Gesellschaft + Politik

Große Kontroverse um E-Bikes und Scooter in New York

Essensauslieferer in Manhattan auf E-Bike – Foto Yang Yung

Die Nutzung von E-Bikes und E-Scootern stieg in den letzten Jahren in Städten auf der ganzen Welt rasant an. In New York sind die E-Gefährte derzeit illegal und die Bewohner sind recht geteilter Meinung, ob sich das ändern soll. Manche halten die Zweiräder für eine wichtige, zukunftsweisende Transportoption, die der Autobelastung entgegenwirkt. Andere verbinden Chaos auf Straßen und Gehwegen mit ihnen, die Gefahren für Leib und Leben von Fußgängern und andere Verkehrsteilnehmern bergen.

Trotz des Verbotes sind Schätzungen zufolge aber schon um die 40.000 E-Bikes in New York unterwegs. Sie werden zum allergrößten Teil von Auslieferern benutzt. Beim Löwenanteil dieser Lieferungen handelt es sich um Essen, das von Restaurants zu Leuten nach Hause gebracht wird. In dieser Branche sind die Räder mittlerweile so verbreitet, dass Kunden davon ausgehen können, dass ihre Pizza oder ihr chinesisches Essen (übrigens extrem populär in NY) per E-Bike transportiert wurde.

Obwohl sie mittlerweile Teil des Straßenbildes sind, bleiben die Räder aber verboten. Gegen Nutzer können Geldstrafen von bis zu 500 Dollar verhängt werden, auch für die Beschlagnahmung der Bikes hat die Polizei eine Berechtigung. (Bei diesen eklatanten Strafen liegen jedoch in der Regel auch Verstöße gegen die Verkehrsregeln vor, es geht also fast immer um mehr als das reine Fahren der Bikes.)
An der Frage, ob E-Bikes legalisiert werden sollen, scheiden sich die Geister.

E-Scooter auf Bürgersteig in Denver – so etwas soll es zumindest in Manhattan nicht geben – Foto Denver Post

Gruppen wie ‚Transportation Alternatives’, die sich für geringere Autonutzung einsetzen, wollen Gesetze, die den Betrieb der Räder erlauben. “Die E-Bikes sind eine umweltschonende Transportoption. Sie sind klein, wendig, einfach zu verstauen und so ideal für eine platzarme Stadt wie New York”, so Danny Harris von der Organisation. „Sie helfen jetzt schon, das Leben vieler tausender schwer arbeitenden Auslieferer zu erleichtern. Diese Leute, fast alles Einwanderer, verdienen sich ihr Geld hart. Dank der E-Bikes fallen sie nicht mehr ganz so erschöpft ins Bett. Statistiken werden verdreht, um die sie möglichst gefährlich erscheinen zu lassen.“

Gegner halten die Räder aber für wirklich gefährlich. Dieses Jahr gab es auch schon fünf Unfälle mit Todesopfern, in die die E-Bikes verwickelt waren. Ein Vorfall im Spätsommer, in dem ein E-Bike Fahrer starb, nachdem er mit einem älteren Mann im Central Park kollidiert war, rief besonders viel Medieninteresse hervor (der alte Mann überlebte zum Glück).

Während die E-Bikes, trotz Verbots, überall zu sehen sind, stehen keine Mietscooter auf den Gehwegen der Stadt. Der Hauptgrund ist wohl, dass diese von Unternehmen bereitgestellt werden, die das Gesetz nicht im großen Stil brechen können. Die Vermieter glauben aber, dass sie in New York dringend gebraucht werden.

“New Yorker fordern E-Scooter – es geht ihnen um kostengünstige, gerechte Transportoptionen, die Staus und CO2-Emissionen reduzieren”, so Paul Steely White von Bird, dem weltweit größten Scooterverleih, in einem Pressestatement.

Crain’s New York, ein Wochenmagazin, das über Wirtschaft und Politik in der Stadt berichtet, veranstaltete Ende Oktober das ‚Future of New York‘ Forum, bei dem sich Experten zu derzeitigen und zukünftigen Verkehrsthematiken austauschen konnten. Hier warnte James Patchett, CEO der New York City Economic Development Corporation, einer Non-Profit-Organisation, die sich für Wirtschaftswachstum in der Stadt einsetzt, vor den Gefahren, die E-Scooter vor allem für Fußgänger darstellen. Er warnte vor eine Atmosphäre wie im wilden Westen, in der zu viele Zweiräder um eine begrenzte Anzahl von Radwegen kämpfen.

Seine Ansichten wurden von einer anderen Teilnehmerin, Tara Pham von Numina, einem Startup, das sich dem Sammeln und Analysieren städtischer Daten widmet, geteilt. Numina wertete Informationen aus anderen Städten zu Verletzungen, die bei Nutzung von E-Scootern erlitten wurden, aus. Das Ergebnis war, dass die Geräte tatsächlich gefährlich sind.

Rohit Aggarwala von Sidewalk Labs (Bürgersteiglaboratorium), einer ‘Denkfabrik‘, die sich mit Fragen des urbanen Lebens beschäftigt, nannte die Mietroller auf Gehwegen ‘Beschlagnahme öffentlichen Raums durch private Interessen’. „Bürgersteige sind das Herz einer Stadt. Wen jemand mit Ihnen Geld verdient, dann sollten es die Städte selbst sein, die die Mittel reinvestieren. Das Geschäftsmodel der Vermieter basiert auf kostenloser Nutzung knappen öffentlichen Raums“ ,so Aggarwala.

Seit Monaten liegt in der New York State Legislature (in etwa Landesparlament) ein Gesetztesvorschlag auf Eis, der Elektrofahrräder und Elektroroller mit Geschwindigkeiten zwischen 15 und 20 Meilen pro Stunde (24 bis 32 kmh) generell erlauben soll, aber Kommunen die Möglichkeit gibt, E-Bike- oder E-Scooter-Sharing-Programme nicht zuzulassen. In Manhattan, einer der am dichtest besiedelsten Orte der Welt, soll es von vornherein keine Sharing-Programme geben.

Die E-Scooter Unternehmen geben laut New York Times monatlich weit über 100.000 Dollar für Lobbyisten aus, und sind zuversichtlich, dass die Geräte nächstes Jahr nach New York kommen werden. Andere sind sich nicht so sicher. Sobald es neue Entwickungen gibt, werdet Ihr davon auf NY Aktuell erfahren.

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