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Wäre deutsch wirklich beinahe Amtssprache in New York und dem Rest der USA geworden?

von Erol Inanc
Gründer New York Aktuell
10-09-2019

Frederick Muehlenberg – Namensgeber der Muehlenberg Legende

Seit 200 Jahren hält sich die Legende, die besagt, dass Deutsch beinahe eine offizielle Amtssprache der USA geworden wäre. Ein entsprechendes Gesetz soll nur an einer einzigen Stimme gescheitert sein und der Mann, der die Wahl zugunsten von Englisch entschied, soll noch dazu deutscher Abstammung gewesen sein. Wären die USA und somit New York also beinahe deutschsprachig geworden?

Die klare Antwort ist ‚Nein‘ – doch wie viele Legenden, steckt auch in dieser ein Stück Wahrheit. Hier ist, was wirklich passierte: Am 9. Januar 1794 reichte eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia beim US-Repräsentantenhaus eine Petition ein, in der sie die Veröffentlichung von Gesetzestexten in deutscher Übersetzung forderten. Dies sollte den Einwanderern, die noch kein Englisch gelernt hatten, helfen, sich schneller mit den Gesetzen in der neuen Heimat zurechtzufinden. Doch der Antrag wurde vom Hauptausschuss des Repräsentantenhauses mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt. Der deutschstämmige, zweisprachige Sprecher des Repräsentantenhauses, Frederick Augustus Conrad Muehlenberg, der sich selbst bei der Abstimmung enthalten hatte, erklärte hinterher: “Je schneller die Deutschen Amerikaner werden, desto besser.”

Die Ablehnung der Petition führte bei den deutschen Siedlern zu einer gewissen Entäuschung, die dann eine Generation später den Nährboden für die sogenannte Muehlenberg-Legende bildete, die besagt, dass Deutsch neben Englisch beinahe Amtssprache in Amerika geworden wäre.

Wenn man sich die Fakten zu der Zeit ansieht, sieht man schnell, wie wenig logisch ein solches Vorhaben gewesen wäre. Die Deutschen waren Anfang der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der größten Einwanderergruppen, aber machten dennoch weniger als 10% der Bevölkerung aus. Sie waren also keine Gruppe, die der ganzen neuen Nation ihre Sprache hätte auferlegen können, ganz besonders in Anbetracht dessen, dass Englisch zu dem Zeitpunkt schon fest als die ‘lingua franca’ Amerikas etabliert war und es ungeheuerlichen Bemühungen bedurft hätte, noch eine 2. Sprache zu etablieren, für die es keinen großen Bedarf gab.

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