So funktioniert New York

Wolkenkratzerbau in New York – ohne Mohawk Indianer nur schwer vorstellbar

Lunch atop a skyscraper – Rockefeller Center – Charles Ebbets – 1932

In der Pionierzeit des Wolkenkratzerbaus in den 1920er und 1930er Jahren wurde zu Bedingungen gearbeitet, die heute kaum mehr vorstellbar sind. Gurte, Helme und andere Absicherungen waren so gut wie unbekannt und man konnte Arbeiter sehen, die sich über Stahlträger in großer Höhe bewegten, die oft keine 30 Zentimeter breit waren.

Das bekannte Foto “Lunch atop a Skyscraper”, das 1932 beim Bau des Rockefeller Centers entstand, fängt diese Zeit perfekt ein. Elf Arbeiter sitzen hunderte Meter hoch auf einem Stahlbalken und machen so entspannt Mittagspause, als ob sie auf einer Bank sitzen. Millionen haben das Bild über die Jahre gesehen, was aber nur die wenigsten wissen – vier der Männer waren Mohawk Indianer ohne die der Bau von Wolkenkratzern in New York nur schwer vorzustellen wäre.

Ein Stahlarbeiter repariert 1950 die TV Antenne auf dem Empire State Building

Die wichtige Rolle der Indianer beim Bau der höchsten Gebäude in New York hat ihre Anfänge in Kanada. 1886 schloss die ‘Dominion Bridge Company of Canada’ sich an, eine eisenbahntaugliche Brücke über den St. Lawrence River zu bauen, an einer Stelle, an der der Fluss an Montreal vorbeifließt. Das Land auf der anderen Seite der geplanten Brücke war Teil des Kahnawake Indianerreservats, in dem Mohawks lebten. Für ihre Zustimmung verlangten die Indianer Arbeitsplätze. Die Firma bildete Mohawks aus, die sich als aüßert geschickte Arbeiter erwiesen. Die talentierten Kletterer spezialisierten sich nach und nach auf die Vernietung von Stahlträgern – eine der anspruchvollsten, gefährlichsten aber auch best bezahlten Tätigkeiten im Bau.

1907 kam es zu einer Tragödie, als eine neue Spanne der Brücke während des Baus zusammenfiel. 96 Männer starben, darunter 33 Mohawks, etwa die Hälfte aller Stahlarbeiter, die im Kahnawake Reservat lebten. 24 Frauen wurden Witwen und 56 Kinder verloren ihre Väter. Zeitungsartikel aus der Zeit veröffentlichten die Namen von Opfern, jedoch wurden die Toten Indianer nicht mit aufgezählt.

Aber die Indianer ließen sich nicht abschrecken. Statt zu fallen, stieg die Zahl der Eisenarbeiter unter ihnen sogar rasant an. Ein Jahrzehnt später waren fast 10 mal soviele Mohawks im Stahlbau beschäftigt, viele kamen mittlerweile auch aus dem Akwesasne Reservat. Um 1920 herum waren 90% der arbeitsfähigen Männer in der Branche tätig und sie wurden auch dringend gebraucht – besonders in New York. Dort gab es in dieser Zeit einen gewaltigen Bauboom. Empire State Building, Chrysler Building, Rockefeller Center und George Washington Bridge sind nur einige Großprojekte aus dieser Zeit, bei dem Mohawks mitarbeiteten.

Die beiden Reservate aus denen die indianischen Stahlarbeiter kamen

Die Tradition der Mohawks im Stahlbau setzte sich über die Generationen fort. 200 der 500 Stahlarbeiter beim Bau des ersten World Trade Centers (1968 – 1972) waren Mohawks. Die Anschläge des 11. September 2001 gingen den Stammesangehörigen dann auch entsprechend nah – arbeiteten doch Väter und sogar Großväter bei der Errichtung der Türme mit. Zusammen mit vielen anderen Menschen halfen die Mohwaks verletzten Opfern, suchten nach Überlebenden und räumten Wrackteile. Mohawk-Eisenarbeiter waren dann auch Teil der Crews, die ’One World Trade Center‘ bauten, das vor fünf Jahren fertiggestellt wurde. Es ist mit über 540 Meter das höchste Gebäude der USA.

Mohawk Stahlarbeiter Steven Cross 2012 – beim Bau von One World Trade Center – Foto Silverstein Properties

Bei der Eröffnung der Ausstellung “Booming Out: Mohawk Ironworkers Build New York“ vor einigen Jahren im Smithsonian Institute in Washington wurde Karonhiaktatie Beauvais, Mohawk Stahlarbeiter in der sechsten Generation, gefragt, warum so viele Mitglieder seines Stammes diesen Beruf ergreifen. “Es ist gut bezahlt, aber wichtiger ist, dass wir stolz auf diese Arbeit sind, die unsere Leute nun seit weit über 100 Jahren machen und wir sind gut dafür geeignet. Nicht weil wir irgendwelche übernatürlichen Kräfte haben, wie manche Leute glauben. Dass das nicht stimmt, sieht man schon an vielen von uns, die bei der Arbeit gestorben sind. Wir sind auch nicht furchtlos, aber Ich glaube es ist die Fähigkeit, die Angst zu kontrollieren, die uns speziell macht.“

Mohawk Stahlarbeiter Jay Jacobs und Sparky Rice Walking Iron, Park Avenue ca. 1970 via The Smithsonian

Durch verbesserte Wirtschaft auf den Reservaten und den hohen Lebens- haltungskosten in New York zieht es in den letzten Jahren weniger Mohawks nach New York, aber immer noch sind 200 der 2000 Mitglieder der Stahlarbeiter- gewerkschaft in New York Stammesangehörige. Wie damals fahren viele am Wochenende immer noch heim nach Kanada!

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