Ministorys

Wie eines der teuersten 5th Avenue Anwesen mit einer Halskette bezahlt wurde

von Erol Inanc
Gründer New York Aktuell
28-09-2022

Im frühen zwanzigsten Jahrhundert galten perfekte Perlen als die wertvollsten Objekte der Welt. Sie strahlten solche Faszination aus, dass der Fund eines besonders schönen Stücks sogar oft in den Zeitungen vermeldet wurde.

Das Cartier Building – Foto Paul Konz

Der Juwelier Pierre Cartier stellte 1916 die seiner Meinung nach wertvollste Perlenkette der Welt in sein New Yorker Showroom. Das Schmuckstück bestand aus zwei Reihen mit 55 und 73 perfekten Perlen und war Schätzungen zufolge mehr als eine Million Dollar wert (nach Inflationsrechner heute über 23 Mio.) Die Kette wurde zu einer Sensation und Bewunderer kamen aus Nah und Fern, um sie zu sehen – darunter auch die 31-jährige Maisie Plant. Sie war entzückt von der Schönheit der Kette, behauptete aber, sie sich nicht leisten zu können.

Maisie Plant trägt die legendäre Halskette

Maisie’s Ehemann war der 64-Jährigw Morton Plant, ein Finanzier, der aus einer reichen Eisenbahnerfamilie stammte. Das Paar wohnte in einem Anwesen an der 5th Avenue, Ecke 52 Straße, bekannt als die Plant Mansion.

Pierre Cartier hatte schon länger ein Auge auf den fünfstöckigen herrschaftlichen Wohnsitz geworfen, weil er ihn als idealen Standort für einen Juwelierladen sah. Er wusste auch, dass Morgan seiner 33 Jahre jüngeren Frau alle Wünsche von den Augen ablas (sehr zum Entsetzen seiner erwachsenen Kinder, die den Verdacht hatten, dass ihre neue Stiefmutter es vor allem auf sein Geld abgesehen hatte).

Als Cartier hörte, dass der Finanzier sich mit dem Gedanken trug die Plant Mansion zu verkaufen, weil die Fifth Avenue ihren Wohncharakter verloren habe, machte der Juwelier ihm ein Angebot. “Gib mir dein Anwesen, und du bekommst die Kette von mir.” Zum Glück für Maisie nahm ihr Mann den Vorschlag an und Schmuckstück und Schlüssel zum Anwesen wurden ausgetauscht. Die Werte beider Objekte waren ähnlich, aber es ist gut möglich, dass die Kette zum Zeitpunkt der Transaktion sogar ein gutes Stück mehr wert war.

Am 23. Januar 1957 versteigerte das Auktionshaus Parke-Bernet die beiden Halsketten aus dem Nachlass von Mrs. Plant, die wieder geheiratet hatte und zuletzt Mrs. John E. Rovensky war. Die Ketten wurden als Zwei Stücke verkauft (unten sehen Sie Seiten aus dem Auktionskatalog). Zusammen brachten sie nur 165.000 US-Dollar ein (inflationsbereinigt zurückgerechnet auf 1917 sogar nur $50.000), was ein Bruchteil vom ursprünglichen Preis ist, vor allem weil seitdem die Begeisterung für Perlen abgeflaut war. Die Ketten sind danach nicht mehr öffentlich aufgetaucht.

Cartier ist auch 103 Jahre später noch in der alten Plant Mansion ansässig. Das Gebäude ist heute als Cartier Building bekannt.

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