New York 360

Der Fahrradboom in New York – durch die Pandemie noch einmal verstärkt

In den letzten zehn oder fünfzehn Jahren gab es einen gewaltigen Boom beim Fahrradfahren in New York. Wäre man hier früher noch als etwas exzentrisch angesehen worden, wenn man zur Arbeit radelt, ist diese sportliche, umweltfreundliche Art, sich fortzubewegen, nicht nur überall salonfähig, sondern liegt im Trend. Erfolgreiche Manager kann man heute genauso auf einem Rad sitzen sehen wie einen Studenten.

Mehr noch sind aber praktische Gründe für den Boom ausschlaggebend. Die U-Bahn hat Probleme, die vor allem durch ihr Alter verursacht werden und die Qualität des Service hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Beim Autofahren gibt es die gleichen Schwierigkeiten wie in anderen Großstädten, darunter verstopfte Straßen und natürlich Parkplatzmangel. Oft ist man auch mit dem Fahrrad schneller.

Foto ß Allen Hoss

In vieler Hinsicht nahm der derzeitige Fahrradboom 2007 seinen Anfang, als Fahrradfreundin Janette Sadik-Khan Chefin des DOT (Department of Transportation, in etwa das New Yorker Verkehrsamt) wurde. Sie hatte klare Vorstellungen. “Wir brauchen Alternativen zum Auto und müssen New York fahrradfreundlicher machen.” Der damalige Bürgermeister Bloomberg unterstützte sie dabei und sein Nachfolger Bill de Blasio führte die fahrradfreundliche Politik fort. 2007 gab es 850 km an Fahrradwegen, vierzehn Jahre später sind es 2000 km, davon 800 km geschützt. Nun gibt es sogar konkrete Pläne Autospuren auf der Brooklyn Bridge und der Queensboro (Ed Koch) Bridge in Fahrradwege umzuwandeln. Vor nicht allzu langer Zeit unvorstellbar.

So soll die Fahhradspur auf der Brooklyn Bridge aussehen – Office of the Mayor

Die Pandemie hat den Trend noch verstärkt, hauptsächlich weil viele New Yorker die U-Bahnen mieden, weil sie Angst hatten, sich anzustecken. Statistiken des DOT zufolge wurden 2020 durchschnittlich 510.000 Fahrradfahrten pro Tag unternommen, gut ein Drittel mehr als 2019, dem Jahr vor COVID. Es wird erwartet, dass viele der neu dazugekommenen Radler weiter radfahren werden, auch wenn der Virus einmal weitgehend überwunden sein sollte.

Für viele der Fahrten werden Citibike Leihfahrräder, die es seit 2013 gibt, genutzt. Es existieren 1000 Leihstationen mit 17.000 Rädern, mittlerweile sind auch E-Bikes darunter.

Cii Bike Station am Union Square in Manhattan

Nicht alle New Yorker sind von der Wandlung zu einer fahrradfreundlicheren Stadt begeistert. Viele Autofahrer, denen Spuren genommen wurden, damit Fahrradwege gebaut werden konnten, beklagen sich darüber, dass der Verkehr gedrängter und chaotischer wurde. Es gibt auch Politiker, die sich fahrradfreundlichen Maßnahmen entgegenstellen, wie etwa David I. Weprin, ein ‘Assembly Man’ (in etwa Landtagsabgeordneter) aus Queens. Er ist gegen die Pläne, auf den Brücken Fahrradspuren einzurichten, da er glaubt, dass dies die Verkehrsprobleme verschlimmern wird, wenn sich New York einmal von der Pandemie erholt hat und wieder mehr Autos auf der Straße sind.

Foto Alan Hoss

Der Zeitgeist begünstigt aber die Pro-Fahrradkräfte und New York wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch fahrradfreundlicher werden.

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