorker Mittelschicht gebildet hatten, verschwanden; ebenso fielen Zehntausende Stellen in der Stadtverwaltung weg, da New York sparen musste. Während an der Wall Street jährlich Boni in Milliardenhöhe ausgeschüttet wurden, lebte rund ein Drittel der schwarzen und hispanischen Einwohner der Stadt unterhalb der staatlichen Armutsgrenze. Die ethnischen Spannungen brodelten.

In den 1980er Jahren gelangte auch der Hip-Hop – die Musikform deren Entstehung im vorangegangenen Jahrzehnt vor allem in South Bronx ihren Anfang nahm – in den weltweiten kulturellen Mainstream. Diese acht Hip-Hop-Songs bilden den perfekten Soundtrack für diese Ära in New York – genau so wie Tom Wolfes Roman ‚Fegefeuer der Eitelkeiten (Bonfire of the Vanities)‘ ein faszinierendes literarisches Abbild jener Zeit ist.

1. The Sugarhill Gang: “Rapper’s Delight” (1979)

Dieser Track erschien 1979, kurz vor Beginn des neuen Jahrzehnts, und war der erste Rap-Song, der den großen Durchbruch schaffte. Und er schaffte ihn tatsächlich. Laut Jeff Changs unverzichtbarer Hip-Hop-Chronik „Can’t Stop Won’t Stop“ war er die meistverkaufte 12-Inch-Single, die je produziert wurde.

2. Grandmaster Flash & the Furious Five featuring Melle Mel and Duke Bootee: “The Message” (1982)

Der Song war zwar kein ganz großer Hit, übte jedoch einen enormen Einfluss aus. Teilweise inspiriert durch den Streik im New Yorker Nahverkehr im Jahr 1980, der die U-Bahn für fast zwei Wochen lahmlegte, trug es dazu bei, den Hip-Hop in den Bereich der gesellschaftskritischen Auseinandersetzung zu rücken.

3. Run-DMC: “Sucker MCs”

Run-DMC  eroberte die Rap-Szene 1984 die Rap-Szene im Sturm. Die Band veröffentlichte Song „Sucker MCs“ – die B-Seite ihrer ersten Single „It’s Like That“ – ein stilistischer Meilenstein für den Hip-Hop. Bis dahin rappten Künstler meist zu Disco-Beats, vor allem in der Hoffnung, ihre Songs in Radiosendern für ein schwarzes Publikum unterzubringen. Run-DMC hingegen setzte auf einen reduzierteren Sound und ebnete damit den Weg für eine härtere Rap-Musik, bei der die inhaltliche Botschaft stärker in den Vordergrund rückte.

4. The Beastie Boys: “No Sleep Till Brooklyn” (1986)

Die Beastie Boys waren ein echtes Produkt des New Yorks der 1980er-Jahre – Weiße Punkrock-Kids, die durch DJs und Rapper in den Clubs mit Hip-Hop in Berührung kamen. In „No Sleep Till Brooklyn“ – noch geschrieben, bevor die Beasties ihren großen Durchbruch geschafft hatten – malten sie sich ihr Leben „on the road“ als erfolgreiche Band auf Tour aus. Genau das sollten sie schon bald werden.

5. Public Enemy: “Bring the Noise”

Es war Public Enemy – die selbsternannten „Black Panthers des Rap“ –, die Hip-Hop zu politischer Protestmusik machten. Ihr Gründer, Chuck D (Carlton Ridenhour), unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag beim legendären Def Jam Label kurz nach seinem Abschluss an der Adelphi University im Jahr 1984. Als er und seine Crew 1987 ihr erstes Album „Yo! Bum Rush the Show“ veröffentlichten, zeigte das Logo der Band die Silhouette eines Schwarzen im Fadenkreuz einer Schusswaffe. Der Song „Bring the Noise“ ist auf dem Soundtrack der Verfilmung des 1980er-Jahre Kultromans „Less Than Zero“ von Brett Easton Ellis’

6. Boogie Down Productions: “South Bronx”

Dieser Hit aus dem Jahr 1987 war eine Ode an die South Bronx, dem Ort, an dem alles begann – und zugleich eine Antwort auf die Behauptung eines konkurrierenden Rappers, Hip-Hop habe seinen Ursprung nicht dort, sondern in den Queensbridge Houses Sozialwohnungskomplex in Queens. („Du glaubst also, Hip-Hop hätte in Queensbridge seinen Anfang genommen? / Wenn du so einen Mist in der Bronx erzählst, überlebst du das womöglich nicht.“)

7. Public Enemy: “Fight the Power” (1989)

Als der junge Filmemacher Spike Lee aus Brooklyn seinen Film „Do the Right Thing“ drehte – der später Kultstatus erlangen sollte –, stellte er sich vor, dass eine der Charaktere, Radio Raheem, während des gesamten Films denselben Song auf seinem riesigen Ghettoblaster abspielen würde. Er bat Public Enemy, diesen Song zu produzieren. Nach der Veröffentlichung „Do the Right Thing“ im Sommer 1989 war er überall in der Stadt und dem Rest der Welt zu hören. Spike Lee führte auch beim zugehörigen Musikvideo Regie. Drehort waren die gleichen Straßen von Bedford-Stuyvesant, einem Stadtviertel in Brooklyn, wo auch der Film gedreht wurde.

8. A Tribe Called Quest: “Can I Kick It?” (1989)

A Tribe Called Quest markierte eine weitere Kursänderung für den Hip-Hop zu Beginn der 1990er Jahre. Die Songs der Gruppe waren vielschichtig und griffen stark auf Jazz-Samples zurück; zudem war die Formation Teil des Kollektivs „Native Tongues“, das dem Rap eine positivere, afrozentrische Ausrichtung verleihen wollte. Der 1989 aufgenommene Titel „Can I Kick It?“ beginnt mit einem langen Sample aus Lou Reeds „Walk on the Wild Side“. Zudem enthält er eine markante Anspielung auf das damalige Rennen um das Bürgermeisteramt von New York, in dem Rudy Giuliani gegen David Dinkins antrat – jenen Mann, der kurz nach der Aufnahme des Songs New Yorks erster schwarzer Bürgermeister werden sollte. („Mr. Dinkins, würden Sie bitte mein Bürgermeister sein? Sie würden uns damit einen riesigen Gefallen tun.“)

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