Natur in New York

Wir unterhalten uns mit einem deutschen Freiwilligen im größten Naturschutzgebiet New Yorks

Der Deutsch-Amerikaner Dieter Keppler ist Freiwilliger im Jamaica Wildlife Refuge – Foto Naila Costa

Nicht einmal einen Kilometer vom JFK Flughafen, komplett innerhalb der Stadtgrenzen von New York, befindet sich ein riesiges Naturschutzgebiet, das Jamaica Wildlife Refuge (JWR). Es erstreckt sich auf circa 37 km2, rund 5% der Stadtfläche.

Das JWR ist eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete im Nordosten der Vereinigten Staaten, und schon mehr als 330 Vogelarten wurden hier gesichtet. Das Gelände umfasst sowohl natürliche als auch künstliche Lebensräume. Man findet hier Salzwiesen, Hochlandfelder, Wälder, Süßwasser- und Brackwasserteiche, Marschland und eine Bucht (Jamaica Bay). Neben Vögeln beherbergt das JWR Reptilien, Amphibien, kleine Säugetiere wie Eichhörnchen, Waschbären oder Fledermäuser, über 60 Schmetterlingsarten und große Bestände von Pfeilschwanzkrebsen, einer der ältesten Lebensformen auf unserem Planeten.

Gegründet wurde das Naturschutzgebiet 1951, kurz nachdem zwei Süßwasserteiche auf Rulers Bar Hassock Island (siehe Karte) angelegt wurden – der 1.2 km2 große East Pond und der West Pond, der einen halben Quadratkilometer umfasst. Die beiden Gewässer prägen das Gebiet auch heute noch.

Foto – Jamaica Wildlife Refuge

Der erste Leiter des JWR war der sehr kompetente und fleißige Herbert Johnson. Er hat dafür gesorgt, dass die vielen schon bestehenden Nistplätze erhalten und gute Bedingungen für neue geschaffen wurden, unter anderem, indem er riesige Mengen an Strandgras in das Naturschutzgebiet brachte.

Nicht nur Tieren, auch menschlichen Besuchern bietet das JWR viel. Man kann wandern, Vögel beobachten oder an einer geführten Tour teilnehmen. Die empfindlichen Lebensräume sind von Besuchern durch Kieswege getrennt.

Satellitenfoto vom Jamaica, Wildlife Refuge

Ein großes Naturschutzgebiet, wie das Jamaica Wildlife Refuge, bereitet natürlich viel Arbeit. Viel davon wird von Freiwilligen verrichtet. Einer davon ist der 80-jährige Deutsch-Amerikaner Dieter Keppler, der sich Zeit für ein Gespräch mit New York Aktuell nahm.

Dieter, erzähl uns doch ein bisschen was von Dir.

Ich bin aus Freudenstadt im Schwarzwald. Meine Firma, die Textilmaschinen herstellte, schickte mich 1963 nach Amerika. In dieser Branche verbrachte ich dann auch den Rest meines Berufsleben, bis Anfang der 2000 Jahre viele der Jobs in Ländern wie Indien und China abwanderten. Ich ging dann mit 62 in den Ruhestand.

Wie wurdest Du Freiwilliger im Jamaica Wildlife Refuge?

Nach dem 11. September 2001 hat sich viel verändert in New York. In der Zeit kurz nach den Anschlägen ging ich mit meiner Frau Gloria zu einer kleinen Wanderung im Jamaica Bay Refuge. Ich sah dort einen Aushang, dass Freiwillige gebraucht werden. Meine Frau sagte, dies ist doch was für dich. Ich bewarb mich und wurde kurz danach eingestellt.

Was ist Deine Aufgabe hier?

Ich mache ziemlich alles, für das ich gebraucht werde. Zum Beispiel bauten ein Freund und ich die meisten Vogelhäuser hier und halten sie auch instand. Aber eben auch alles, was sonst so anfällt, bei dem ich mich nützlich machen kann.

Wer kommt in Euer Naturschutzgebiet?

Natürlich viele Leute aus der Region, aber auch Menschen aus dem Rest der USA und der ganzen Welt – interessanterweise besonders viele Deutsche!

Die meisten Leute denken bei New York nicht gerade an Natur und Du hast uns gesagt, dass es viele Menschen überrascht, dass es so etwas wie das Jamaica Wildlife Refuge innerhalb der Stadtgrenzen von New York gibt.

Richtig, fast niemand verbindet New York mit Natur, dabei gibt es nicht wenig hier. Es hat sich sogar einiges Positives getan. Die Wasserqualität hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, vor allem durch Kläranlagen. Und man sieht wieder Wale und Delfine. Das Verbot des Pestizid DDT, das vor allem gegen Moskitos eingesetzt wurde, half vielen Vogelarten.  Das DDT gelangte in die Nahrung der Vögel und führte dazu, dass die Schalen zu dünn wurden, zu früh aufbrachen, was zum Tod vieler Küken führte.  DDT ist heute, zum Glück streng verboten, und das war zum Beispiel ein in wichtiger Faktor, dass wir hier wieder Adler haben, wie zum Beispiel den Fischadler.

Gibt es Tiere im Jamaica Wildlife Refuge, die Dich besonders faszinieren?

Ja, die Pfeilschwanzkrebse, die wir hier Horseshoe Crabs nennen. Sie haben 24 Augen und die Weibchen legen jeden Spätfrühling, im Abstand von vier Wochen, zwei Mal Eier. Die vielen Eier locken Vögel, vor allem Wandervögel, an für die sie eine gute Futterquelle sind. Auch das Zusammenleben der Baumschwalben in großen Gruppen finde ich beeindruckend. Wenn sie einmal ein Vogelhaus in Besitz nehmen, und andere Vögel, sogar Raubvögel ihnen zu nahe kommen, formieren sie sich in Schwadrone und verjagen ihn.

Pfeilschwanzkrebs (Horseshoe Crab) – Foto Shutterstock

Das FBI kam einmal zu Euch. Was hat es damit auf sich?

Ja, es gab diesen Mann, der glaubte, dass das jüngste Gericht kurz bevorstand. Er legte an vielen Stellen bei uns geheime Lager mit versiegelten Aktenkoffern an. Das FBI bekam Wind davon und kam bei uns vorbei. Es stellte sich heraus, dass nur Fahrradteile in den Koffern waren, die er dann wohl rechtzeitig zum Weltuntergang zusammenbauen wollte. Er machte dies übrigens auch in anderen abgelegenen Gebieten in den ganzen USA.

Danke für das Gespräch und deine wertvolle Arbeit hier, Dieter!

Vielen Dank an Naila Costa für die Arbeit an diesem Artikel!

eny-image