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Vor 45 Jahren, im Juli 1977, kam Franz Beckenbauer zu den New York Cosmos

von Erol Inanc
Gründer New York Aktuell
09-07-2022

New York Cosmos 1977 – Foto NY Cosmos Archive

Vor 45 Jahren, im Juli 1977, kam Franz Beckenbauer nach New York, um für die legendären Cosmos zu spielen.

Das ist die Geschichte des ‘Kaisers’ in New York; und die vom schnellen Aufstieg und Fall seines Vereins.

Die Fußball WM 1966 fand in den USA ein weit größeres Publikum als erwartet. Eine Million Amerikaner schalteten während des Turniers ihren Fernseher ein, um die Spiele aus England zu sehen. Viele in den USA sahen dies als Zeichen, dass es einen unerschlossenen Markt für Fußball in Amerika gab.

Schon im Jahr darauf wurde eine Liga mit 22 Clubs, die ‘North American Soccer League’ (NASL), ins Leben gerufen und von CBS mit einem TV Vetrag ausgestattet. Football Stadien wurden angemietet und die nötigen Spieler schnell aus dem Ausland geholt.

Der erhoffte Erfolg stellte sich aber nicht ein. Nur wenige Amerikaner konnten mit der doch noch fremden Sportart und den ihnen unbekannten, fast nur ausländischen Spielern, etwas anfangen. Nach der Saison 1968 wurde der TV-Vertrag gekündigt und alle bis auf 5 Teams lösten sich auf.

Liga gibt nicht auf  

Die NASL war trotzdem entschlossen, weiter zu machen. Um ein Mindestmaß an Teams zu haben, nahm die Liga zwei semiprofessionelle Mannschaften hinzu. Die auf Sparflamme betriebene NASL zeigte sich dann überlebensfähig. Durchschnittliche Zuschauerzahlen stiegen von 1969 bis 1974 von 2.930 auf respektable 10.000. Das Championship Spiel 1974 zwischen den Los Angeles Aztecs und den Miami Toros wurde das erste amerikaweit übertragene Fußballspiel seit sechs Jahren.

Es sah nicht schlecht aus und man konnte auf mehr hoffen.

New York Cosmos kommen in die Liga

1967 wurde das legendäre ‚Atlantic Records‘ Musiclabel vom Entertainment Konglomerat Warner Brothers gekauft. Nesuhi Erutgün, Bruder und Partner des Gründers Ahmet und wichtiger Erfolgsfaktor in der Firma, war zwei Jahre später daran Atlantic zu verlassen, um sein eigenes Label zu gründen. Der Boss von Warner Brothers, Steve Ross, wollte ihn unbedingt halten und bot ihm dafür Hilfe bei der Verwirklichung eines Herzenswunsch an – die Gründung eines Fußballclubs in New York.

Franz Beckenbauer 1977 – Foto NY Cosmos Archive

1971 war es dann soweit und die neuen ‘New York Cosmos‘ traten der NASL bei. Wie die anderen Teams waren auch die Cosmos ein bunter Haufen, zusammengesetzt aus amerikanischen Semi-Profis, alternden oder zweitklassigen ausländischen Akteuren und was sich sonst noch an halbwegs brauchbaren Spielermaterial finden ließ.

‘Amerikanisierung’ der Fußballregeln

Anfang der 1970er Jahre setzte sich bei der Liga das Denken durch, dass mehr Scoring und Action gebraucht würden, um mit den anderen Sportarten mithalten zu können. Die Liga experimentierte mit einigen Änderungen, die helfen sollten. Manche existierten nur kurz, bevor sie wieder verworfen wurden. Hier ein paar Beispiele:

  • Anzeige von Spielzeit im Countdown-Format
  • Abseitsregel greift erst 32 m vorm gegnerischen Tor, statt an der Mittellinie
  • 6 Tabellenpunkte für einen Sieg – 0 Punkte für Unentschieden
  • Tabellen-Bonuspunkte für jedes Tor, bis zu einem Drei-Tore-Maximum pro Spiel. Teams, die bei traditioneller Zählung nicht genug Punkte hätten, konnten sich so mit entsprechend vielen Toren für die Playoffs qualifizieren, was auch ein paar Mal passierte
  • Abschaffung von Unentschieden. Bei Gleichstand nach 90 Minuten gab es ‘Shootouts’, um das Spiel zu entscheiden. Der Torwart stand auf seiner Grundlinie, der Schütze 32 m von ihm entfernt. Beide konnten sich nach dem Anpfiff 5 Sekunden vollkommen frei bewegen, bevor geschossen werden musste. Der Torwart durfte überall, also auch außerhalb des 11 m Raums, seine Hände einsetzen. Hier ein Video eines Shoot Outs. NY Cosmos – Washington Diplomats 1980

