New York 360

Brownstones – Hintergründe zu den ikonischen New Yorker Stadthäusern

Brownstones in Brooklyn – Foto Helen Ebb

Es gibt kaum einen Baustil, der mehr zum Charakter New Yorks beiträgt als die Brownstones. Für Besucher sind sie oft architektonische Highlights und selbst Menschen, die noch nie hier waren, kennen sie aus vielen Filmen und TV-Serien, wie der Cosby Show, Sex and the City und vielen anderen.

Brownstones haben eine reiche und interessante Geschichte. In einem Vortrag von Denkmalschützer Michael Devonshire und Bauunternehmer Jack Pontes, dessen Firma sich auf die Restauration von Brownstones spezialisiert, konnte ich einiges darüber lernen.

Der Brownstone, der den Gebäuden den Namen gibt, ist eine Art von Sandstein, der aber nicht immer braun sein muss. Die Farbe variiert je nach Steinbruch und auch innerhalb eines Steinbruchs gibt es verschiedene Färbungen. Der Stein kann auch rosa, rot-orange oder leicht lila im Farbton sein.

Brownstones in Manhattan – Foto Helen Ebb

Während der Blütezeit des Brownstonebaus – den 1870er bis in die 1890er Jahre – wurde der Stein gerne verwendet, weil er im Nordosten Amerikas, wo auch New York liegt, im Überfluss vorhanden war. Der meiste Stein kam aus Portland, einem Ort in Conneticut. “Der Transport war einfach, man konnte den Stein entlang des Connecticut River verschiffen” erklärt uns Michael Devonshire.

Trotz des Namens bestehen Brownstones zum Großteil aus Ziegeln. „Nur die Außenelemente wie Fassade, Fensterbänke, Türumrandungen, Stürze (Abdeckungen von Maueröffnungen) und natürlich die ikonischen Treppenaufgänge sind normalerweise aus Brownstone”, so Pontes.

Die meisten der anspruchsvolleren Handwerksarbeiten, wie Steinschneiden und Schnitzen, wurden von deutschen Einwanderern verrichtet. Der Verfasser eines New York Times Artikels aus dem 19. Jahrhundert beschreibt, wie die Handwerker unter heute unvorstellbaren Bedingungen arbeiten mussten, meist abgemagert waren und oft stark husteten. Der Autor staunte über die “überraschende Perfektion der Arbeit”, die unter den harschen Konditionen vollbracht wurde.

Brownstones in Brooklyn – Foto Helen Ebb

Heute gehören Brownstones zu den begehrtesten Immobilien in New York und können Millionen kosten. Es wird auch oft viel Geld in die Restauration gesteckt.

“Vor nicht allzu langer Zeit hat meine Firma Außenarbeiten an einem Brownstone in Brooklyn vorgenommen, unter anderem restaurierten wir alles, was aus Brownstone war, aber auch andere historische Teile, wie die Fenster oder die Blechgesimse. Die Kosten waren 700.000 Dollar”, berichtet Pontes. „Der schwierigste Teil solcher Arbeit ist den Farbton des Brownstone zu treffen. Ich habe eine eigene Formel entwickelt, mit einem großen Prozentsatz an zerkleinertem Stein.”

Warum gibt es die ikonischen Treppenaufgänge?

Man weiß nicht mit Sicherheit, warum die Aufgänge, genannt Stoops, Standardteil der Brownstones wurden. Es gibt zwei Erklärungen, die sich nicht ausschließen und vielleicht beide zum Teil richtig sind.

Die Treppenaufgänge von Brownstones prägen das Stadtbild – Foto Helen Ebb

Ein möglicher Grund für die Stoops ist der Pferdemist, der sich in leerstehenden Parzellen bis zu 20 m hoch stapelte. “Er säumte die Straßen der Stadt oft wie Schneebänke“, so Devonshire. „Im Sommer stank er buchstäblich zum Himmel. Bei Regen überschwemmte ein Strom aus Dung und Dreck die Gehwege und sickerte in die Keller.”

Eine andere Erklärung ist etwas ‘herrschaftlicher’. Da es in New York, im Gegensatz zu anderen Städten, keine Gassen zwischen den Häusern gab, und so der Platz für Nebeneingänge fehlte, mussten Dienstpersonal, Lieferanten oder Handwerker das Haus durch den Haupteingang betreten – keine beliebte Option für die wohlhabenden Besitzer. Ein Stoop schuf die Möglichkeit, einen tiefer gelegen Eingang anzubringen, durch den die ‚einfachen Leute‘ das Haus betreten konnten.

Brownstones in Harlem – Foto Helen Ebb

Wenn Sie mal in New York sind und schöne Brownstones sehen wollen, besuchen Sie Manhattans Upper West Side oder das Park Slope Viertel von Brooklyn.

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