US-Staatsanwälte werfen dem 64-jährigen Lu Jianwang vor, eine geheime chinesische Polizeistation mit Spionageposten in Chinatown in Manhattan betrieben zu haben; dort soll er Befehle aus Peking entgegengenommen haben, um pro-demokratische chinesische Dissidenten in den USA zum Schweigen zu bringen, zu belästigen und einzuschüchtern.
Lu ein Einwanderer aus China, der seit mehreren Jahrzehnten US-Bürger ist, begann am Mittwoch vor einem Bundesgericht in Brooklyn der Prozess – mehr als drei Jahre, nachdem das FBI, veranlasst durch den Tipp einer Organisation, die Chinas grenzüberschreitende Repressionen überwacht, am 3. Oktober 2022 den mutmaßlichen Außenposten durchsucht hatte. Dort soll unter anderem ein Banner mit der Aufschrift „Übersee-Dienststelle der Polizei Fuzhou, New York USA“ sichergestellt worden sein.
Bereits am darauffolgenden Tag, so erklärte Staatsanwältin Lindsey Oken, habe Lu gegenüber FBI-Agenten eingeräumt, dass er die Stelle für die chinesische Regierung eingerichtet habe, dass er über die App Wechat Kontakt zu seinem Führungsoffizier gehalten habe und dass er diese Nachrichten gelöscht habe.
Lu und sein Mitangeklagter – Chen Jinping, der sich bereits schuldig bekannt hat – richteten die geheime Station laut Staatsanwaltschaft ein, nachdem sie an einer Feier in ihrer gemeinsamen Heimatprovinz Fujian teilgenommen hatte, bei der das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit die Eröffnung von 30 solcher geheimer Polizeistationen weltweit bekannt gegeben hatte.
Lus Verteidiger argumentieren, es habe sich lediglich um ein Gemeindezentrum gehandelt – und um nichts weiter – in dem Mitglieder der chinesischen Diaspora inmitten der Reisebeschränkungen der COVID-19-Pandemie ihre chinesischen Führerscheine aus der Ferne verlängern und sich zum Tischtennis- oder Mahjongspielen treffen konnten.