
Zohran Mamdani, der sich selbst als ‚demokratischen Sozialisten‘ bezeichnet, ist seit 1. Januar Bürgermeister der Stadt New York.
In den Monaten vor der Wahl beschworen Teile der Presse, politische Kontrahenten und Vertreter des Big Business, darunter mehrere sendungsbewusste Milliardäre, die New Yorker den 34-Jährigen auf keinen Fall zu wählen. Der Stadt drohe sonst Chaos und Zerfall. Investments würden stoppen, Immobilienpreise abstürzen, Firmen- vor allem aus dem Finanzsektor und reiche New Yorker die Stadt en masse verlassen – als Ziel werden oft Miami und andere Teile Südfloridas genannt – was zu einer Krise bei den Steuereinnahmen und mehr Niedergang führen würde.

Manche Milliardäre geben sich nach Mamdanis Amtsantritt brüskiert. Während der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen des gewaltigen Immobilienkonglomerats Vornado Realty Trust beklagte sich CEO Steven Roth, dass der Ruf ,Tax the Rich‘ (Besteuert die Reichen) voller Wut und Verachtung ausgespuckt würde und genauso hasserfüllt sei wie manche „widerlichen rassistischen Beleidigungen“. Multimillionäre und Milliardäre seien viel mehr der Inbegriff des amerikanischen Traums, die größten Arbeitgeber und Steuerzahler und bedeutendsten Philanthropen. Ihnen sollten mehr Lob und Dank, statt Kritik entgegenschlagen. Einer ähnlichen Meinung ist Finanzmagnat Ken Griffin, Besitzer des teuersten Apartments der Stadt (238 Mio. USD), der im Moment an dem Büroturm 350 Park Avenue arbeitet, der mit einer Dachhöhe von 488 m das höchste Gebäude New Yorks werden würde. (Das World Trade Center hat 417 m Dachhöhe, aber misst mit Antennenturm 541 m.)



Big Business bleibt nicht nur, sondern investiert weiter gewaltig. So hat der Immobilienentwickler RXR Pläne für den 6.5 Mrd. teuren, 481 Meter hohen Büroturm 175 Park Avenue bei der Stadt eingereicht.
„Die Nachfrage in New York ist da“, sagte RXR-CEO Scott Rechler gegenüber Bloomberg News „Ich hatte vor Kurzem ein Treffen mit Maklern, die mit Finanzdienstleistern zusammenarbeiten; sie berichteten mir, dass ihre Kunden so rasant wachsen, dass sie – sobald ihre Mietverträge auslaufen – stets mehr Fläche benötigen, als sie derzeit belegen.“
Die Zahl der Beschäftigten im New Yorker Finanzsektor in der Stadt hat einen Rekordstand erreicht. Auch Ken Griffin, der mit dem Stop seines Megaprojekts 350 Park Avenue drohte, arbeitet fleißig daran, weiter.

Einige große Finanzfirmen verlegen ihre Sitze tatsächlich in andere Städte und Regionen oder verstärken ihre Präsenz dort. Konkurrent ist vor allem der Raum Miami. Die Stadt, die in Sachen Lifestyle einiges zu bieten hat, war auch einmal in Sachen Kosten deutlich unter New York. Durch den Erfolg der Region ist diese Rechnung aber nicht mehr so einfach, wie sie mal war. Miami zeigt bereits jetzt die typischen Wachstumsschmerzen, die mit einem begrenzten Angebot einhergehen – sei es bei Gewerbeimmobilien (deren Preise mittlerweile fast das Niveau von Manhattan erreichen) oder bei anderes Sachen, die den Reichen wichtig sind, zum Beispiel Privatschulen.
Der Finanzsektor wächst anderswo, aber nicht zum Nachteil von New York. Für Business bietet unvergleichlichen Zugang zu riesigen Kapitalreserven und einem tiefen Pool an Talent.

Als großem Nachteil von New York sehen viele Ultrareichen eine höhere Steuerlast im Vergleich zu anderen Teilen der USA an. Dass das nicht so schlimm ist, wie die Multimillionäre oder Milliardäre oft beklagen, wird klar, wenn man weiß, dass die gesamten Abgaben dieser Elite in den USA unter 20% liegt und nur ein Bruchteil davon lokale Steuern sind.


Zieht man dafür irgendwo hin, wo man es nicht ganz so gut gefällt? Anscheinend nicht, denn Preise für Privatimmobilien sanken nicht unter Mamdani, wie vielerorts vorhergesagt, sondern erlebt laut dem neuesten Daten von Olshan Realty, einer Firma, die sich auf Erfassung von Verkäufen im Luxussegment erfasst, sein bislang stärkstes Jahr: Bislang wurden 135 Kaufverträge für Eigentumswohnungen, Genossenschaftswohnungen und Stadthäuser mit einem Preis von 10 Mio. USD und mehr unterzeichnet. Zu dem Ergebnis, dass es wenn überhaupt, nur einen winzigen Nettoverlust an Superreichen gibt, kommt auch das NGO Fiscal Policy Institute, das umfangreiche Recherchen zu dem Thema anstellte.

Warum sollten sie auch fliehen? Für das persönliche Leben hat kaum eine Metropole der Welt hat Menschen mit Geld so viel zu bieten. Exklusiven Privatschule, ausgesuchte Kulturangebote, erlesene Restaurants, eine Shoppingszene, die zu den besten der Welt gehören, die Möglichkeit soziale Kontakte auf höchsten Ebenen zu knüpfen. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Zwischenzeitlich haben manche Milliardäre ihren Ton über Mamdani geändert. Gutes Beispiel ist der Hedge Fonds König Bill Ackman. Sagte er vor der Wahl noch, dass es eine Frage von Tod oder Leben ist, Mamdanis Wahl zu verhindern, bietet er dem jungen Bürgermeister jetzt an ‘sich immer zu melden wenn, er Hilfe brauche. Wir alle spielen ja letztendlich alle für das Team New York.” Es gab auch schon persönliche Treffen zwischen Mamdani und Jamie Dimon, Chef von JP Morgan Chase der größten Bank der USA und Wall Street Größe David Solom. Auch Jeff Bezos, der mehrere von Mamdanis Pläne scharf kritisierte, sagt jetzt seine Unterstützung zu.

Was sich für Mamdani vielleicht eher zum Problem werden könnte, ist, wenn seine eigene linke Wählerschaft das Gefühl bekommt, dass er den Milliardären zu nahe kommt und seine politischen Versprechen nicht einlöst. Ein Beispiel, an dem einiges abgelesen werden kann, sind die stockenden, unklaren Pläne, Wohnungen, die mehr als 5 Mio. USD wert sind und nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden, besonders zu besteuern. Wenn er als Milliardärsschreck eine solche Maßnahme nicht durchbekommt, könnte es ein schlechtes Zeichen sein. Auch die kostenlosen Stadtbusse die Mamdani im Wahlkampf versprach sind noch eine Realität.



