
Als Abraham Beame, der von 1974 bis 1977 Bürgermeister von New York war, anlässlich der Eröffnung einer modernen Abwasseraufbereitungsanlage auf Staten Island, der Anfang von Maßnahmen, die zu einer dramatischen Verbesserung der Wasserqualität rund um New York beitrug, die bis heute anhält, eine Zeitkapsel dort einmauern ließ, steckte er auch einen Brief an die Person, die das Amt 50 Jare später innehaben sollte, hinein. Diesen öffnete sein Nachfolger Zohran Mamdan am Mittwoch.
Hier der Brief, darunter der Text auf deutsch.



Der Text des Briefes
Grüße aus dem zwanzigsten Jahrhundert, 200 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung unserer Nation.
Wir können uns kaum vorstellen, wie sehr sich eure Zeit von unserer unterscheiden wird.
Für uns wirkt das Leben vor fünfzig Jahren heute eigentümlich; seine Probleme erscheinen einfach und seine technischen Errungenschaften – gemessen an der Gegenwart – beinahe primitiv.
Ende 1926 – das war mehr als fünf Monate, bevor Charles Lindbergh als erster Mensch allein und ohne Zwischenlandung den Atlantik überquerte. In den 49 Jahren zwischen Lindberghs Flug und unserer heutigen Zeit haben unsere Flugzeuge die Schallmauer durchbrochen, Millionen Menschen fliegen jährlich rund um den Globus, und es ist uns gelungen, bemannte Flüge über unsere Atmosphäre hinaus zu unternehmen.
Heute finden sich amerikanische Fußabdrücke auf dem Mond, amerikanische Sonden auf dem Mars, sowjetische Sonden auf der Venus, und unbemannte Raumsonden erkunden weitere Teile unseres Sonnensystems.
Wenn in nur einem einzigen Bereich menschlichen Strebens innerhalb von weniger als einem halben Jahrhundert ein solcher Fortschritt möglich ist, dann lässt einen der Gedanke an die Fortschrittsmöglichkeiten der kommenden fünfzig Jahre geradezu staunen.
Wir hoffen, dass ihr, unsere Nachkommen, in einer Welt lebt, in der sich das Bevölkerungswachstum stabilisiert hat; in der Hunger, Krankheiten und Analphabetismus beseitigt sind; in einer Welt, in der die Menschen die Rechte der anderen achten; in einer Welt, in der die Schätze von Land und Meer gerecht verteilt sind; in einer Welt, in der die Menschen einer produktiven und erfüllenden Tätigkeit nachgehen – einer Tätigkeit, die unsere Umwelt bewahrt und aufwertet, statt sie zu schädigen.
Wir wünschen uns, dass ihr in einer Welt lebt, in der die Nationen in Frieden miteinander leben und die Menschen in Freiheit existieren.
Diese Zeitkapsel – mit ihren Zeitungen und anderen Gegenständen aus unserem Jahr – soll euch einen Einblick in unsere Errungenschaften und Misserfolge, unseren Stolz und unsere Enttäuschungen geben; vor allem aber in unsere Hoffnungen für diejenigen, die nach uns kommen.
Betrachtet unsere kritische Selbstreflexion als Ausdruck unseres Strebens nach Verbesserung und als unsere Träume für euch.
Wir sind sehr stolz auf diese Kläranlage in Port Richmond. Im Jahr 1926 flossen die ungeklärten Abwässer von Millionen New Yorkern direkt in unsere Flüsse. Es sollte noch zehn Jahre dauern, bis die Stadt ihre erste Kläranlage auf Ward’s Island, mitten im East River, in Betrieb nahm.
Heute, im Jahr 1976, bei der Einweihung dieses Projekts, haben wir bei der Säuberung der New Yorker Gewässer einen Punkt erreicht, an dem 85 % unserer Abwässer geklärt und sicher eingeleitet werden können.
Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass immer noch 15 % unserer Abfälle ungeklärt in unsere Gewässer gelangen. Diese selbstkritische Betrachtung ist der Ausgangspunkt für künftige Erfolge, denn wir haben nun die letzte Phase dieser Säuberungsaktion eingeleitet. Wir hoffen, bis Anfang der 1980er Jahre über genügend Kläranlagen und technische Einrichtungen zu verfügen, um sämtliche Abwässer behandeln zu können.
Schon jetzt sind Dutzende Fischarten in unsere Flüsse zurückgekehrt, um dort zu laichen und zu leben. Wir blicken einer nahen Zukunft entgegen, in der wir selbst Flüsse und Strände nutzen können, die einst zum Schwimmen, Angeln oder für andere Freizeitaktivitäten völlig ungeeignet waren.
Trotz der derzeitigen Sparpolitik der öffentlichen Hand tun wir alles in unserer Macht Stehende, um Ihnen eine saubere und schöne Umwelt als Erbe zu hinterlassen. Wir hoffen, dass Sie und die junge Generation im Hudson River, East River, Harlem River, im Long Island Sound, in der Upper Bay sowie an den Stränden von Staten Island, Brooklyn und Queens schwimmen, angeln und sich erholen können.
Wir wünschen uns, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel in einem New York City leben, das auch in Zukunft weltweit die Nummer eins bleibt – in allen Bereichen, die Körper, Geist und Seele des Menschen betreffen.
Abraham D. Beame – Bürgermeister