Verpflichtung von Pelé am 10. Juni 1975 lässt die Fußballwelt Kopf stehen

Pelé nachdem er 1977 mit den Cosmos den Soccerbowl (Meisterschaft) gegen die Seattle Sounders in Portland, Oregon, gewann – Foto New York Cosmos Archive

Schon seit der Gründung der Cosmos gab es den Traum, den brasilianischen Fußballgott Pelé nach New York zu holen. Erst als Steve Ross sich 1975 bereit erklärte, tief in die Tasche zu greifen, konnte man sich aber an die Verwirklichung machen.

Im Februar 1975 traf eine Delegation der Cosmos den Brasilianer in seiner Heimat, um ihn davon zu überzeugen, für ihren Club zu spielen. Man konnte ihm 4.5 Millionen Dollar für 2 Jahre zahlen. Eine astronomische Summe und mehr Geld als er in seiner ganzen vorigen Karriere verdient hatte. Vielleicht noch wichtiger: Pelé konnte seinem Sport die erste große Bühne in den USA geben.

Franz Beckenbauer, Pelé und Giorgio Chinaglia – Foto New York Cosmos Archives

Der dreimalige Weltmeister sagte zu und unterschrieb am 10. Juni 1975  seinen Vertrag im legendären 21 Club in Manhtatan (gibt es auch heute noch). Ekstatische Medien aus ganz Amerika und dem Rest der Welt waren anwesend und verfolgten von nun an fast jeden Schritt des Fußballkünstlers.

Die unglaubliche Anzahl von 10 Millionen Amerikaner schalteten fünf Tage später den Fernseher an, um Pelés Debütspiel zu sehen (2:2 gegen Dallas Tornado). Die Cosmos Mitarbeiter mussten vorher schnell improvisieren. Als der Platzwart am Vortag erfuhr, dass die Begegnung landesweit übertragen werden würde, ließ er den ausgetrockneten, kargen Rasen im dem kleinen Downing Stadium kurzerhand mit grüner Farbe besprühen. Die Cosmos zogen bald danach ins Giants Stadium um.

Nach der Ankunft Pelés wurde der Club schnell zu Lieblingen bei Boulevardpresse und Promis. Das Team war als erste Fußballmannschaft stark in den Sportseiten der Zeitungen vertreten und Berühmtheiten wie Mick Jagger, Henry Kissinger, Robert Redford und Steven Spielberg erschienen zu Begegnungen. Cosmosspieler wurden oft im Studio 54 in Manhattan gesichtet, zu der Zeit sicher die angesagteste Disco der Welt.

Pelé, Mick Jagger und Ahmet Eretgün – Foto New York Cosmos Archive

Nach Pelé kamen auch noch andere große Namen nach New York. Darunter waren Carlos Alberto Torres (33) aus Brasilien und natürlich “Der Kaiser” Franz Beckenbauer, der 32 war. Lazio Rom Star Giorgio Chinaglia (29) war der einzige Weltklassespieler, der in seiner Blüte zu den Cosmos kam. Auch andere NASL Teams verpflichteten Stars von Weltrang, wie Johann Cruyff (32, Los Angeles Aztecs) und Eusebio (34, Las Vegas Quicksilvers).

Niedergang und Ende der Cosmos und der NASL

Die Cosmos gewannen 1977 das erste Mal den ‚Soccer Bowl‘, wie die NASL ihre Meisterschaft nannte. Das war auch das Jahr, in dem Pelé in den Ruhestand ging.

Pelé nach seinem Abschiedsspiel am 1. Oktober 1977 – Foto New York Cosmos Archive

Ohne Pelé verschwand die Fußballbegeisterung dann fast schon so schnell, wie sie gekommen war. Innerhalb von ein paar Jahren gingen die Zuschauerzahlen stark zurück und die Medien verloren das Interesse. Die Cosmos sollten den Soccer Bowl noch drei Mal gewinnen, aber der letzte Sieg 1981 wurde nicht einmal mehr live im TV übertragen. 4 Jahre später gab es weder Team noch Liga mehr.

Es gibt eine sehenswerte Doku zu den New York Cosmos ‘Once in a Lifetime’ (dt. Titel ‘Fußball vom anderen Stern – Die Geschichte von Cosmos New York). Hier der Trailer:

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